Schönheit und Ästhetik spielen eine wichtige Rolle beim Dating. So freuen sich Menschen über schöne Blumen, eine aufwendig verpackte Schachtel Pralinen oder über einen funkelnden Verlobungsring. Auch das erste Treffen zu Hause bei warmem Licht, gemütlichen Möbeln und gepflegten Zimmerpflanzen schafft eine wohlige Atmosphäre.Der Graulaubenvogel in Australien scheint beim Dating ebenfalls viel Wert auf eine einladende Gestaltung seiner Umgebung zu legen. Das zeigt eine aktuelle Studie, erschienen im Fachblatt Royal Society Open Science. Ein Autorenteam um die Biologin Caitlin Evans untersuchte, welche Objekte Graulaubenvögel für ihre Balzlauben bevorzugen. Das Autorenteam hat dafür ländliche und urbane Lauben der Tiere verglichen.Während der Brutsaison dokumentierten sie über vier Monate insgesamt 61 Lauben im nördlichen Queensland, Australien – jeweils an einem ländlichen und an einem städtischen Standort. Zudem boten die Forschenden im Rahmen eines Auswahlexperiments den männlichen Vögeln verschiedene Objekte an und beobachteten, welche Stücke die Tiere für ihre Laube bevorzugten.Minimalismus scheint den männlichen Graulaubenvögeln kein Begriff zu seinSchon länger ist bekannt, dass bestimme Vogelarten farbenfrohe Dekorationen während der Balzzeit in ihren Lauben präsentieren, um als geeignete Fortpflanzungspartner auf sich aufmerksam machen. Hier scheint der Einfluss des Menschen auf die Natur eine zunehmende Rolle zu spielen.Die Studie zeigt, dass Gegenstände wie Scherben, Kabel oder Plastik bei Graulaubenvogel-Männchen besonders beliebt waren. Zudem bevorzugten sie im Auswahlexperiment mit einer zehnfach höheren Wahrscheinlichkeit einen städtischen Schatz. Die Studienautorinnen vermuten, dass die Vögel künstliche Materialien nutzen, um ihre Balz attraktiver zu gestalten. „Diese Gegenstände sind sehr auffällig und fallen dem Weibchen während der Balz besonders ins Auge“, sagt Evans. Zudem seien sie häufig aus Plastik oder Glas und würden entsprechend nicht verblassen oder verrotten.Minimalismus scheint den männlichen Graulaubenvögeln beim Gestalten der städtischen Lauben zudem kein Begriff zu sein. 4,74-mal mehr Objekte pro Balzstätte fanden die Forschenden im städtischen Raum im Vergleich zum ländlichen. Ein städtischer Vogel sammelte sogar mehr als 300 Objekte an seiner Laube. Skurrile Gegenstände ließen sich ebenfalls entdecken: „Wir fanden auch Gegenstände wie einen Mundschutz oder einzelne Banknoten“, sagt Evans.Was bedeutet das für den Menschen? Der menschliche Alltag hinterlässt Spuren im Tierreich – offenbar auch dort, wo man sie zunächst nicht vermuten würde. Es sind nicht nur Plastiktüten, die Schildkröten verschlucken oder Fischernetze, in denen sich Wale verheddern, sondern eben auch Plastikdeckel, die über den Fortpflanzungserfolg von Vögeln entscheiden.Doch nur kurios sind die Funde der Forscherinnen nicht. Sie schreiben in ihrer Studie, dass die Verwendung von menschengemachten Materialien als Dekoration für Laubenvögel auch erhebliche Risiken bergen könne: Die Tiere können sich verschlucken, verheddern oder sich vergiften.