F-35: US-Hersteller will von Schweizer Industrie profitieren und verspricht dafür mehr GegengeschäfteDer amerikanische Rüstungskonzern Lockheed Martin produziert die neuen Kampfflugzeuge für die Schweiz. Nun will er hierzulande mehr Offset-Vorhaben realisieren. Noch offen ist allerdings, wie viele Jets in der Schweiz zusammengebaut werden.07.07.2026, 17.00 Uhr3 LeseminutenDer erste F-35 soll ab Mitte 2028 in der Schweiz abheben.VBSAls die Schweiz 2022 den Kaufvertrag für die F-35-Kampfflugzeuge unterschrieb, wollte Bern nicht nur Milliarden in die USA schicken. Auch die heimische Wirtschaft sollte vom Kauf profitieren. Die Abmachung sieht vor, dass der Hersteller Lockheed Martin 60 Prozent des Vertragswerts in der Schweiz mit Gegengeschäften, sogenannten Offset-Vorhaben, kompensiert. Das sind rund 3 Milliarden Dollar bis spätestens Ende 2034. 20 Prozent davon müssen direkt mit dem Kampfflugzeug zusammenhängen, der Rest generell Schweizer Firmen zugutekommen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das Bundesamt für Rüstung (Armasuisse) und Lockheed Martin haben die Vorhaben nun konkretisiert und neue Gegengeschäfte auf den Weg gebracht. Das haben der Rüstungschef Urs Loher und Patrick Nyfeler, der Vertreter des amerikanischen Konzerns in der Schweiz, am Dienstag vor den Medien mitgeteilt.Statt der abgemachten 60 Prozent soll Lockheed Martin nun 73 Prozent des Vertragswerts in der Schweiz kompensieren. Diese Geschäfte sollen nicht irgendwo getätigt werden, sondern in sicherheitsrelevanten Bereichen, so Loher: «Damit wir auch unter Druck – also im Falle eines Krieges - handlungsfähig bleiben.»Offset-Geschäfte kosten die Schweiz Hunderte MillionenUmsonst gibt es diese Gegengeschäfte aber nicht. Wie viel sie die Schweiz genau kosten, bleibt im Dunkeln. Der Aufpreis versteckt sich im Kaufpreis des F-35. Dieser beträgt rund 6 Milliarden Franken. Armasuisse schätzt, dass für diese Kompensationsgeschäfte ein Betrag von bis zu 800 Millionen Franken einberechnet ist.Was also hat der amerikanische Rüstungskonzern von diesen Gegengeschäften – abgesehen von dem bereits im Kaufpreis eingerechneten Betrag? Nyfeler sagt dazu: Die Schweizer Industrie und Forschung sei hervorragend. Nun investierten die Amerikaner dort, wo sie sich einen Mehrwert erhofften. Etwa bei der Tochterfirma des deutschen Rheinmetall-Rüstungskonzerns in Zürich Oerlikon. Sie soll neue Trainingsmunition für den F-35-Jet entwickeln. Dann wolle man günstige Voraussetzungen für eine Chipproduktion in der Schweiz schaffen. Und selbst grüne Themen wie die Forschung an nachhaltigem Treibstoff haben im Rüstungsdeal Platz. «Diese Technologien sind auch für Lockheed Martin sehr wichtig», sagt Nyfeler. Da die Schweiz weder EU- noch Nato-Mitglied sei, könne das Offset-Programm zudem freier gestaltet werden als mit anderen europäischen Ländern.Keine Sonderbehandlung erhielt die Schweiz allerdings von der Regierung der USA. Ursprünglich ging Bern von einem Fixpreis beim Rüstungsgeschäft mit der Regierung aus. Aus Sicht Washingtons war das jedoch ein «Missverständnis». Der Bundesrat wurde mit massiven Mehrkosten von bis zu 1,3 Milliarden Franken für 36 Kampfflugzeuge konfrontiert. Hätte er diese akzeptiert, hätte Lockheed Martin das Volumen der Gegengeschäfte erhöhen müssen. Mehr Vertragswert, mehr Gegengeschäfte, so die Logik. Doch der Bundesrat entschied sich für eine Reduktion der Stückzahl. Gekauft werden voraussichtlich 30 Jets.Ausgerechnet beim grössten Kompensationsgeschäft mit Lockheed Martin gibt es zudem noch grosse Fragezeichen. Eigentlich sollte die Ruag im Rahmen des Projekts «Rigi» vier F-35-Jets in den eigenen Hallen zusammenbauen. Anfang Juni machte SRF publik, dass der bundeseigene Rüstungsbetrieb offenbar zu teuer kalkuliert. Droht das Projekt nun auf drei Jets zu schrumpfen? Loher gibt sich gelassen. Ob am Ende zwei, drei oder vier Flugzeuge in der Schweiz montiert würden, sei nebensächlich. Entscheidend sei einzig, dass die Ruag das Fachwissen erwerbe. Die Verhandlungen dazu liefen noch.Der Rüstungschef wirbt für Lockerung der ExportregelnFür den Rüstungschef steht indes fest: Offset-Geschäfte sind eine Möglichkeit, um die sicherheitsrelevante Industrie und Forschung in der Schweiz zu fördern. Der Bundesrat hat das vor gut einem Jahr in seiner neuen rüstungspolitischen Strategie festgeschrieben.Für Loher gibt es jedoch ein grosses Aber: Wer die Industrie im Land halten wolle, müsse das restriktive Waffenexportgesetz lockern. Bundesrat und Parlament wollen das, während linke Parteien und Organisationen das Referendum ergriffen haben. Für Loher steht die Schweiz vor der Frage: «Wollen wir eine eigene Rüstungsindustrie – oder die totale Abhängigkeit vom Ausland?» Am 29. November entscheidet das Stimmvolk über das neue Kriegsmaterialgesetz.Passend zum Artikel
Lockheed Martin verspricht mehr Gegengeschäfte bei F-35-Kauf
Der amerikanische Rüstungskonzern Lockheed Martin produziert die neuen Kampfflugzeuge für die Schweiz. Nun will er hierzulande mehr Offset-Vorhaben realisieren. Noch offen ist allerdings, wie viele Jets in der Schweiz zusammengebaut werden.








