Im Herbst vergangenen Jahres hatte Dieter von Holtzbrinck ein flammendes Plädoyer für unabhängigen Journalismus gehalten. Nur mit Qualität, richtigen Fakten sowie gut ausgebildeten Journalistinnen und Journalisten könnten die Medien heute in einem härter werdenden Wettbewerb bestehen, sagte der 84 Jahre alte Verleger bei einem seiner seltenen Auftritte in Düsseldorf. Dieter von Holtzbrinck ist ein Verleger alter Schule, zu seiner Stuttgarter Holding mit dem Namen DvH Medien gehören unter anderem das Handelsblatt, die Wirtschaftswoche und der Berliner Tagesspiegel.Von einer wichtigen Beteiligung wird sich Dieter von Holtzbrinck nun aber trennen. Seine 50-Prozent-Beteiligung an der Zeit Verlagsgruppe in Hamburg, die vor allem die Wochenzeitung Zeit verlegt, werde er zum 1. Januar 2027 an seinen Halbbruder Stefan von Holtzbrinck, 63, übertragen, teilten die Verlage am Mittwoch überraschend mit. Die zuständigen Kartellbehörden müssten noch zustimmen, hieß es. Über finanzielle Details wie den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. Fest steht jedenfalls: Die Zeit Verlagsgruppe bekommt damit einen neuen Alleingesellschafter.Verleger Dieter von Holtzbrinck, hier bei seinem 80. Geburtstag, taucht nur sehr selten in der Öffentlichkeit auf. Marijan MuratEs ist auf jeden Fall ein Familiengeschäft unter Brüdern, die doch ziemlich unterschiedlich sind und sich offenbar nicht immer besonders nahe waren. Beide haben denselben Vater, den Verleger Georg von Holtzbrinck, der einst unter anderem das Handelsblatt groß machte und ein Medienunternehmen aufbaute. Dieter und zwei Schwestern haben die gemeinsame Mutter Addy. Der mehr als 20 Jahre jüngere Stefan stammte aus einer zweiten Beziehung von Georg von Holtzbrinck.Beide Brüder übernahmen einst zusammen das Verlagserbe des Vaters, die Wege trennten sich dann jedoch bald. Während Dieter später vor allem die klassischen Medien wie Handelsblatt und Tagesspiegel übernahm, bekam Stefan die Beteiligung an mehreren Buchverlagen und am lukrativen Bereich Fachinformationen, zu denen eine Reihe internationaler Publikationen gehörte. Dazu zählt auch eine Mehrheitsbeteiligung an dem Berliner Wissenschaftsverlag Springer Nature, der im Oktober 2024 an die Börse ging und allein fast vier Milliarden Euro wert ist. Nur über die 50-50-Beteiligung an der Zeit waren die beiden zuletzt noch verbunden.Die Wochenzeitung Zeit hatte zuletzt noch mehr als 500 000 Abonnentinnen und Abonnenten. Im Geschäftsjahr 2025 erwirtschaftete die Verlagsgruppe nach eigenen Angaben einen Gesamtumsatz von fast 310 Millionen Euro, lediglich 1,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Wie viele Qualitätsmedien spürt auch die Zeit den tiefgreifenden Strukturwandel in der Branche. Haupttreiber sei 2025 „der weitere Ausbau des Digital-Abos“ gewesen, hieß es zuletzt. Derzeit werden die Printredaktion in Hamburg und die Online-Redaktion in Berlin zusammengeführt, deutlich später als bei vielen anderen Medien.Stefan von Holtzbrinck hat schon viele Zeitungen verkauftWie es nun weitergehen soll, ist nicht ganz klar. Im Gegensatz zu Dieter von Holtzbrinck gilt Stefan von Holtzbrinck nicht gerade als Fan von täglichen und wöchentliche Qualitätsmedien. Sein Fokus liegt vielmehr auf Spezialmedien, Buchverlagen, neuen Medien und Künstlicher Intelligenz, dort sind auch die Gewinnmargen größer. Aus dem Tageszeitungsgeschäft hat er sich in den vergangenen Jahren schrittweise zurückgezogen und Beteiligungen etwa an der Main-Post in Würzburg, dem Süd-Kurier in Konstanz oder der Saarbrücker Zeitung verkauft. Zu seinem Unternehmen, das den Namen Georg von Holtzbrinck-Gruppe trägt (nicht zu verwechseln mit DvH), gehören die US-Firma Macmillan, aber auch führende deutsche Buchverlage wie S. Fischer, Rowohlt, Droemer Knaur oder Kiepenheuer & Witsch. Mit 14 000 Mitarbeitenden weltweit wird ein Umsatz von 3,8 Milliarden Euro gemacht, im Vergleich dazu ist die Zeit Verlagsgruppe eher klein.„Mit der jetzt vollzogenen Bündelung der unternehmerischen und verlegerischen Verantwortung schaffen wir jeweils beste Voraussetzungen für die nächste Phase unseres Wachstums in Zeiten der Transformation der Medien“, teilten die beiden Verleger Dieter und Stefan von Holtzbrinck am Mittwoch mit. Die Zeit bleibe „in ihrem strategischen Kurs unverändert auf Qualität und Innovation ausgerichtet“. Welche Summen bei der Transaktion fließen, wurde nicht bekannt. Die Gewinnausschüttungen der Zeit sollen Dieter von Holtzbrinck geholfen haben, unter anderem den Tagesspiegel zu finanzieren, der unter dem harten Wettbewerb am Berliner Zeitungsmarkt leidet.