Als Christian Wück im August 2024 als neuer Bundestrainer vorgestellt wurde, traf er auf eine Mannschaft, die sich in einer Übergangsphase befand. Bei der WM 2023 waren die deutschen Fußballerinnen bereits in der Vorrunde ausgeschieden – das schlechteste WM-Ergebnis der DFB-Frauen überhaupt.Horst Hrubesch folgte interimsweise auf Martina Voss-Tecklenburg und brachte wieder Ruhe hinein. Unter ihm gelang die Qualifikation für die Olympischen Spiele, bei denen Deutschland die Bronzemedaille gewann. Wück übernahm eine Mannschaft, die sich nach dem WM-Schock wieder gefangen hatte, aber durch einen Umbruch geführt und spielerisch weiterentwickelt werden musste, um wieder dauerhaft mit Nationen wie Spanien, England oder den USA mithalten zu können.Am Freitagabend stand Wück nach einem 2:0-Sieg gegen Norwegen auf dem Rasen des Kölner Stadions und sagte: „Ich bin unheimlich erleichtert und stolz auf die Mannschaft.“ Die Weltmeisterschaft 2027 in Brasilien wird mit den deutschen Fußballerinnen stattfinden – und ihnen ist die Qualifikation als erstes europäisches Team sogar ohne Umweg über die Play-offs gelungen.Erhöhter KonkurrenzkampfMit 13 von möglichen 15 Punkten sicherten sich die DFB-Frauen vorzeitig den Gruppensieg und können die Zeit im Herbst nun dafür nutzen, um „unser Spielsystem, unsere Art, Fußball zu spielen, weiter zu verinnerlichen“. Die WM-Qualifikation zeigt, dass Wück die DFB-Frauen vorangebracht hat – aber verrät auch, wo die Mannschaft auf ihrem Weg in die Weltspitze wirklich steht.Besonders auffällig ist die gewachsene Kadertiefe. Wück hat den Konkurrenzkampf erhöht, indem er zahlreiche junge Spielerinnen integriert und gleichzeitig etablierten Spielerinnen das Vertrauen ausgesprochen hat. Der Kader hat sich kontinuierlich verjüngt, und vor allem das Spiel gegen Norwegen zeigte, welche Potentiale noch im deutschen Kader schlummern.Die in den USA für die Portland Thorns spielende Marie Müller beeindruckte bei ihrem Debüt mit einer souveränen Leistung auf der rechten Abwehrseite und schoss zudem auch noch den Führungstreffer. „Sie hat das bestätigt, was wir von ihr erwartet haben“, lobte Wück, der wieder einmal für seinen Mut, riskante Personalentscheidungen zu treffen, belohnt wurde. Es zahle sich aus, immer wieder neue Spielerinnen zu probieren.Die DFB-Frauen spielen strukturierter, mutiger und variablerMehrmals musste das deutsche Team in den vergangenen Monaten auf wichtige Spielerinnen verzichten. Gegen Norwegen fehlten gar drei von vier Stammkräften in der Abwehr. Dass die DFB-Frauen die Ausfälle so souverän kompensierten, hat auch mit Spielerinnen wie Müller, Carlotta Wamser oder Vivien Endemann zu tun, die nachrückten, Verantwortung übernahmen und sich nahtlos einfügten. Das spricht nicht nur für die Entwicklung einzelner Spielerinnen, sondern auch für Wücks Einschätzung, ihnen eine Chance zu geben. Die Mannschaft wirkt insgesamt weniger abhängig von einzelnen Führungsspielerinnen als noch vor einigen Jahren.Auch im Spiel selbst sind Fortschritte zu erkennen. Wück spricht gerne über Eigenverantwortung und eine klare Identität auf dem Platz. Sjoeke Nüsken wertete die frühe WM-Qualifikation als Zeichen, wie sich die DFB-Frauen weiterentwickelt haben: „Dass wir es vorzeitig geschafft haben, zeigt auch, was wir wieder für einen guten Schritt in diesem Jahr gemacht haben.“Sieht eine Weiterentwicklung: Sjoeke NüskenReutersWücks Ziel ist eine Mannschaft, die Situationen selbst erkennt und nicht nur starre Abläufe abspult. In vielen Spielen der WM-Qualifikation wurden diese Ansätze bereits sichtbar. Unter Wück spielen die DFB-Frauen strukturierter, mutiger und variabler. Vor allem die direkten Duelle mit Norwegen haben gezeigt, was mit dieser Ausrichtung möglich ist. Tempo, Intensität und Klarheit im Spiel gegen den Ball erinnern wieder an die Ansprüche einer Nation, die dauerhaft zur Weltspitze gehören will.Doch die WM-Qualifikation offenbarte auch Grenzen – und das aufschlussreichste Spiel war das 0:0 in Österreich. Gegen einen tiefstehenden Gegner fehlten Kreativität, Dynamik und Präzision. Wück sprach anschließend selbst von einem „kleinen Rückschritt“. Die Probleme, die sich auch in anderen Spielen angedeutet hatten, traten dort offen zutage: Im Ballbesitz fehlte manchmal noch die Selbstverständlichkeit, mit der die besten Mannschaften der Welt enge Räume bespielen und kompakte Defensiven auseinanderziehen. Das gilt besonders für die Sturmspitze, in der sich nach dem Rücktritt von Alexandra Popp weder Lea Schüller noch Nicole Anyomi dauerhaft festspielen konnten.Wücks größtes Verdienst liegt aber darin, dass der Anspruch gestiegen ist. Er bewertet Spiele nicht allein nach Ergebnissen. Selbst nach klaren Siegen kritisiert er regelmäßig Details, spricht über Fehler, ungenutzte Räume oder fehlende Konsequenz. Nach dem 5:1 gegen Österreich sprach er davon, dass die Mannschaft solche Spiele noch cleverer gewinnen müsse. Die Qualifikation war für ihn nur eine Etappe auf dem Weg, bei der WM wieder um den Titel mitspielen zu können.Für den, bilanzierte Wück, fehle aber noch sehr viel. „Wir versuchen, uns so weiterzuentwickeln, dass wir nicht nur bei der EM, sondern mit Mannschaften aus der ganzen Welt mithalten können.“ Das WM-Ticket ist das Ergebnis eines Teams, das gereift ist, den Abstand zur Weltspitze aber noch nicht vollständig geschlossen hat. Für Christian Wück dürfte darin die wichtigste Erkenntnis liegen: Die WM-Qualifikation ist schon vor der abschließenden Partie am Dienstag (18 Uhr, ZDF) gegen Slowenien gelungen. Die eigentliche Arbeit aber beginnt erst.
DFB-Frauen qualifizieren sich für WM: Eigentliche Arbeit beginnt erst
Die DFB-Frauen qualifizieren sich vorzeitig für die nächste WM. Das zeigt, dass Bundestrainer Christian Wück das Team vorangebracht hat. Doch der Abstand zur Weltspitze ist noch nicht vollständig geschlossen.
DFB-Frauen qualifizieren sich für WM 2027 in Brasilien ohne Play-offs als erstes europäisches Team. Wück erneuert Spielsystem und Kader mit jungen Spielerinnen, doch offenbaren sich Schwächen gegen kompakte Defensiven für künftige Titel-Ziele.














