PfadnavigationHomePolitikAuslandZoll-Hammer gegen Schweiz„Beenden Sie das Gespräch, sonst wird es schlimmer“ – Präsidentin sorgt für Eklat bei Trump-GesprächVeröffentlicht am 05.08.2025Lesedauer: 3 MinutenAngesichts der von Donald Trump verschärften Strafzölle haben sich die Schweizer Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter und Wirtschaftsminister Guy Parmelin auf den Weg in die USA gemacht, um die Aufschläge abzuwenden. Unsere US-Korrespondentin Dorothea Schupelius berichtet aus Washington.Die Schweizer Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter soll in einem Telefonat auf den US-Präsidenten eingeredet haben. Wenig später scheiterte der Deal. Jetzt reist Keller-Sutter nach Washington. Im Gepäck: ein neues Angebot.Die Schweizer Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter soll in einem Telefonat mit US-Präsident Donald Trump versucht haben, diesen im Zollstreit zur Vernunft zu bringen. Wie der Schweizer „Tagesanzeiger“ berichtet, sei währenddessen eine SMS aus Washington eingetroffen: „Beenden Sie dieses Gespräch, sonst wird die Situation noch schlimmer.“ Zwei Minuten später sei das Telefonat zwischen der Schweiz und den USA demnach beendet gewesen. In den Monaten zuvor hatte die Bundespräsidentin dem Bericht zufolge eigentlich einen Teilerfolg erzielt: Nachdem Trump der Schweiz am 2. April Strafzölle in Höhe von 31 Prozent auferlegt hatte, konnte sie zumindest eine Verschiebung erreichen – auf den 1. August.Lesen Sie auchDas Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) nahm daraufhin die Verhandlungen mit der US-Regierung auf. Innerhalb von drei Wochen legte der Bundesrat ein offizielles Verhandlungsmandat vor: zehn Prozent Zölle und Schweizer Investitionen in den USA von bis zu 200 Milliarden Franken. Zweimal wurde von Trump eine Kabinettssitzung angesetzt, bei der die Einigung unterzeichnet werden sollte. Zweimal platzte sie. Auf Nachfrage bei US-Ministern hieß es: „Soweit wir wissen, haben Sie in den Verhandlungen große Fortschritte gemacht; wir halten Sie auf dem Laufenden.“Das verhängnisvolle TelefonatKeller-Sutter bestand demnach auf ein weiteres Telefonat mit Donald Trump. Am 31. Juli um 20 Uhr wartete die Bundespräsidentin rund zehn Minuten, bis sie Trump am Hörer hatte. Nach einem kurzen Austausch höflicher Floskeln kamen sie zur Sache. Trump machte unmissverständlich klar, dass er einen Zoll von 10 Prozent für unzureichend halte, in Anbetracht eines Handelsdefizits von 39 Milliarden Dollar, das durch neun Millionen Schweizer verursacht werde. Er fordert einen deutlich höheren Zoll. Die Schweizer Bundespräsidentin versuchte weiter, sich zu erklären – Trump tat ihre Argumente als „moralistisch“ ab und setzte zum Zollhammer an: 30 Prozent. Nach rund 30 Minuten erhielt die Staatssekretärin Helene Budliger eine SMS aus Washington. Der Hinweis war eindeutig: Das Gespräch solle besser beendet werden, bevor es ausufere. Keller-Sutter erklärte nach Ende des Telefonats auf X das Scheitern der Verhandlungen. Zwei Stunden später erreichte die Bundespräsidentin die vernichtende Nachricht aus Washington: 39 Prozent Zoll für die Schweiz.Keller-Sutter sei naiv an das Treffen herangegangenKritiker innerhalb der Regierung werfen ihr vor, naiv an das Gespräch mit Trump herangegangen zu sein. Sie habe keinen Plan, keine Idee gehabt, was im Falle eines aufgebrachten Trump entgegenzubringen sei. Insbesondere habe man ihr vorgeworfen, grundsätzlich ungeeignet für die Verhandlung gewesen zu sein, weil sie kein Mandat des Bundesrats innehabe.Nun soll das SECO wieder übernehmen und erst einmal eine Auslegeordnung machen. Bereits am Montag soll es eine außerordentliche Bundesratssitzung geben, virtuell, mit einem Hochsicherheits-Chat von Threema.Bundespräsidentin reist nach WashingtonDie Schweiz versucht bis zur letzten Minute, die US-Zölle auf Schweizer Importe in Höhe von 39 Prozent noch abzuwenden. Bundespräsidentin und Finanzministerin Keller-Sutter und Wirtschaftsminister Parmelin sind deshalb am Dienstag auf dem Weg nach Washington, wie die Regierung mitteilte. Sie hoffe, möglichst noch vor dem 7. August, wenn die Zölle in Kraft treten sollen, eine Verbesserung herauszuholen. Ziel sei es, „den USA ein attraktiveres Angebot zu unterbreiten, um die Höhe der Zusatzzölle für die Schweizer Exporte zu verringern und dabei die Anliegen der USA zu berücksichtigen“, teilte das Finanzdepartement mit. Ob die Präsidentin und der Minister den US-Präsidenten persönlich treffen, blieb zunächst offen. Auch über die möglichen neuen Angebote wollte die Regierung vorab keine Angaben machen.Trump hatte die hohen Zölle mit dem Handelsdefizit begründet. Er hatte allerdings nur die Warenexporte berücksichtigt, da liegt die Schweiz deutlich vorn. Im Dienstleistungsbereich ist es umgekehrt. Die Schweizer Wirtschaftsverbände fürchten um zehntausende Arbeitsplätze und schließen auch Konkurse nicht aus. Die USA sind der wichtigste Absatzmarkt für Schweizer Exporte.dpa/ly