PfadnavigationHomePolitikDeutschlandUkraine-Krieg„Langsam öffnet sich das Fenster“ – Plötzlich sieht Bundesregierung Chance auf Gespräche mit PutinStand: 13:05 UhrLesedauer: 3 MinutenAusgerechnet in Putins Heimatstadt St. Petersburg schlagen ukrainische Drohnen in Ölterminals ein – an dem Tag, als dort ein internationales Wirtschaftsforum startet. Die Rauchsäulen wirken wie Ausrufezeichen der Ukraine an die dort versammelten Wirtschafts- und Politikvertreter.Rücken Verhandlungen im Ukraine-Krieg näher? In Berlin sieht die Bundesregierung erstmals ein mögliches „Fenster“ für Gespräche mit Russland. Hintergrund sollen die militärischen Erfolge der Ukraine sein.Die Bundesregierung hält perspektivisch Verhandlungen der Europäer und Ukrainer mit Russland für möglich, stellt dafür aber klare Bedingungen. „Langsam öffnet sich ein Fenster für Gespräche der europäischen Seite mit Russland“, hieß es am Mittwoch in Regierungskreisen in Berlin. „Die harten Kämpfe der letzten Tage zeigen aber: Das dürfte nicht Wochen, sondern Monate dauern“, wurde einschränkend zum möglichen Beginn von Gesprächen hinzugefügt. Hintergrund sind die militärischen Erfolge der Ukraine in den vergangenen Wochen trotz der russischen Eskalation beim Beschuss ukrainischer Städte.Zugleich wurde in den Regierungskreisen betont, dass es noch keine Klarheit gebe, wer solche Gespräche führen könnte. Wichtiger sei, dass man zunächst Klarheit über die Ziele habe. Für die Bundesregierung sei entscheidend, dass es einen klaren politischen Kompass und ein klares Zielbild bei solchen Gesprächen geben müsse. Lesen Sie auchDies alles müsse „im Einvernehmen mit der Ukraine, in größtmöglicher Abstimmung mit den europäischen Partnern und möglichst koordiniert mit den USA“ erfolgen. „Nichts ohne ‌die Ukraine, keine deutschen Sonderwege“, laute die Devise der Bundesregierung und von Kanzler Friedrich Merz. Dies sei der bestmögliche Ausdruck „einer verantwortungsvollen und geschichtsbewussten deutschen Rolle und Führungsrolle“. Die Gespräche sollten keine Konkurrenz mit den USA schaffen, die eingebunden bleiben müssten.Deutschland, Frankreich und Großbritannien wollen sich eng abstimmen„Am Ende wird notwendig sein, dass es ein Format gibt, das zum einen möglichst handlungsfähig ist und das zum anderen von den Europäern als möglichst legitim empfunden wird“, hieß es in den Regierungskreisen. „Es spricht einiges dafür, dass die E3 dabei weiter eine wichtige Rolle spielen werden.“ Deutschland, Frankreich und Großbritannien haben sich in diesem Format in den vergangenen Monaten verstärkt über außenpolitische Fragen abgestimmt.Die US-Regierung hatte ihre eigenen Vermittlungsversuche zwischen Russland ‌und der Ukraine mangels Erfolg für vorläufig beendet erklärt. Anders als die USA stehen die Europäer aber klar auf der Seite der 2022 angegriffenen Ukraine und haben gerade einen 90-Milliarden-Euro-Kredit an das Land freigegeben. Die Bundesregierung hat zudem vorgeschlagen, dass die Nato-Verbündeten auch ihre bilaterale Militärhilfe für die Ukraine deutlich aufstocken, damit sich das Land gegen Russland verteidigen kann. Deutschland hat dafür elf Milliarden Euro in diesem Jahr eingeplant.Lesen Sie auchDie ukrainischen Landgewinne in den russisch besetzten Landesteilen und die anhaltenden ukrainischen Luftschläge auf militärische Ziele und Ölanlagen im russischen Hinterland hatten in den vergangenen Wochen die Debatte verändert, zumal es Signale ‌über wachsende Probleme der russischen Wirtschaft gibt. Am Mittwoch ‌griff die Ukraine im Vorfeld des jährlichen Wirtschaftsforums von Präsident Wladimir Putin Ziele in St. Petersburg an.Auch von russischer Seite gab es zuletzt ein Angebot, dass die Europäer mitreden könnten. So hatte Putin im Mai Altkanzler Gerhard ‌Schröder für eine Vermittlung ins Gespräch gebracht. Vorschläge zur Vermittlung durch Schröder oder die frühere Kanzlerin Angela Merkel waren ‌allerdings ‌in Regierungskreisen bereits verworfen worden.Der Stabschef des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, Kyrylo Budanow, sagte, dass eine Einigung auf ein Abkommen zur Beendigung des Krieges bis zum Winter ein „realistisches“ Szenario sei.Reuters/coh