Die Entscheidung des Umweltministeriums Mecklenburg-Vorpommerns, die Auswertung des Waltrackers der sogenannten Rettungsinitiative zu überlassen, stößt auf Kritik. Die Öffentlichkeit habe ein Recht darauf, zu erfahren, was mit dem Wal geschehen sei – und zwar durch vollständige Transparenz in Bezug auf alle Aspekte des gescheiterten Rettungsversuchs, einschließlich der Offenlegung aller Daten dieses Geräts, sagte der dänische Walforscher Peter T. Madsen der F.A.Z. „Wenn diese Daten nicht weitergegeben werden, gibt es allen Grund zu der Annahme, dass sie etwas zeigen, das nicht mit der Darstellung übereinstimmt, die diese Leute über ihren gescheiterten Rettungsversuch aufrechterhalten wollen“, so Madsen. „Das Ausmaß an Inkompetenz bei den deutschen Behörden überrascht mich immer wieder.“Der Buckelwalfachmann hatte wiederholt kritisiert, dass das Umweltministerium die Aktivitäten der „Rettungsinitiative“ zugelassen hatte. Er hatte früh davor gewarnt, dass der Wal nach dem Transport in der Barge rasch sterben würde – was dann auch geschah. Bisher ist unklar, wann genau das Tier verendete. Da es krank und geschwächt sowie durch den Transport mutmaßlich auch verletzt war, nimmt Madsen an, dass es rasch nach seinem Aussetzen erstickte.Madsen fordert, dass die detaillierten Tiefen- und GPS-Daten, die der Tracker in seinem Speicher abgelegt hat und die es ermöglichen, sowohl das Verhalten nach der Freilassung als auch den Zeitpunkt des Todes des Wals mit hoher Genauigkeit zu bestimmen, öffentlich gemacht werden.Tracker angeblich Eigentum der InitiativeDas Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern hatte entgegen dem wissenschaftlichen Rat die Aktivitäten der Rettungsinitiative geduldet. Diese hatte den gestrandeten Wal in der Bucht von Wismar eingecremt, versucht ihn zu füttern, ihn mit Tüchern bedeckt und schließlich in eine Barge bugsiert, mit der er bis in die Nordsee verfrachtet wurde. Dort wurde er offenbar an der Fluke mit einem Seil rückwärts herausgezogen. Dadurch könnte er verletzt worden sein.Am Donnerstag hatte das Umweltministerium bekannt gegeben, dass der bei der Aussetzung am Wal befestigte Tracker an Anne Herrschaft, die von der Walrettungsinitiative beauftragte Tierärztin, übergeben wurde. Diese arbeitet offenbar in einer Pferdeklinik in Bockhorn. Ihrem Lebenslauf zufolge, der auf der Website der Tierarztpraxis einsehbar ist, hat sie keine Erfahrungen mit Walen.Laut dem Umweltministerium sind der Tracker selbst sowie die zugehörigen Rohdaten Eigentum der Initiative. Im Ministerium sieht man keine rechtliche Handhabe, den Tracker den Eigentümern vorzuenthalten. Über eine Veröffentlichung der Rohdaten entscheidet daher „grundsätzlich die Initiative“.Ministerium: Wird immer Raum für Spekulationen gebenJuristen stellen diese Sichtweise infrage. In einer kürzlich gestellten Strafanzeige gegen das Ministerium heißt es, diese Rechtsansicht sei Unsinn, „weil das Ministerium im Fall des Verdachts einer Straftat nach dem Tierschutzgesetz als oberste Landesbehörde von Amts wegen zur Sachaufklärung veranlasst wäre und vermeintliche Eigentumsrechte Dritter dem auch nicht entgegenstehen würden“.Vom Ministerium heißt es weiter, in einer Vereinbarung mit der „Wal-Rettungs-Initiative“ sei geregelt, dass dem Ministerium ein vollständiger Zugriff auf die durch den Tracker erzeugten Daten eingeräumt werde. Beide Seiten könnten die Daten unabhängig voneinander sowie durch sachverständige Dritte oder wissenschaftliche Einrichtungen auswerten lassen. Ziel sei eine möglichst umfassende und wissenschaftlich fundierte Aufarbeitung der Ereignisse.„Natürlich wird es immer Raum für Spekulationen geben“, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums der F.A.Z. Doch verfüge das Ministerium selbst auch über die Zugangsdaten des Trackers und werde die Angaben der Initiative auf Plausibilität prüfen.
Umweltministerium übergibt Wal-Tracker an Initiative: Kritik
Das Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern hat den Tracker des verendeten Buckelwals an die sogenannte Rettungsinitiative übergeben. Das sei so rechtens. Juristen widersprechen. Der Walforscher Peter T. Madsen ist fassungslos.








