Das Bildungsbürgertum wird gern für tot erklärt, besonders von Menschen aus dem Bildungsbürgertum. Womöglich verfrüht. Denn es gibt sie noch: Menschen, die auf ihren Landsitzen Bücher lesen, Klassikkonzerte hören, Filme von Ken Loach gucken und sich verzogene Jugendliche als Geisel im Keller halten, Menschen wie die britische Familie aus Jan Komasas Film „Good Boy“. Da gibt es die gespensterhaft durch das Haus schleichende Mutter Kathryn, den Vater Chris, Besitzer eines Toupets und einer Achtzigerjahre-Jeffrey-Dahmer-Gedächtnisbrille, und den Sohn Jonathan, frühes Teenageralter, der Disneyfilme und Football mag und von seinen Eltern Privatunterricht bekommt, denn die Straßen, die zum Landsitz der Familie führen, sind lang und einsam.