In Albanien sitzt seit 2025 eine Ministerin im Kabinett, die kein Mensch ist. „Diella“ heißt sie, ist ein KI-Avatar und wurde vom Ministerpräsidenten Edi Rama eingesetzt, um den menschlichen Hang zur Korruption bei öffentlichen Aufträgen einzudämmen. Albanien war damit das erste Land weltweit, das einer Künstlichen Intelligenz eine offizielle Regierungsrolle zuwies. Man muss diesen Vergleich nicht überstrapazieren. Aber er hilft dabei, die Diskussion einzuordnen, die sich um einen Gastbeitrag zweier ostdeutscher Ministerpräsidenten entsponnen hat.

Mario Voigt, Ministerpräsident von Thüringen, und Sven Schulze, Regierungschef von Sachsen-Anhalt (beide CDU), haben in der Welt einen gemeinsamen Gastbeitrag veröffentlicht, der den Titel „Wir brauchen mehr Raum für deutsche Stimmen“ trägt. Ihr Anliegen ist mehr deutschsprachige Musik im Radio. Doch der Beitrag hat ein Problem – oder zumindest einen Beigeschmack, der die inhaltliche Debatte nahezu vollständig überlagert hat. Es geht um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) der Autoren.

Glatte Sätze, bekannte Muster

Die Formulierungen wirkten zu geschliffen, zu symmetrisch, zu sehr nach Sprachmodell. Sätze wie „Diese Kontinuität ist keine Nostalgie. Sie ist Argument.“ oder „Das ist keine Regulierung. Das ist Verantwortung.“ oder „Denn Sichtbarkeit entsteht nicht von allein. Sie ist eine Entscheidung.“ sorgten im Netz rasch für Spott und Stirnrunzeln.