Nach der belgischen Schulbus-Tragödie kommen immer mehr erschütternde Details über den Fahrer ans LichtZwei Kinder und zwei Erwachsene starben auf einem Bahnübergang, nachdem ein Bus die Barrieren durchbrochen hatte. Nun wird bekannt: Das geschah nicht zum ersten Mal – und sogar seither wieder.04.06.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenEin Unfall, der Belgien erschüttert: Auf einem Bahnübergang in Buggenhout kamen in einem Schulbus vier Personen ums Leben.Dursun Aydemir / GettyDie Wucht war immens: Vier Personen – unter ihnen zwei Kinder – wurden auf der Stelle getötet, als auf einem Bahnübergang im belgischen Buggenhout ein Regionalzug mit einem Schulbus kollidierte. Der tragische Unfall ereignete sich vor mehr als einer Woche. Noch immer beherrscht er in Belgien die Schlagzeilen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Denn in der Zwischenzeit haben regionale Medien erschütternde Details über den Fahrer, der beim Unfall ums Leben kam, veröffentlicht. Die Ursache bleibt zwar unbekannt. Aber nun zeigt sich, dass es im Vorfeld wiederholt Warnungen über die halsbrecherische Fahrweise des 49-Jährigen gegeben hatte. Die Aussagen der Busbetreibergesellschaft, die am Tag des Unfalls sagte, es gebe «nicht den geringsten Hinweis auf Vorstrafen oder sonstige Unregelmässigkeiten», erscheinen plötzlich in einem neuen Licht.So schickte eine Schulbegleiterin, die Dutzende Male im betroffenen Minibus mitgefahren ist, gemäss der flämischen Zeitung Het Laatste Nieuws (HLN) zwei Monate vor dem Unfall eine Email an die Schule. Sie wolle sich über das «aggressive Fahrverhalten des Chauffeurs beschweren», schrieb sie darin. Er fahre viel zu schnell, benutze am Steuer sein Handy, nehme keine Rücksicht auf andere Autos, Radfahrer oder Fussgänger und beleidige andere Verkehrsteilnehmer.«Einige Kinder und ich fühlen uns nicht mehr sicher»Mehrmals hätten sich Passagiere aufgrund des Fahrstils übergeben müssen. «Einige Kinder und ich fühlen uns nicht mehr sicher», fasst die Frau zusammen, die drei Wochen vor dem Unfall krankgeschrieben wurde – laut ihrer Aussage wegen des durch die Fahrten ausgelösten Stresses. Einen Teil ihrer Vorwürfe belegt sie mit einem Video.Ihre Schilderungen decken sich mit denen, die der öffentlich-rechtliche Sender VRT eingeholt hat. Dieser hat unter anderem mit der Mutter eines Kindes gesprochen, das sich aufgrund der Fahrweise des Chauffeurs weigerte, weiterhin bei ihm einzusteigen. Sie habe dann auf ihr «Muttergefühl» gehört und ihren Sohn fortan selbst zur Schule gebracht.Besonders brisant: Eine weitere Begleiterin berichtet, dass der Fahrer vor der Tragödie schon einmal den Bahnübergang überquert habe, als sich die Schranken schlossen und das Rotlicht eingeschaltet waren. Beim Unfall vom 26. Mai rammte das Fahrzeug die Barrieren gar und beschädigte diese, bevor es zum fatalen Zusammenstoss kam.Warum sass der Chauffeur weiterhin am Steuer?Selbst die Provinzverwaltung bestätigte am Montag gegenüber VRT, dass sie Kenntnis von den Beschwerden gehabt habe. «Wir haben massiv Druck gemacht, aber er fuhr einfach weiter. Es liegt nicht in unserer Zuständigkeit, die Suspendierung dieses Mannes zu fordern. Dafür ist das Busunternehmen zuständig», wird der stellvertretende Bildungsminister zitiert.Die grosse Frage ist also, warum der Chauffeur am Steuer sass. Der Schulbus-Dienst wurde von der Firma 't Ros Beiaard ausgeführt, die wiederum im Auftrag des öffentlichen Transportunternehmens De Lijn unterwegs war. Auf Anfrage der NZZ widerspricht dessen Sprecher der Aussage des stellvertretenden Bildungsministers. Von seiner Seite sei keine Klage eingegangen, so Jens Van Herp.De Lijn habe vor dem Unfall lediglich von einer Beschwerde Kenntnis gehabt – derjenigen der Frau, die sich per Mail an die Schule gewandt hatte. Dieser sei man sofort nachgegangen. Die Schulbehörden hätten aber versichert, dass es mit dem Fahrer eine Aussprache gegeben habe und das Vertrauensverhältnis wiederhergestellt sei. Darum habe es für de Lijn keinen Anlass gegeben, den Chauffeur zu sanktionieren, sagt Van Herp. Abgesehen davon seien dem Unternehmen lediglich zwei geringfügige Geschwindigkeitsübertretungen des Fahrers bekannt gewesen.Eines der schwersten UnglückeDie Schule wiederum gibt den schwarzen Peter weiter. Gegenüber VRT sagte die Leiterin, dass man Meldungen über Fahrer stets an deren Arbeitgeber übermittle. Da man die Chauffeure nicht selbst angestellt habe, könne man auch keine Entscheidungen über sie treffen, sagt sie.Aufklärung bringen wird vermutlich erst die juristische Aufarbeitung. Die Staatsanwaltschaft arbeitet mit Hochdruck am Fall, der als eines der schwerwiegendsten Unglücke auf einem Bahnübergang in die Geschichte Belgiens eingeht. Dass Kinder auf ihrem Schulweg den Tod fanden, bewegt die Öffentlichkeit ausserordentlich. Selbst die Beerdigungen begleiten Nachrichtenportale mit Livetickern und voyeuristisch anmutenden Bildergalerien.Busfirma warnt die ChauffeureMitten in diese Trauerfeierlichkeiten platzte am Dienstag eine Meldung, die als schlechter Scherz durchgehen würde, wäre sie nicht so gravierend: Nur drei Tage nach dem Drama von Buggenhout fuhr beim gleichen Bahnübergang wiederum ein Bus der Firma 't Ros Beiaard über die Gleise, als sich die Schranken bereits senkten und das Warnlicht eingeschaltet war.Dieses Mal ging der Vorfall glimpflich aus. Gemäss HLN schickte die Geschäftsleitung aber noch am gleichen Tag eine scharfe E-Mail an alle Fahrerinnen und Fahrer. Was man vernommen habe, sei «unverständlich, unverantwortlich und schlichtweg skandalös», heisst es darin. «Ein solches Verhalten wird nicht toleriert. Niemals.»Passend zum Artikel