Der «Maskenmann» tötete in Deutschland drei Kinder. Nun steht er in Frankreich wegen eines weiteren Mordfalls vor GerichtTagsüber arbeitete der Serienmörder Martin N. als Betreuer, nachts drang er mit Sturmhaube und schwarzen Kleidern in Kinderzimmer ein. Hat er auch in Frankreich einen Jungen getötet?04.06.2026, 15.53 Uhr3 LeseminutenMit diesem Foto wurde in den Neunzigern nach dem «Maskenmann» gefahndet.Polizei / AP dapdMartin N. zählt zu den berüchtigtsten Sexualstraftätern Deutschlands. In den Medien ist er als «Maskenmann» oder als «schwarzer Mann» bekannt. Wegen des Mordes an drei Jungen und Kindsmissbrauchs verbüsst er seit 2012 eine lebenslange Haftstrafe. Nun steht der 55-Jährige in Frankreich erneut vor Gericht.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.In Nantes muss sich N. für den Tod eines zehnjährigen Jungen verantworten, der 2004 in der Nähe der Bretagne verschwand. Das Schicksal des Kindes weist Ähnlichkeiten mit den Morden auf, für die Martin N. in Deutschland verurteilt wurde.Ein DoppellebenGeboren wurde Martin N. 1970 in Bremen. Er studierte ohne Erfolg auf Lehramt, arbeitete später in der Erwachsenenbildung und als Jugendbetreuer. Der «Spiegel» bezeichnet ihn als sozial gut integrierten «Biedermann». Videos in einer Dokumentation zeigen N., wie er lachend mit einem Kind auf dem Boden herumtollt.Doch N. führte ein Doppelleben. Er schlich sich über viele Jahre hinweg nachts in Zeltlager, in Kinderheime, in Wohnungen, um sich an kleinen Jungen sexuell zu vergehen. 1992, im Alter von 21 Jahren, beging N. seinen ersten Mord. Beim Opfer handelte es sich um einen dreizehnjährigen Internatsschüler, dessen Leiche mit auf dem Rücken gefesselten Händen in einer Düne in Niedersachsen gefunden wurde. 1995 und 2001 tötete N. zwei weitere Jungen in Norddeutschland, deren Leichen er viele Kilometer vom Tatort entfernt versteckte oder vergrub.Nach Ansicht des Gerichts tötete N. seine Opfer, um seine sexuelle Vorliebe für Jungen nicht auffliegen zu lassen, wie der NDR berichtet. «Insbesondere fürchtete er die Ächtung seiner Mutter», zitiert das Medienportal den damaligen Richter Berend Appelkamp. «Diese Aufdeckung wollte er mit allen Mitteln verhindern.»Die Suche nach dem «schwarzen Mann»Die deutsche Polizei brauchte fast zwanzig Jahre, um Martin N. zu überführen. 2001 formte sie eine Sonderkommission, um den Mörder des im selben Jahr getöteten Dennis K. zu fassen. Dass dessen Tod mit anderen Morden und Missbrauchsfällen in Norddeutschland in Verbindung stand, blieb lange im Dunkeln. Auch die immer wiederkehrenden Berichte von Kindern, die mit einem «schwarzen Mann» im Zimmer oder Zelt aufwachten, wirkten anfangs zu sehr wie Gruselgeschichten, um sie ernst zu nehmen.Zum Verhängnis wurde N. ein Zeugenbericht. Ein inzwischen erwachsen gewordenes Missbrauchsopfer erinnerte sich im Jahr 2011 daran, als Knabe von einem Betreuer bei einer Jugendfreizeit akribisch ausgefragt worden zu sein, wie sein Zuhause aussah. Einige Monate später erwachte der Junge mitten in der Nacht, weil plötzlich ein Mann in seinem Zimmer stand und unter seine Bettdecke griff. Auffällig gross sei der Täter gewesen, schwarz gekleidet, mit einer Sturmhaube über dem Kopf. Das Opfer wusste auch den Namen des Betreuers noch: Martin.Nach dieser Aussage nahm die Polizei Martin N. in Gewahrsam. Und N. gestand: Er hatte drei Jungen im Alter zwischen acht und dreizehn Jahren getötet. Zusätzlich wies die Polizei ihm mehr als vierzig Sexualdelikte an Kindern nach. Auf seinem Computer fanden die Beamten später Tausende kinderpornografische Fotos. Ein niedersächsisches Gericht verurteilte N. 2012 zu lebenslanger Haft.Ob bis heute wirklich alle Verbrechen von Martin N. aufgedeckt wurden, bleibt unklar. Beim Gerichtsfall in Nantes geht es um ein französisches Kind, das 2004 nackt und mit einem Betonblock beschwert in einem Teich in Westfrankreich gefunden wurde. Wie NTV schreibt, hatte N. einem Mithäftling gestanden, in Frankreich ein Kind getötet zu haben. Zudem berichtet ein Zeuge, nach dem Mord von 2004 ein Auto mit deutschem Kennzeichen bei einem Teich gesehen zu haben, dessen Fahrer etwas ausladen wollte, dann aber wegfuhr. Anders als zu den Todesfällen in Deutschland bekennt sich N. nicht zu dem Mord in Frankreich.Das Urteil in Nantes wird am Donnerstagabend, 4. Juni erwartet.Passend zum Artikel