Mohammad hat seine Familie verloren, Ahmed wurde angeschossen, Tuqa verschleppt. Wie Kinder im Gazastreifen die israelischen Angriffe und die Besatzung erfahren.
M ohammad Abu Mohsens Schulweg in Gaza-Stadt beginnt neben einer leeren Artilleriegranate. So groß wie sein Arm steht sie am Eingang des Hauses an der Wand. Um 9 Uhr nimmt der 12-Jährige seinen Schulranzen, auf den ein Fußball gedruckt ist. Großonkel Ramy Abu Mohsen begleitet ihn hinaus. Vor dem Gebäude führt eine Piste, die einmal eine Straße war, vorbei an dicht gedrängten Zeltlagern zwischen Trümmerbergen und den Ruinen einiger Hochhäuser. Der 43-Jährige, ganz in Schwarz gekleidet, legt seinem Großneffen beim Gehen den Arm um die Schulter.
Seit rund fünf Monaten besucht Mohammad wieder die Schule, anfangs noch im Rollstuhl. Seit Ärzte ihm die Metallplatten aus dem Oberschenkel entfernt haben, kann er wieder gehen. Auf seinem Gesicht und seinen Armen aber hat der Krieg sich eingegraben. Viele kleine Flecken, die auf den ersten Blick wie Sommersprossen aussehen, sind Narben eines israelischen Luftangriffs.
Seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem darauffolgenden Militäreinsatz Israels im Gazastreifen lässt die israelische Armee keine internationale Presse in das Gebiet – trotz wiederholter Beschwerden von Presseorganisationen aus der ganzen Welt. Die taz arbeitet daher mit Kollegen zusammen, die im Gazastreifen leben und im Auftrag der taz vor Ort recherchieren und mit Menschen sprechen.






