PfadnavigationHomePolitikDeutschlandTreffen in MillionenmetropoleUkraine beschießt St. Petersburg kurz vor Putin-Forum – CDU-Mann bezeichnet AfD-Gäste als „dumm“Stand: 10:20 UhrLesedauer: 3 MinutenAusgerechnet in Putins Heimatstadt St. Petersburg schlagen ukrainische Drohnen in Ölterminals ein – an dem Tag, als dort ein internationales Wirtschaftsforum startet. Die Rauchsäulen wirken wie Ausrufezeichen der Ukraine an die dort versammelten Wirtschafts- und Politikvertreter.Kurz vor der Eröffnung des Wirtschaftsforums in St. Petersburg schlagen ukrainische Drohnen in der Stadt ein. Wolodymyr Selenskyj lobt den Angriff. Der Besuch einer AfD-Delegation bei dem Treffen sorgt indes für heftige Kritik.Mit Markus Frohnmaier, Steffen Kotré, Jörg Urban und Petr Bystron ist eine AfD-Delegation beim Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg eingetroffen. Dort beginnt am Mittwoch das mehrtägige Wirtschaftsforum, das jährlich von der russischen Regierung veranstaltet wird. Zum „St. Petersburg International Economic Forum“ (SPIEF) – nach eigener Darstellung eine Plattform für den „Dialog zwischen Geschäftskreisen aus Russland, aufstrebenden Märkten und der ganzen Welt“ – kommen Vertreter aus mehr als 130 Ländern, darunter den USA. Vor Beginn des Forums haben die Behörden Einwohner und Gäste vor Drohnenangriffen gewarnt. „Achtung! Es besteht Drohnengefahr auf dem Gebiet von St. Petersburg, möglich sind Störungen des mobilen Internets“, hieß es in der versandten SMS. In St. Petersburg selbst wurde neben dem Ölterminal auch ein rein militärisches Ziel im Stadtbezirk Kronstadt getroffen, wo die russische Kriegsflotte ihren Stützpunkt in der Ostsee hat. In sozialen Netzwerken kursierten Aufnahmen von einer schwarzen Rauchwolke. Der Flugverkehr am St. Petersburger Flughafen Pulkowo war vorübergehend eingeschränkt.Lesen Sie auchDer ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte später die ukrainischen Drohnenangriffe. Die Einschläge bezeichnete er als „gutes Resultat“ der gemeinsamen Arbeit von Drohneneinheiten verschiedener Truppengattungen und Geheimdienste. Ein Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion sagte zuvor über das Treffen in der Millionenmetropole, es sei sinnvoll, Kontakte mit allen Seiten zu pflegen sowie Gesprächskanäle offenzuhalten. Die Bundestagsabgeordneten Kotré und Urban kündigten an, sich vor Ort demonstrativ von der Russlandpolitik der Bundesregierung absetzen zu wollen. „Wir stehen für Zusammenarbeit mit Russland, Beendigung der Sanktionen, keine weitere Militärhilfe für die Ukraine und stattdessen Friedensdiplomatie“, sagte Kotré im Podcast „Playbook“.Während Kotré und Urban auf Symbolik setzen, stehen bei Frohnmaier und Bystron die Themen Wirtschaft und Energie im Fokus. Anders als bei der letzten AfD-Reise nach Russland hält sich die Parteispitze aktuell heraus. Die Verantwortung für Organisation, Abstimmung und Kommunikation liegt komplett bei Frohnmaier.Politiker von CDU, SPD und Grünen kritisierten die Teilnahme der AfD-Politiker am Wirtschaftsforum als Sicherheitsrisiko. „Wie dumm muss man sein, Putin jetzt, wo sich das Kriegsglück in der Ukraine vielleicht gegen ihn wendet, eine solche Propagandagelegenheit zu bieten?“, sagte der außenpolitische Sprecher der Union, Jürgen Hardt. „Das schadet nicht nur der Ukraine, sondern erhöht auch die Gefahr für Deutschland.Auch die Teilnahme deutscher Unternehmer am Wirtschaftsforum stößt bei CDU und SPD auf Kritik. „Deutsche Unternehmen, die in St. Petersburg einen Kriegsverbrecher hofieren, konterkarieren unsere nationalen Sicherheitsinteressen und beschädigen Deutschlands internationale Glaubwürdigkeit“, sagte der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter dem „Handelsblatt“. Ein „katastrophales Zeichen“ nannte der SPD-Politiker Sebastian Roloff die Teilnahme.Mehr von WELT in Google sehenGoogle zeigt zu vielen Themen passende Nachrichten an. Nutzer können nun festlegen, welche Quellen ihnen bevorzugt angezeigt werden:WELT als bevorzugtes Medium festlegenkrö mit Reuters