PfadnavigationHomePolitikDeutschlandStatistisches BundesamtDeutschland meldet Rekordzahl von Einbürgerungen – Grüne sehen „Erfolgsgeschichte“, AfD empörtStand: 13:46 UhrLesedauer: 5 MinutenDie Zahl der Einbürgerungen in Deutschland ist auf einen Höchststand gestiegen. So haben im vergangenen Jahr 332.500 Menschen die deutsche Staatsangehörigkeit erworben, 14 Prozent mehr als im Vorjahr.Berlin erlebt einen historischen Einbürgerungsboom: Mehr als 39.000 Menschen erhielten 2025 die deutsche Staatsangehörigkeit – fast 80 Prozent mehr als im Vorjahr. Hinter dem sprunghaften Anstieg steht ein neues Gesetz.Die Zahl der eingebürgerten Ausländer ist in Berlin steil nach oben geschnellt. 2025 erhielten in der Hauptstadt 39.041 Menschen die deutsche Staatsangehörigkeit. Das sind 17.230 Personen beziehungsweise fast 80 Prozent mehr als 2024, wie das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg berichtete. Die größte Gruppe bilden Syrer, gefolgt von Türken und Russen.Hintergrund des starken Anstiegs ist das im Juni 2024 in Kraft getretene modernisierte Staatsangehörigkeitsgesetz. Hinzu kommt, dass die Einbürgerungen vor zwei Jahren in einem „Landesamt für Einwanderung“ gebündelt wurden, vorher waren die Bezirke zuständig. Das Personal wurde fast verdoppelt, viele Prozesse digitalisiert. Es gibt keinen persönlichen Beratungstermin mehr, auch Identitäten werden digital geprüft.In Berlin wurden 2025 insgesamt 42.517 Anträge auf Einbürgerung gestellt, von denen 1934 abgelehnt wurden. Gut 1700 Anträge wurden von Antragstellenden zurückgenommen und 580 Verfahren wurden eingestellt, zum Beispiel wegen Tod, Fortzug ins Ausland oder aus sonstigen Gründen.Eingebürgert wurden vor allem Syrer, Türken und RussenDie in Berlin eingebürgerten Personen lebten im Durchschnitt schon seit 11,2 Jahren in Deutschland. Das Durchschnittsalter bei der Einbürgerung lag bei 32,4 Jahren.Nach den Syrern, Türken, Russen und Ukrainern waren die fünfthäufigste Gruppe in Berlin Iraner, deren Einbürgerungen sich zum Vorjahr auf 1619 und somit fast verdoppelt haben. Einen auffallend hohen Anstieg gab es in Berlin bei den Einbürgerungen von US-Amerikanern: Diese haben sich von 283 in 2024 zu 1090 in 2025 fast vervierfacht.Geteiltes Echo bei den ParteienDie neue Rekordzahl von Einbürgerungen ist bei den politischen Parteien auf ein geteiltes Echo gestoßen. Während Grüne und Linke die Entwicklung begrüßten, forderte die AfD einen „sofortigen Einwanderungsstopp“.Die grüne Parlamentsgeschäftsführerin Filiz Polat sprach von einer „Erfolgsgeschichte“ vor dem Hintergrund der 2024 durch die Ampel-Regierung umgesetzten Reform des Staatsangehörigkeitsrechts. „Wer sich einbürgern lässt, entscheidet sich bewusst für unser Land“, betonte Polat. Sie warnte davor, „das Staatsangehörigkeitsrecht zum Gegenstand parteipolitischer Verhandlungen zu machen“. Dies sende „ein falsches Signal an Menschen, die längst Teil unserer Gesellschaft sind, fördert Verunsicherung und Spaltung und spielt letztlich vor allem den Rechtsextremen in die Hände“.Die Linkspartei nannte die Einbürgerungszahlen „eine gute Nachricht“. Es gehe um 332.500 Menschen, die „seit Jahren Teil dieser Gesellschaft“ seien, erklärte der Linken-Politiker Ferat Kocak. „Jetzt können sie endlich auch mitbestimmen, wie sie aussieht.“ Es sei nicht überraschend, „dass die AfD diese Zahlen nun nutzt, um weiter ihr menschenverachtendes Weltbild zu verbreiten“. Besorgniserregend sei jedoch, „dass die Bundesregierung statt dieser Hetze entschieden entgegenzutreten selbst den Weg der Verschärfungen eingeschlagen hat“.„Wir brauchen einen sofortigen Einbürgerungsstopp“, schrieb hingegen AfD-Chefin Alice Weidel im Onlinedienst X. Ihre Partei erklärte, Kanzler Friedrich Merz (CDU) führe „die Politik der offenen Grenzen nahtlos fort“. Deutschland brauche „keine Masseneinbürgerungen, sondern eine konsequente Rückführungspolitik“.Auch bundesweit ein Höchststand an EinbürgerungenAuch bundesweit ist die Zahl der Einbürgerungen auf einen Höchststand gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch mitteilte, erwarben 2025 rund 332.500 Ausländer die deutsche Staatsangehörigkeit. Am häufigsten ließen sich erneut Menschen aus Syrien einbürgern, danach folgten – jedoch mit deutlichem Abstand – Einbürgerungen von Menschen mit türkischer und russischer Staatsangehörigkeit.Seit der Einführung der Statistik im Jahr 2000 wurden nie mehr als 300.000 Menschen pro Jahr eingebürgert. Am häufigsten waren den Angaben zufolge sogenannte Regelfalleinbürgerungen, die eine Mindestaufenthaltsdauer von fünf Jahren in Deutschland voraussetzen, sowie Miteinbürgerungen von Ehepartnern sowie von Kindern. Insgesamt verteilten sich 91 Prozent aller Fälle auf diese beiden Einbürgerungsarten.Mehr von WELT in der Google-Suche: WELT als Medium bevorzugenErst gestern löste die Nachricht über den überwältigenden Gebrauch der doppelten Staatsbürgerschaft Wirbel im politischen Berlin aus. Von der neuen Möglichkeit der doppelten Staatsbürgerschaft hat der überwiegende Teil der Menschen Gebrauch gemacht, die im vergangenen Jahr Deutsche wurden. Das zeigen die Ergebnisse einer Umfrage des Mediendienstes Integration.Lesen Sie auchNach einer Umfrage des Mediendienstes Integration lag die Quote der Mehrstaatigkeit in den Städten, die hierzu Daten gesammelt haben, zwischen 85 Prozent und 98 Prozent. Die wenigen Neubürger, die keinen Doppelpass wählten, taten dies den Angaben zufolge in den meisten Fällen, weil sie entweder vor der Einbürgerung staatenlos waren oder weil ihr Herkunftsland die Mehrstaatigkeit grundsätzlich nicht oder nur in Ausnahmefällen gestattet. Das gilt etwa für Indien, Äthiopien und Eritrea. Die Koalition von SPD, Grünen und FDP hatte eine Reform des Staatsangehörigkeitsrechts beschlossen, die Ende Juni 2024 in Kraft trat. Seither darf, wer Deutscher wird, generell die bisherige Staatsangehörigkeit behalten. Vorher war das nur für EU-Bürger möglich, sowie in bestimmten Ausnahmefällen und wenn der Herkunftsstaat die Entlassung aus der alten Staatsangehörigkeit verweigert. Seit der Reform reichen für die Einbürgerung fünf statt bisher acht Jahre rechtmäßiger, gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland. Besonders gut integrierte Ausländer konnten sich nach der Reform bereits nach drei Jahren einbürgern lassen – diese sogenannte Turbo-Einbürgerung hat die schwarz-rote Bundesregierung aber im vergangenen Jahr wieder gekippt.CDU-Innenexperte Günther Krings forderte eine Änderung des Staatsbürgerschaftsgesetzes. „Dass neue Einbürgerungen in so hoher Zahl zur doppelten Staatsbürgerschaft führen, ist keine gute Entwicklung“, sagte Krings der Nachrichtenagentur AFP. „Hier müssen wir gesetzgeberisch reagieren.“ Er sehe „dringenden Handlungsbedarf“.Krings schlug vor, die rechtlichen Möglichkeiten zu erweitern, „dass Doppelstaatler die deutsche Staatsangehörigkeit in besonderen Fällen auch wieder leichter verlieren können“. Der CDU-Politiker fügte hinzu: „Gerade bei schweren Straftätern und Extremisten, die nach der Einbürgerung Verbrechen begehen, gibt es ein hohes öffentliches Interesse am Verlust der deutschen Staatsbürgerschaft.“Zwar sei der Entzug der deutschen Staatsbürgerschaft bei Doppelstaatlern jetzt schon möglich, sagte Krings AFP. „Die bisherigen Tatbestände zum Verlust des deutschen Passes reichen aber absolut nicht aus“, kritisierte er. „Wieso sollte jemand seinen deutschen Pass verlieren können, wenn er im Ausland Terrorhandlungen begeht – aber nicht im Inland?“ Mehr von WELT in Google sehenGoogle zeigt zu vielen Themen passende Nachrichten an. Nutzer können nun festlegen, welche Quellen ihnen bevorzugt angezeigt werden:WELT als bevorzugtes Medium festlegenrct/AFP/dpa/coh/jm
Statistisches Bundesamt: Deutschland meldet Rekordzahl von Einbürgerungen – Grüne sehen „Erfolgsgeschichte“, AfD empört - WELT
Berlin erlebt einen historischen Einbürgerungsboom: Mehr als 39.000 Menschen erhielten 2025 die deutsche Staatsangehörigkeit – fast 80 Prozent mehr als im Vorjahr. Hinter dem sprunghaften Anstieg steht ein neues Gesetz.















