Regina Zindler ist tot. Die Sächsin starb bereits vor knapp einem Monat im Alter von 78 Jahren in Zwickau an einer Krebserkrankung; beigesetzt wurde sie auf eigenen Wunsch anonym in einem Gemeinschaftsgrab.

Menschen der Gen Z wird der Name kaum noch etwas sagen, die Älteren indes erinnern sich an die Ikone des Trash-Fernsehens, wie man Zindler Ende der 90er nannte. Aber die Frau war keine Heldin, sie war ein Opfer. Ein Opfer einer Unterhaltungsindustrie, die in den späten 1990er-Jahren ihre fettesten Quoten damit machte, Menschen vorzuführen, die nicht wussten, worauf sie sich einließen. Und ein Opfer eines westdeutschen Blicks auf den Osten, der bis heute zu selten benannt wird.

Kein Bairisch oder Schwäbisch, sondern eben Sächsisch

1999 zog Regina Zindler wegen eines Knallerbsenstrauchs am Maschendrahtzaun ihres Grundstücks vor die Kameras von „Richterin Barbara Salesch“. Zindler verlor den Prozess – und gelangte zu zweifelhafter Berühmtheit. Stefan Raab schnitt ihren starken sächsischen Dialekt zu einem Nummer-eins-Hit zusammen, sechs Wochen lang dominierte sein Blödelhit die Charts, als die Charts noch eine Währung waren. Eine ganze Republik lachte über eine Frau, die sprach, wie ihr der sächsische Schnabel gewachsen war. Über einen Dialekt, der im westdeutschen Ohr sofort nach „Dorfdepp“ klang. Es war aber kein Bairisch oder Schwäbisch, sondern eben Sächsisch, womit man eine ganze Region verspottete, die ohnehin schon mit Demütigungen zu kämpfen hatte. Heute weiß man das. Damals wollte es niemand wissen.