Wenn es ganz blöd läuft, fällt für dieses wichtige Spiel auch noch die Nummer eins im deutschen Tor aus. Ann-Katrin Berger hatte sich Ende Mai bei einer Partie mit ihrem US-Klub Gotham FC bei einem Zusammenprall derart schwer am Bauch verletzt, dass sie mit einer Trage vom Platz und für eine Nacht in ein Krankenhaus gebracht werden musste. Für das WM-Qualifikationsspiel gegen Norwegen konnte sie zwar nach Köln anreisen, die Prellung aber war nicht verheilt. „Ich habe Schmerzen. Aber manche Schmerzen sind aushaltbar – und das versuchen wir gerade auszutesten, wie weit wir gehen können“, sagte Berger nach einer leichteren Trainingseinheit drei Tage vor dem Anpfiff. Es könne besser werden, es könne genauso schlechter werden: „Ich versuche, so viel wie möglich zu machen. Und dann mal sehen, ob es bis Freitag reicht.“Langsam sollte sich die 35-Jährige herantasten, inklusive eines Schutzpolsters am Oberkörper, bloß kein Risiko eingehen in der Vorbereitung. „Wir werden sicherlich bis zur letzten Minute warten, um die Entscheidung zu treffen“, lautete eine erste Einschätzung von Co-Trainerin Maren Meinert: „Vielleicht erst am Spieltag.“ Am Donnerstag wirkte Bundestrainer Christian Wück dann schon zuversichtlich. Noch könne das Fragezeichen nicht durch ein Ausrufezeichen ersetzt werden, aber Berger habe das Training sukzessive gesteigert und ein positives Signal gegeben. Sollte sie doch ausfallen, konkurrieren Ena Mahmutovic vom FC Bayern und Stina Johannes vom VfL Wolfsburg um ihren Platz, eine feste Rangfolge gibt es nicht.Nationalspielerin Laura Freigang:Negativ getestet und trotzdem bald gesperrt?Die deutsche Fußball-Nationalspielerin Laura Freigang ist in den Fokus der Anti-Doping Agentur Nada geraten: Ihr droht wegen Formfehlern bei Dopingtests eine Sperre.Von einer Torwart-Debatte wie bei den Männern vor der Weltmeisterschaft in Nordamerika sind die DFB-Frauen vor ihrem nächsten Spiel mehr als die 6800 Kilometer entfernt, die zwischen den aktuellen Aufenthaltsorten Köln und Chicago liegen. Aber die Nummer eins Ann-Katrin Berger und die Nummer eins Manuel Neuer teilen eine relevante Eigenschaft: Ihnen wird eine gewisse Aura zugeschrieben, die Gegner allein dadurch einschüchtern kann, dass eben diese eine Person im DFB-Trikot zwischen den Pfosten die Arme ausfährt. Mahmutovic und Johannes sind erprobte Torhüterinnen, aber die Berger-Aura täte am Freitagabend (20.35 Uhr, ARD) gegen die Norwegerinnen ganz gut.Mit Kathrin Hendrich kehrt eine Spielerin zurück, die mithalten kann, was Aura-Punkte angehtDas Hinspiel lief weniger eindeutig, als der 4:0-Sieg vermuten lässt. Und der Druck ist gestiegen. Seit dem ernüchternden 0:0 gegen Österreich im April führen die Deutschen die Gruppe A4 nur noch mit einem Punkt vor Norwegen an. Und so geht es in den letzten beiden Spielen unerwartet noch darum, ob sie eines der vier direkten WM-Tickets für 2027 lösen, oder zwei Extrarunden über Playoffs drehen müssen. Der Modus ist kompliziert, hat aber den Nebeneffekt, dass die Teams der Liga A Überlebenschancen haben wie eine Katze mit mehreren Leben, selbst wenn sie nur Dritter oder Vierter werden. Was dann allerdings auch Duelle gegen Schwergewichte wie die Europameisterinnen aus England oder die Weltmeisterinnen aus Spanien mit sich bringen kann, die beide in Gruppe A3 gelost wurden und am Freitag aufeinandertreffen. Für die DFB-Frauen gilt vorerst: Bei einem Remis gegen Norwegen können sie in Slowenien am kommenden Dienstag noch immer an den Playoffs vorbeischlittern und sich das Kopfzerbrechen um all die möglichen Routen zum Turnier nach Brasilien sparen.Statt zu grübeln, wer gegen Norwegen wie mit wem spielt, hätte sich Bundestrainer Christian Wück mit seinem Team lieber befreit von Ergebnisdruck den spielerischen Baustellen gewidmet. Madeleine Fantini/HMB-Media/ImagoBerger ist auch deshalb so wichtig, weil sich im Nationalteam schon eine andere große Baustelle aufgetan hat: Der Bundestrainer muss auf drei seiner vier Stammspielerinnen in der Abwehr verzichten, was außerdem bedeutet: Nicht nur Kapitänin Giulia Gwinn fehlt nach einer Operation ihrer Schulter (ausgekugelt gegen Österreich), sondern auch Vize-Kapitänin Janina Minge (Rotsperre gegen, ja, Österreich). Das macht nun Mittelfeldspielerin Sjoeke Nüsken zur offiziellen Anführerin. „Das wird ein emotionales Spiel“, sagte Nüsken am Donnerstag. „Bis jetzt ist das noch ein kleiner Traum, aber wenn ich da morgen stehe, dann wird er wahr.“ Noch dazu fällt Linksverteidigerin Franziska Kett verletzt aus.Mit Kathrin Hendrich kehrt dafür eine Spezialistin zurück, die mithalten kann, was Aura-Punkte in der Defensivfraktion angeht. 90 Länderspiele hat sie bestritten, so viele wie sonst keine im Kader. Die 34-Jährige von den Chicago Red Stars ist nach einem Muskelbündelriss in der Wade wieder dabei. „Wir brauchen ihre Erfahrung, wenn Janina und Giulia wegbrechen“, betonte Wück. Rebecca Knaak bleibt als Einzige aus der eingespielten Viererkette übrig. In der Offensive kehrt mit Klara Bühl nach einer Muskel-Sehnen-Verletzung immerhin eine der wichtigsten Spielerinnen zurück. Auch das hilft beim Aura-Farmen (für alle über der Teenie-Schwelle: durch souveränes Auftreten Respekt gewinnen).Statt zu grübeln, wer wie mit wem, hätte der Bundestrainer mit seinem Team gerne befreit von Ergebnisdruck an jenen Themen gearbeitet, die gegen Österreich offensichtlich wurden: leichte Fehler, Timing, Positionierung, Lösungen suchen, wenn der eigentliche Plan nicht klappt. Alles lief viel zu schwerfällig. Das Spiel gegen Norwegen werde also wichtig, „für unser Gefühl, wie wir in die nächsten Wochen und Monate reingehen“. Gefühle können nur gemeinerweise trügen. Dass es zuletzt überhaupt zu diesem Fall eine Stufe tiefer auf der Entwicklungstreppe gekommen ist, hatte sich ja nicht angekündigt – sondern, wie Christian Wück beschrieb, sich vorher nach einem sicheren Stand angefühlt.