Es gibt diesen Reflex, der sich seit Jahren durch deutsche Familien zieht: Wenn das Abi geschafft ist, muss es die Uni sein. Seit 2011 liegt die Studienanfängerquote in Deutschland konstant bei deutlich über 50 Prozent. Mehr als die Hälfte eines Geburtsjahrgangs strömt in die Hörsäle – und entscheidet sich damit gegen eine duale Ausbildung, die in vielen Branchen längst attraktiver bezahlt wird, schneller in den Beruf führt und sicherer in die Zukunft trägt.

Das wäre nicht weiter problematisch, würde der Trend zur Akademisierung von einer realistischen Einschätzung der Arbeitsmarktchancen begleitet. Doch wer sich für Architektur, Design oder Kultur- und Geschichtswissenschaft einschreibt, blickt einer schwierigen Berufsperspektive entgegen. Erst recht in einer Zeit, in der künstliche Intelligenz immer mehr kreative und kognitive Aufgaben übernimmt – vom Entwurf bis zur Textproduktion. Was heute noch nach individueller Leidenschaft klingt, kann morgen schon ein algorithmisch erledigter Routinejob sein.

Im Osten der Republik zeichnet sich ein anderes Bild ab. Statt auf breite geisteswissenschaftliche Curricula setzen Universitäten in Sachsen und Thüringen auf ein dezidiert technisches Profil. An der TU Bergakademie Freiberg studiert man Additive Fertigung für den 3D-Druck, Robotik oder Smart Systems Engineering – Fächer, die es in dieser Schärfe an kaum einem anderen deutschen Standort gibt.