Unheilige Allianz im Nationalrat will Weiterbetrieb der F-5-Tiger und F/A-18 prüfenDie Flugzeuge der Patrouille Suisse und die jetzigen Kampfflugzeuge können vielleicht doch weiterfliegen. Die SVP und die linken Parteien verlangen eine Überprüfung.04.06.2026, 15.45 Uhr3 LeseminutenVielleicht fliegen sie doch über das Jahr 2027 hinaus: die F-5-Tiger der Patrouille Suisse.Peter Klaunzer / KeystoneTotgesagte leben länger. Vielleicht auch die F-5-Tiger-Flotte der Patrouille Suisse. Immer wieder stritt das Parlament über die Jets, obwohl eigentlich feststand: Bis Ende 2027 sollen sie noch fliegen, dann ist Schluss – zur grossen Enttäuschung der Fans und der SVP. Doch nun hat der Nationalrat am Donnerstag entschieden: Das Verteidigungsdepartement (VBS) solle den Weiterbetrieb der Flugzeuge prüfen – auch jenen der F/A-18. Möglich machte das ein Kompromissvorschlag zwischen der SVP und der linken Ratsseite.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Schon vor zwei Jahren verlangte die Sicherheitspolitische Kommission des Nationalrats, den Weiterbetrieb der F-5-Tiger zu prüfen. Der Bundesrat war nicht dagegen, doch die damalige Verteidigungsministerin Viola Amherd machte aus ihrer Skepsis kein Geheimnis. «Wenn es dem Verständnis dient», könne das VBS die Gründe für das Aus Ende 2027 in einem Bericht zusammenfassen, liess sie verlauten. Seit einem Jahrzehnt seien die Tiger militärisch nutzlos. Jährlich kosteten Betrieb, Personal und Treibstoff rund 44 Millionen Franken – Geld, das man sich sparen könne.SP und Grüne stimmen mit der SVPDamals scheiterte der SVP-Nationalrat Thomas Hurter bei dem Versuch, die Ratskollegen umzustimmen. Am Donnerstag hat die Sicherheitspolitische Kommission einen neuen Anlauf genommen. Hurter fragte im Nationalrat den Kritiker Heinz Theiler (FDP), warum die USA denn Schweizer F-5-Tiger für ihr Training kauften, wenn die Jets nichts mehr taugten. Theilers Argument: Die USA könnten es sich leisten, die Jets als Zielobjekte herzurichten – «wir nicht». Der Bundesrat sieht das ebenso: Ein Weiterbetrieb sei weder militärisch noch wirtschaftlich sinnvoll.Der Pilot Hurter widerspricht. Erstens entlaste der Tiger schon heute die F/A-18, das spare dem VBS Geld. Zweitens sei es «lächerlich», Milliarden in IT-Projekte zu stecken, aber hier bei einem zweistelligen Millionenbetrag plötzlich den Spargroschen zu suchen. Zumal Rüstungsgüter auf dem Weltmarkt gefragt seien wie nie. Solange die neuen Kampfflugzeuge des Typs F-35 nicht da seien, sei es «fahrlässig», ein funktionierendes System aufzugeben, so der SVP-Nationalrat.Vor zwei Jahren prallten diese Argumente noch an der Ratslinken ab. Diesmal stimmte eine Mehrheit von SP und Grünen zu. Sie hatten in der Kommission eine eigene Bedingung in das Postulat verhandelt: die Prüfung der längeren Laufzeit der F/A-18-Flotte. Eigentlich will die SP den Kauf der neuen F-35 ganz abbrechen, doch dagegen stellt sich die bürgerliche Mehrheit. Da die Sozialdemokraten aber mit weiteren bösen Überraschungen beim neuen amerikanischen Kampfflugzeug rechnen, verlangen sie, dass das VBS den Weiterbetrieb der F/A-18 über 2030 hinaus prüft. Die Nutzung der Flotte wurde bereits einmal verlängert.Das Postulat wurde klar überwiesen: 111 Nationalräte stimmten zu, 63 waren dagegen, 17 enthielten sich. Das VBS muss nun beide Optionen analysieren.Auch bei der Finanzierung spannen SVP und Linke zusammenEs ist nicht die erste unheilige Allianz in der Sicherheitspolitik diese Woche. Schon am Dienstag vermeldete Tamedia, dass die SVP eine rasche Abstimmung über die höhere Mehrwertsteuer (MWSt) für die Armee ausgebremst habe – gemeinsam mit SP und Grünen.Der VBS-Chef Martin Pfister wollte aufs Tempo drücken und das Volk schon im Juni 2027 an die Urne rufen. Dafür hätte das Büro des Nationalrats eine Sonderschicht einlegen müssen. Doch die SVP hielt Pfisters Mehrwertsteuerplan schon im Parlament für chancenlos und stimmte mit der unheiligen Allianz deshalb dagegen.Nun könnte eine Volksabstimmung erst im Frühling 2028 stattfinden. Der Mehrwertsteuersatz würde dann auf Anfang 2029 angepasst. Das bedeutet jedoch nicht, dass das VBS erst dann mehr Geld erhalten würde. Dank einem verschuldungsfähigen Rüstungsfonds könnte Pfister direkt nach dem Volks-Ja auf Einkaufstour gehen.Passend zum Artikel