Putin: Wir müssen die Luftabwehr verbessernWährend Wladimir Putins „Internationalen Wirtschaftsforums“ in Sankt Petersburg trifft der russische Herrscher traditionell die Leiter mehrerer Nachrichtenagenturen aus aller Welt. Auch in diesem Jahr. Ein naheliegendes Thema war der ukrainische Drohnenangriff, der am Mittwochmorgen kurz vor der Eröffnung des Forums ein Ölterminal im Hafen von Petersburg in Brand gesetzt sowie nach ukrainischen Angaben eine Explosion auf einem Kriegsschiff auf der Insel Kronstadt verursacht hat. „Russland hat ein Luftabwehrsystem", sagte Putin dazu am Donnerstag. „Ja, wir müssen es verbessern. Ja, wir müssen es stärken. Und das werden wir tun.“ Putin relativierte zudem den in der Vergangenheit noch von ihm selbst gefeierten Einsatz der Mittelstreckenrakete Oreschnik gegen Ziele in der Ukraine. Die Waffe sei noch nicht „im ganzen Sinne des Wortes“ eingesetzt worden, sagte er nun. Zum ersten Mal überhaupt war die Oreschnik im November 2024 gegen ein Rüstungswerk in der Stadt Dnipro eingesetzt worden, im Januar dieses Jahres dann gegen einen Gasspeicher nahe Lemberg (Lwiw) sowie am 24. Mai gegen die Stadt Bila Zerkwa nahe Kiew und, wie schon zuvor vermutet wurde, im ostukrainischen Donezker Gebiet.Letzteren Einsatz bestätigte Putin nun erstmals, äußerte sich aber nicht zu der Vermutung von Beobachtern, diese zweite Oreschnik könne über russisch kontrolliertem Gebiet niedergegangen sein. Bei allen Einsätzen waren die Raketen ohne Sprengladung oder nur mit Übungsmunition eingesetzt worden und hatten allein aufgrund ihrer Bewegungsenergie Schäden am Boden angerichtet.Oreschnik abgefeuert, um zu prüfen, „wie die Raketenblöcke liegen“Fachleute haben in der Vergangenheit die Überzeugung geäußert, eine volle Beladung könne die Zielgenauigkeit der, wie Putin immer wieder beteuert, nuklearfähigen Rakete beeinträchtigen. Offenkundig mit Blick auf Bilder einiger zerstörter Garagen in Bila Zerkwa, die Ende Mai bitteren Spott der russischen Kriegsblogger zur Folge hatten, sagte Putin, man habe die Oreschnik ganz bewusst auf „einen Schuppen“ abgefeuert, um zu prüfen, „wie die Raketenblöcke liegen“. Er behauptete, dass die Folgen dieses Angriffs anschließend von Drohnen aufgezeichnet worden seien. Dies sei notwendig gewesen, um Entscheidungen über den weiteren Einsatz der Oreschnik zu treffen. Die Kosten einer einziger dieser Raketen werden auf einen hohen zweistelligen Euro-Millionenbetrag geschätzt. Auf die Frage, ob Russlands Offensive gegen die Ukraine zu einer „strategischen Katastrophe“ geworden sei, behauptete Putin zum wiederholten Male, dass Russland entlang der „gesamten Kontaktlinie“ vorrücke.Allerdings hat sich das schon zuvor geringe Tempo des russischen Vormarsches seit Ende 2025 weiter verlangsamt. Aktuellen Daten zufolge hat die Ukraine im Mai gegenüber Russland sogar Gebiete zurückgewonnen.„Absolut bereit und willens, mit der Ukraine eine Vereinbarung zu erzielen“Putin ließ abermals durchblicken, dass er weiterhin darauf setzt, die amerikanische Führung werde Kiew unter Druck setzen, Gebiete insbesondere im Donbass zu räumen, die seine Invasoren weiter nicht erobern können. „Wir sind absolut bereit und willens, auf friedlichem Wege mit der Ukraine eine Vereinbarung zu erzielen“, sagte Putin. Die USA seien nun aber „gezwungen“ gewesen, ihre Aufmerksamkeit auf den Irankrieg zu verlagern, äußerte er getreu seiner Linie, gegenüber Präsident Donald Trump stets Verständnis zu zeigen. Putin sagte, die EU oder einzelne europäische Länder kämen als Vermittler im Krieg nicht in Betracht, da sie die Ukraine unterstützten. Es sei nur denkbar, dass sie versuchten, Kiew dazu zu bringen, „Kompromissen zuzustimmen“, die er und Trump in Anchorage erzielt hätten. In der Stadt in Alaska hatte Trump Putin im vergangenen August empfangen. Konkrete Ergebnisse wurden danach allerdings nicht bekannt. Wie schon am 9. Mai, brachte Putin neuerlich den früheren deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder für eine Rolle in Verhandlungen ins Gespräch. Dieser sei nicht sein Freund, sagte Putin über den früheren Rohstoffvertreter des Kremls, der dieser Tage in einem Moskauer Luxushotel gesehen worden war. Schröder sei vielmehr ein „deutscher Staatsmann, und meiner Meinung nach einer der besten, weil er seine eigene Position hat und den Mut, sie zu verteidigen“. Moskau versuche Europa jedoch nicht vorzuschreiben, wen es für Gespräche mit Russland benennen solle. Putin pries auch die AfD, aus deren Reihen mehrere Politiker nach Petersburg gereist sind. Die Abgeordneten der Partei verstünden es, ihre Position klar zu formulieren und ohne Angst dafür zu kämpfen, sagte Putin und verwies auf die Umfragen, welche die Partei vor der Union sehen. „Wir werden mit denen zusammenarbeiten, die mit uns arbeiten wollen.“ Wie auch die AfD, lockte Putin dann deutsche Wähler mit einer Wiederaufnahme von Öl- und Gaslieferungen.
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