Donald Trump Jr. zeigt sich bei seinem Auftritt in Zürich als Sprachrohr des Vaters. Für die Schweiz könnte dies ein Vorteil seinDer Ex-Botschafter Thomas Borer nutzt die Visite des Präsidentensohnes in Zürich für eine Charmeoffensive. Diese soll helfen, den Zollstreit mit den USA zu lösen.04.06.2026, 19.59 Uhr5 LeseminutenMenschenauflauf in der Zürcher Altstadt: Die Polizei schirmt vor dem Auftritt von Donald Trump Jr. den Eingang des Zunfthauses zur Saffran ab.Claudio Thoma / KeystonePlötzlich sitzt er da. Aus der Hintertür ist Donald Trump Jr. in den Zunftsaal gehuscht. Adrett gestutzter Bart, weisses Hemd, keine Krawatte. Seine Ehefrau Bettina Anderson sitzt in der ersten Reihe. Warmer Applaus, als der Moderator dem Paar zur Hochzeit gratuliert. Erst vor zwei Wochen haben sie sich das Ja-Wort gegeben. Der Trip in die Schweiz ist die erweiterte Hochzeitsreise.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Präsidentensohn sitzt etwas verloren in der Ecke des historischen Saals im Zürcher Zunfthaus zur Saffran. Es ist schwül im Raum, die Klimaanlage ist der Hitze und der Aufregung der Gäste nicht gewachsen. Jeder will noch rasch sein Handy-Foto, bevor es losgeht.PDDen Ort habe man bewusst gewählt, sagt die Gastgeberin, die griechisch-australische Unternehmerin Irene Vantaraki. Ein Zunfthaus verkörpere den Geist der gepflegten Debatte unter Menschen unterschiedlicher Herkunft besser als ein steriles modernes Hotel. Vantaraki führt am WEF in Davos jeweils Diskussionsrunden durch. Im Januar hatte sie den Präsidentensohn Eric Trump zu Gast in ihrer Davos Lodge. Beim ersten Event ausserhalb von Davos ist ihr mit der Einladung von Donald Jr. ein Coup geglückt.Der frühere Schweizer Botschafter Thomas Borer leitet ein Gespräch und tastet sich sachte durch die Geopolitik: Iran-Krieg, Ukraine, China, Europa. Trump betont jeweils, er sei nicht involviert in die Politik seines Vaters, aber er hat zu allem eine dezidierte Meinung. Wo sie liegt, darüber besteht kein Zweifel: Donald Jr. ist das Megafon seines Vaters.Scharfe Kritik an SelenskiTrump – der Sohn nennt seinen Vater oftmals beim Nachnamen – werde in Iran eine Lösung hinbekommen. Nach vierzig Jahren Stillstand stehe man vor der einmaligen Chance, einen dauerhaften Frieden in der Region zu schaffen. «Trump versteht sich auf Deals. Ich vertraue seinem Urteil.»Sein Vater sei kein Politiker, so wischt er den Einwand weg, dass Trump vor seiner Wahl versprochen hatte, die USA würden sich unter seiner Führung aus endlosen Kriegen heraushalten. Er denke langfristig, auch wenn es ihm kurzfristig schaden könnte. «Wir brauchen mehr Politiker, die so handeln, auch in Europa.»Trump habe auch als Erster erkannt, dass China nicht an einer friedlichen Kooperation mit dem Westen interessiert sei, sondern nach der Weltherrschaft greife. Inzwischen hätten dies selbst die Demokraten verstanden. Nur sein Vater sei aber bereit, entsprechend zu handeln und China die Stirn zu bieten.Die Debatte um den Ukraine-Krieg nutzt Trump zu einer Breitseite gegen den ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski und die grassierende Korruption im Land. Zu viele Leute hätten ein Interesse am Fortgang des Krieges, erklärt er und macht so die Ukrainer dafür verantwortlich, dass nach vier Jahren noch immer die Waffen sprechen.Er glaube nicht, dass Selenski ein Interesse an einem Frieden habe, so Trump. Über die Ausgestaltung eines Vertrages dürfe man sich keine Illusionen machen, sagt der Präsidentensohn. Ein maximalistischer Ansatz, wie er von der Ukraine verfolgt werde, habe keine Chance. «Grenzen verschieben sich die ganze Zeit», sagt Trump Jr. Wichtig sei, dass das Töten beendet werde.Der Präsidentensohn gibt sich keine grosse Mühe, besondere Sympathien für Europa zu heucheln. «Diese Leute sind Clowns, Clowns», hatte er vor einem Monat bei einem Besuch im serbischen Teil von Bosnien in einem Interview gesagt. Osteuropa sei die letzte Bastion für westliche Werte in Europa, der Westen habe diese hingegen verraten. Donald Trump Jr. war damals einer Einladung des Führers der serbischen Separatisten in der Republika Srpska gefolgt.Im Zürcher Zunfthaus gibt er sich nur wenig zurückhaltender. Die Beziehung zwischen Europa und den USA kritisiert er als «parasitär». Die Europäer stellten Forderungen für ihre Verteidigung, die USA bezahlten die Rechnungen. Indem sein Vater dieses Spiel beendet habe, helfe er langfristig auch Europa, sagt er. Denn so sei Europa gezwungen, selber für Sicherheit zu sorgen.Vierzig Minuten dauert die Diskussion, dann geht es in die Schlussrunde. Die anderen beiden Gesprächsteilnehmer, der tschechische Immobilienmogul Ludek Sekyra und der ägyptische Unternehmer Shafik Gabr, kommen kaum zu Wort. Diskutieren ist nicht die Stärke des Präsidentensohns. Er tut seine Meinung kund, dann schweigt er bis zum nächsten Stichwort.Donald Jr. soll ein gutes Wort für die Schweiz einlegenDer Ex-Botschafter Thomas Borer nutzt die Gelegenheit für eine diplomatische Charmeoffensive im Zollstreit mit den USA. Die Schweiz gehöre nicht zur EU, und sie sei das Land, das den USA in ihrem Verständnis des Kapitalismus und ihrer direkten Demokratie am nächsten stehe. Die Schweiz sei ein enger Freund der USA und gleichzeitig einer der grössten ausländischen Investoren.Donald Jr. solle also bei seinem Vater ein gutes Wort für die Schweiz einlegen. Am besten, wenn dieser gerade eine Golfpartie gewonnen habe und bester Laune sei. «Gehen Sie milde mit der Schweiz um, besonders bei den Zöllen», bekniet ihn Borer. Trump zeigt sich zumindest empfänglich für die Worte und hört schmunzelnd zu. Später doppelt Borer im persönlichen Gespräch nochmals nach.Im Publikum sitzt auch Rahul Sahgal, der Chef der Amerikanisch-Schweizerischen Handelskammer. Auch er ein früherer Diplomat. Die nächsten Wochen werden entscheidend sein für den Zoll-Deal. Die USA prüfen derzeit, ob die Schweiz mit unlauteren Mitteln überhöhte industrielle Kapazitäten aufrechterhält. Damit, so der Vorwurf, verschaffe sie sich einen Vorteil im bilateralen Handel, der auf Kosten der amerikanischen Wirtschaft gehe. Wenn der Präsidentensohn zum Fürsprecher für die Schweiz wird, könnte das eine weitere Strafaktion des Vaters verhindern.Der Einfluss des Sohns ist unbestritten. In der zweiten Amtszeit hat Donald Jr. seine Schwester Ivanka als wichtigste familiäre Stütze des Präsidenten abgelöst. In gewissen Kreisen wird der Stammhalter bereits als möglicher Nachfolger für das Präsidentenamt gehandelt. Amazon prüft derzeit eine Neuauflage der Reality-TV-Serie «The Apprentice» mit Donald Jr. als Hauptdarsteller. Das Original begründete das Renommee des Vaters als Unternehmerfigur.Bereits die zweite Visite in ZürichWie positiv Donald Jr. bei seiner Rückkehr über die Schweiz reden wird, dürfte auch vom geschäftlichen Erfolg der Zürcher Visite abhängen. Zusammen mit seinem Bruder Eric führt er die Familienfirma. Seit 2024 ist das Vermögen der Trump Organization laut dem Magazin «Forbes» von 2,5 auf 6,5 Milliarden Dollar gestiegen.Die Mehrung des Familienvermögens ist derzeit die Hauptaufgabe von Donald Jr. Deshalb war er bereits im vergangenen November nach Zürich gereist. Damals hielt er im Nobelhotel Dolder Hof. Einem exklusiven Kreis von Investoren soll er dabei Hightech-, Krypto- und Immobilienprojekte präsentiert und um neue Gelder geworben haben.Ohne Deals dürfte Trump Jr. auch diesmal nicht nach Hause reisen. In der abschliessenden Gesprächsrunde sprach er nicht über Politik, sondern über die Vorzüge von Investitionen in Bitcoin. Danach ging es weiter zum Nachtessen hinter verschlossenen Türen.Passend zum Artikel
Donald Trump Jr. verteidigt US-Politik und wirbt um Investitionen in Zürich
Der Ex-Botschafter Thomas Borer nutzt die Visite des Präsidentensohnes in Zürich für eine Charmeoffensive. Diese soll helfen, den Zollstreit mit den USA zu lösen.






