Eine Endfünfzigerin hechtet durch die Hinterräume eines Einkaufszentrums, eine Handkamera ist ihr dicht auf den Fersen. Heike ist Objektleiterin in der Gebäudereinigung, anders ausgedrückt: Sie befehligt eine Putzkolonne. „Der Fleck ist immer noch da“, bemerkt sie ohne innezuhalten. Oder, an eine junge Mitarbeiterin gewandt: „Guckst du mal hier, diesen Saustall? Das muss picobello aussehen! Wenn das morgen nicht in Ordnung ist, schmeiß ich dich raus.“ Nichts scheint ihrer Aufmerksamkeit zu entgehen, aber alles im Griff zu haben, wäre eine Illusion.
Wer einen so dynamischen Anfang für einen Film wählt, hat sich etwas vorgenommen. Gangster- oder Großstadtfilme werden so erzählt, dies hier aber ist der seltene Fall eines deutschen Sozialdramas von höchstem Realismus. Die meisten Darstellerinnen und Darsteller sind Laien, allen voran Sabine Thalau, die ihre eigene Berufserfahrung mit natürlicher Präsenz in Schauspielkunst verwandelt.
Es herrscht ein rauer Ton im Niedriglohnsektor, wie ihn Kilian Armando Friedrich in seinem ersten Spielfilm beschreibt. „Ich verstehe Ihren Unmut“ hat er ihn genannt, ein Satz, der kurz darauf im Film fällt, wenn seine Protagonistin auf einer Autofahrt, eine andere Art von Putzarbeit verrichtet. Nun gilt es, den Beschwerdefluss zu managen, eine Sisyphusarbeit ähnlich den täglichen Schmutzbergen, derer sie offensichtlich mit ihrem Trupp nicht Herr wird.








