Es sind nur wenige Minuten zu Fuß vom S-Bahnhof Berlin-Frohnau zu Bettina Wegner. Ein senfgelb verklinkertes Haus aus den Siebzigerjahren. Wegner sitzt auf ihrem Stammplatz im Wohnzimmersessel mit Blick auf den Garten, an der Wand hängen die Fotos dreier junger Männer: ihrer Söhne. Links Benjamin, in der Mitte Jakob, rechts David. Benjamins Vater war der Schriftsteller Thomas Brasch, Davids und Jakobs Vater war der Schriftsteller Klaus Schlesinger. Die beiden Männer wie auch die Liedermacherin und Sängerin Bettina Wegner liebten die DDR und waren gleichzeitig gegen das System. Sie wurden von der Stasi überwacht und bedroht. Brasch ging wie Wolf Biermann 1976 in den Westen, da waren er und Wegner längst getrennt. Bettina Wegner und Klaus Schlesinger, ab 1970 verheiratet, unterzeichneten 1976 den Protest gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns, die Stasi überwachte sie fortan noch eifriger. Ihre gemeinsame Stasi-Akte hieß OV »Schreiberling«, OV steht für: Operativer Vorgang. Schlesinger zog 1980 in den Westen. Wegner wollte bleiben, doch sie durfte kaum noch auftreten. Ihre Lieder galten als systemzersetzend. Ein Vers aus ihrem bekanntesten Lied Kinder (Sind so kleine Hände) lautet: »Grade, klare Menschen / Wär’n ein schönes Ziel / Leute ohne Rückgrat / Hab’n wir schon zu viel.« 1982 ließ sich das Paar scheiden. 1983 zog auch Wegner in den Westen, nach Frohnau. Sie ist jetzt 78 Jahre alt, sie spielt eine kleine Rolle in der zweiten Staffel der ARD-Serie Oderbruch. Am 21. Juni gibt sie in der »Distel« in Berlin ihr Abschiedskonzert. Danach wird sie nur noch als Gast ihres musikalischen Wegbegleiters Karsten Troyke singen.
Bettina Wegner: »Ich hatte Angst. Aber es ging nicht anders. Ich musste meine Lieder singen«
Der Protest gegen das Regime der DDR und die gleichzeitige Verbundenheit mit dem Land prägen das Leben der Liedermacherin Bettina Wegner bis heute. Ein Gespräch über die Angst, die Liebe und die Einsamkeit.








