Sie hat 47 Jahre gearbeitet, Beiträge gezahlt, zwei Kinder großgezogen – und berichtet nun von einer Rente, die nur rund 300 Euro über dem Bürgergeldniveau liegt. Eine Leserin der Berliner Zeitung bringt ihren Frust auf den Punkt: „Wir werden mit unserer geringen Rente bestraft.“Es ist ein Satz, der sitzt. Und er kommt in einem Moment, in dem die Politik gerade dabei ist, die Pflegeversicherung grundlegend umzubauen – mit Konsequenzen, die für viele Menschen existenziell werden könnten.

Das Loch ist riesig – und seit Jahren absehbar

Für 2027 rechnet das Bundesgesundheitsministerium unter Nina Warken (CDU) mit einem Defizit von 7,6 Milliarden Euro in der Pflegeversicherung. Die Ursache ist keine Überraschung: Eine alternde Gesellschaft prallt auf ein System, das auf den demografischen Wandel nicht ausreichend vorbereitet wurde. Jetzt werden die Rechnungen fällig.Ein Gesetz zur Neuordnung der Pflegeversicherung soll die schlimmsten Lücken stopfen. Was das konkret bedeutet: Gutverdiener zahlen mehr, weil die Beitragsbemessungsgrenze angehoben wird. Kinderlose werden stärker zur Kasse gebeten. Für Minijobs sollen ab 2027 Pflegebeiträge anfallen, getragen von den Arbeitgebern. Und ab 2028 soll die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern deutlich eingeschränkt werden – mit Ausnahmen für Kinderbetreuung, Angehörigenpflege und Rentner.Gleichzeitig soll der Zugang zu neuen Pflegegraden erschwert werden. Für bestehende Pflegegrade gilt laut Entwurf Bestandsschutz – niemand soll wegen neuer Schwellenwerte einen bereits anerkannten Grad verlieren. Zusätzlich sollen künftige Heimbewohner länger warten, bis die höchsten Entlastungszuschüsse greifen.