Sie nimmt zur ersten Lesung aus ihrem neuen Roman Platz, streicht die Blusenärmel zurück, greift mit der einen Hand das Mikrofon, zeigt mit der anderen in die Höhe und sagt: „Jetzt kommt die Trapeznummer.“ Heike Geißler ist zwar Gast des Literaturhauses Berlin, weil das aber erst im September wieder in seine Villa in Charlottenburg zurück kann, findet die Buchpremiere von „Michaela Kohlhaas“ im Cabuwazi-Zelt auf dem Tempelhofer Feld statt.
Die Autorin liest: „Bericht über Schutzengel im Zirkus“. Das ist ein kleiner Text des im März gestorbenen Filmemachers, Fernsehproduzenten und Schriftstellers Alexander Kluge – Geißler und er waren Verlagskollegen bei Suhrkamp.
Michaela Kohlhaas will ihre Stimme zurück
Später erzählt sie dieser Zeitung, dass sie überlegt hat, etwas speziell für die Manege einzustudieren, denn sie liebe Zirkus. Die Zeit habe nicht gereicht. Klar, sie hat jetzt etliche Lesungstermine, das Buch ist ganz frisch draußen und löst begeisterte Erschütterung wie erschütternde Begeisterung aus: Michaela Kohlhaas ist, so heißt es im Roman, „keine frohe Botschaft, sondern eine Absage“. Die Titelheldin zieht ins Rathaus und will ihre Stimme zurück. Sie wird von dem Trümmerberg-Satz „Das bringt doch alles nichts“ fast verschüttet, aber sie macht weiter in ihrem mal stillen, mal lauten Kampf gegen die Verhältnisse.






