KommentarIran, Ukraine, Korruption: Die Republikaner wollen sich Trumps Machtspiele nicht mehr einfach gefallen lassen.06.06.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenIm Senat widersetzen sich führende Republikaner zum ersten Mal direkt.Tom Brenner / ReutersEs ist schwierig, sich Donald Trump als lahme Ente vorzustellen, als «lame duck». So wird in den USA ein abtretender Präsident bezeichnet. Je näher das Ende seiner Amtszeit rückt, desto mehr verliert er seine politische Potenz.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Davon sind wir noch mehr als zwei Jahre entfernt. Bis dann ist Trump kraft seines Amtes der mächtigste Mann der Welt. Er kann Kriege beginnen; er kann seinen Regierungsapparat auf politische Feinde ansetzen. Dass er seine Befugnisse maximal auszuleben bereit ist, ungeachtet von Regeln und sogar dem gesetzlichen Rahmen, hat Trump längst bewiesen. Geholfen hat ihm dabei massgeblich die Unterwürfigkeit der Republikaner im Kongress.Doch genau damit scheint es nun ein Ende zu haben, denn eine wachsende Zahl von Republikanern verliert die Geduld mit dem Präsidenten. Diese Woche verabschiedete die grosse Kammer eine Resolution, die ein Ende des Krieges in Iran verlangt. Eine ähnliche Vorlage ist im Senat unterwegs. Trump hatte den Krieg formell als beendet erklärt, damit er die gesetzliche Frist für eine Bewilligung durch den Kongress nicht einhalten musste. Das Spielchen will man sich im Capitol nun doch nicht gefallen lassen.Die Meuterei geht weiter. Am Donnerstag sprach das Repräsentantenhaus ein 9-Milliarden-Dollar-Hilfspaket für die Ukraine und beschloss neue Sanktionen gegen Russland. Beide Vorlagen – die Iran-Resolution und das Ukraine-Gesetz – scheitern potenziell am Veto des Präsidenten. Denn es sind nur einige wenige Republikaner, die sich widersetzen – genug, um eine Mehrheit mit den Demokraten zu bilden, aber zu wenig, um ein Veto zu überstimmen. Dennoch hat sich der Wind gedreht in Washington. Trump befindet sich in der Aussenpolitik nun auf Konfliktkurs mit dem Kongress.Eklat wegen EntschädigungsfondsDer Widerstand kann auch schnell zu einer breiteren Rebellion anwachsen, wenn Trump den Bogen überspannt. Das illustrierte die Empörung über Trumps Entschädigungsfonds für angebliche Justizopfer der Regierungen Obama und Biden. Der 1,8-Milliarden-Dollar-Fonds, von dem auch Täter des 6. Januars hätten profitieren sollen, erwuchs aus einer aussergewöhnlichen Vereinbarung von Trump mit der Steuerbehörde IRS.Das Manöver mit Steuergeldern war dermassen irregulär, dass die Republikaner im Senat nach Luft schnappten. Nach einer explosiven Sitzung mit dem Justizminister ad interim, Todd Blanche, stoppte der republikanische Mehrheitsführer John Thune eine Abstimmung, die endlich Trumps Immigrationspolitik weiter finanziert hätte. Der Speaker des Repräsentantenhauses sprach im Weissen Haus vor, wonach die Pläne für den Entschädigungsfonds auf Eis gelegt wurden. Die Republikaner übten die Macht der Staatskasse aus – und siegten.Trumps Durchsetzungskraft war bisher nur so gross, weil die Republikaner ihn gewähren liessen. Doch das Zweckbündnis der Partei mit ihrem Präsidenten wird im Wahljahr strapaziert. Trump ist so unbeliebt wie nie zuvor, sein Iran-Abenteuer ist etwa so beliebt wie der Vietnam-Krieg. Das schlägt sich in schlechten Prognosen für Republikaner nieder, die in den Zwischenwahlen im November ihre Sitze verteidigen müssen.Trump ist kein TeamplayerIn dieser Lage erweist sich Trump ganz und gar nicht als ein Teamplayer für die Republikaner. Statt sie zu stützen, kapriziert er sich darauf, altgediente Bisherige aus dem Rennen zu werfen. Diese bilden den Kern der Widerspenstigen im Kongress, denn sie haben nichts mehr zu verlieren. Warum sollten die Republikaner zu Trump halten, wenn er nicht zu ihnen hält?Sobald die Vorwahlen Ende Sommer vorüber sind, verliert Trump den eisernen Griff beim Maga-Kern der Partei. In den Hauptwahlen herrschen andere Gesetzmässigkeiten, die gemässigte Kandidaten favorisieren. Immer mehr nervöse Republikaner werden sich von Trump distanzieren wollen.Die Uhr tickt nicht zugunsten des Präsidenten. Allgemein wird erwartet, dass die Demokraten im November die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückholen werden. Sogar der Senat könnte kippen. Das würde das Ende der dreifachen Machtposition der Republikaner in Washington bedeuten. Gleichzeitig wird unmittelbar danach die Diskussion um die Nachfolge von Trump beginnen. Trump ist zwar noch lange keine «lame duck» – er wird alle Register ziehen, um relevant zu bleiben. Aber er hat bereits ein Quantum Kontrolle über seine Republikaner verloren – und das ist erst der Anfang.Passend zum Artikel