The Pulse

Die Euphorie um das Thema künstliche Intelligenz heizt sich weiter auf. «The Pulse» wagt einen Ausblick auf drei Entwicklungen im Technologiesektor, die Anleger in den kommenden Monaten im Blick haben sollten. Die Rekordjagd an den amerikanischen Aktienmärkten läuft weiter. Der Leitindex S&P 500 hat am Dienstagabend erneut fester geschlossen und verbucht den neunten Tagesgewinn in Folge. Das entspricht der längsten Serie von Kursavancen seit Mai 2025. Der Nasdaq 100 mit den grössten Technologiewerten machte 0,5% gut.Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen

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Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das einzige Thema, das an der Börse derzeit interessiert, ist künstliche Intelligenz (KI). Die Rally im Technologiesektor heizt sich mehr und mehr auf, wobei sich die Euphorie vor allem auf die Segmente Halbleiter und Hardware konzentriert. Fundamentaldaten rücken zusehends in den Hintergrund.Diese Entwicklung lässt sich exemplarisch an Marvell Technology veranschaulichen. Die Aktien des Unternehmens, das Tech-Konzernen wie Amazon beim Design eigener Server-Prozessoren für Data Center hilft, verzeichneten am Dienstag eine Rekordavance von über 32%. Nachbörslich preschten sie um zusätzliche 10% vor.Der Auslöser: Nvidia-Chef Jensen Huang sagte an der Branchenkonferenz Computex in Taiwan, dass Marvell der nächste Konzern mit einem Börsenwert von über 1 Bio. $ sein könnte. Der Kurssprung kommt Huang selbst nicht ungelegen. Nvidia hat Ende März eine Investition in Marvell von 2 Mrd. $ gemeldet.Die Obsession mit dem Anlagethema KI reflektiert sich ebenso im Fluss von Investorengeldern. Gemäss dem Researchdienst Strategas sind seit Anfang des zweiten Quartals in den USA mehr als 25 Mrd. $ in kotierte Fonds zum Tech-Sektor geflossen. Alle anderen Sektoren haben einen kumulierten Abfluss von 4 Mrd. $ verzeichnet. Kumulierte Flüsse von Investorengeldern in amerikanische Sektor-ETF, in Mio. $. Quelle: Strategas Michael Cembalest, Marktstratege in Diensten von JPMorgan, veröffentlichte im vergangenen Herbst eine Liste mit 41 Aktien aus dem S&P 500 mit Bezug zu KI. Gemessen an der Marktkapitalisierung machen diese Titel heute 49% des Index aus – ebenfalls ein Rekordwert. Seit Beginn des KI-Booms mit der Lancierung von ChatGPT Ende November 2022, haben diese Aktien 70% zu den Kursgewinnen des S&P 500 beigetragen. Entwicklung der Marktkapitalisierung von KI-Aktien im S&P 500 (blaue Fläche) und allen anderen Aktien im S&P 500 (orange), in Bio. $. Quelle: Bianco Research Das KI-Fieber hat längst auch die Aktienmärkte rund um den Globus erfasst. Dank den Memory-Riesen Samsung Electronics und SK Hynix führt der Leitindex Kospi in Seoul mit einer Avance von mehr als 100% seit Anfang Jahr die Börsen weltweit an. Der Handelsplatz Taipeh mit dem Superschwergewicht TSMC liegt 55% im Plus. In Tokio hat das Tech-Konglomerat SoftBank Toyota vom Spitzenplatz des wertvollsten Konzerns Japans verdrängt.Vor diesem Hintergrund wundern sich wohl viele Anleger, wie lange das so weitergehen kann. Diese Frage steht in der heutigen Ausgabe von «The Pulse» im Zentrum. Wir werfen einen Blick auf drei Trends im zweiten Halbjahr und stellen Ideen für Investments vor.1. Houston, wir haben ein (Liquiditäts-)ProblemInvestoren werden derzeit mit Nachrichten aus dem Tech-Sektor überflutet. Für eine Überraschung sorgt das KI-Unternehmen Anthropic, das bei der Aufsichtsbehörde SEC vertraulich erste Unterlagen für seinen geplanten Börsengang eingereicht hat. Zum Zeitpunkt für das Initial Public Offering (IPO) werden keine Angaben gemacht. An den Märkten wird jedoch erwartet, dass es noch vor Jahresende soweit sein soll.Die Meldung verdeutlicht, dass sich der Konkurrenzkampf um Investorengelder rasch intensiviert. Anthropic hat erst letzte Woche in einer privaten Finanzierungsrunde 65 Mrd. $ aufgenommen. Die Transaktion basiert auf einer Unternehmensbewertung von 965 Mrd. $, womit Anthropic – auf dem Papier – erstmals höher bewertet wird als der Rivale OpenAI mit zuletzt 852 Bio. $. Auch OpenAI dürfte seine IPO-Dokumente bald der SEC vorlegen.Bereits einen Schritt voraus eilt SpaceX. Der bei der letzten Transaktion im Februar zu 1,25 Bio. $ bewertete Raumfahrtkonzern von Elon Musk könnte schon in den kommenden Wochen sein Debüt an der Börse geben. Wie es heisst, soll das IPO eine Rekordsumme von rund 75 Mrd. $ zu einer Bewertung von 1,75 Bio. $ einbringen. Das Unternehmen hat zu Wochenbeginn gemeldet, dass bis zu 5% des Emissionsvolumens für Mitarbeitende reserviert sind.Mit Blick auf das zweite Halbjahr lautet die Schlüsselfrage deshalb, ob der Markt überhaupt so viel Liquidität bereitstellen kann. Bisher wurden nur zwei Tech-Konzerne, namentlich Meta Platforms (damals Facebook) und Alibaba, am ersten Handelstag ihrer Publikumsöffnung mit über 100 Mrd. $ bewertet. Das IPO von SpaceX wird zum ersten grossen Test. Dem Vernehmen nach soll sich der Free Float auf bloss maximal 5% belaufen.Angenommen, Anthropic und OpenAI bringen anfänglich ebenfalls nur 5% ihrer Aktien auf den Markt, würde sich das Emissionsvolumen der drei Unternehmen auf Basis ihrer letzten Bewertung auf knapp 180 Mrd. $ belaufen. Bei einem Free Float von 10% sind es fast 355 Mrd. $, bei 15% sogar über 530 Mrd. $ – das ist mehr als alle US-Börsengänge in den letzten zehn Jahren zusammen, inklusive dem Rekordwert von 2021.Umso mehr Aufsehen erregt ein Überraschungscoup von Alphabet. Um den Ausbau seiner KI-Infrastruktur zu finanzieren, emittiert der Google-Mutterkonzern Aktien im Umfang von insgesamt 80 Mrd. $, wovon sich Berkshire Hathaway 10 Mrd. $ zu einem Abschlag von 6% gemessen am Schlusskurs vom Montag gesichert hat. Auch das ist eine der grössten Transaktionen in der US-Börsengeschichte. Saugt Alphabet den drei IPO-Kandidaten damit Liquidität ab?Die Ankündigung von Alphabet ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil der Konzern über das letzte Jahr bereits 85 Mrd. $ an den Kreditmärkten aufgenommen hat. Seine Bilanz umfasst derzeit 31 Mrd. $ Nettoliquidität, nachdem zeitweise bis zu 114 Mrd. $ waren. Der Spielraum, um den Bau von Rechenzentren über weitere Anleihen zu finanzieren, nimmt dadurch ab. Gemäss Analystenschätzungen sollen sich die Kapitalinvestitionen von Alphabet dieses Jahr auf 187 Mrd. $ belaufen und 2027 auf 229 Mrd. $ steigen.«Dass Alphabet auf Eigen- statt Fremdkapital setzt, signalisiert ein raueres Marktumfeld für die Finanzierung von KI-Rechenzentren», meint Jason Helfstein, Analyst beim Brokerhaus Oppenheimer. «Vor allem bei schwächer aufgestellten Unternehmen wie Meta dürfte sich diese Entwicklung noch schmerzhafter bemerkbar machen», sagt er.Der Konsens an den Märkten rechnet damit, dass der Social-Media-Riese Meta für 2026 einen freien Cashflow von nur noch 1 Mrd. $ rapportieren wird, nachdem es in den letzten beiden Jahren noch 52 bzw. 44 Mrd. $ waren. Die Nettoliquidität ist bereits vollständig aufgebraucht. Bei Microsoft und Amazon ist das schon seit einiger Zeit der Fall, wobei beide Konzerne jedoch deutlich mehr Cashflow erwirtschaften.Auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass Meta an der Börse schon seit einiger Zeit hinterherhinkt. Seit Anfang Jahr notieren die Aktien mehr als 9% im Minus, womit sie unter den grössten Tech-Werten am schlechtesten abschneiden. Ob es sich bloss um eine temporäre Schwäche handelt, wird sich zeigen. Sicher ist: Liquidität wird im zweiten Halbjahr eines der wichtigsten Themen an den Finanzmärkten sein.2. Software: Die Apokalypse ist abgesagtEs würde daher nicht überraschen, wenn die Rahmenbedingungen für Tech-Investoren in den kommenden Monaten anspruchsvoller werden. Die fulminanten Kursavancen in Segmenten wie Halbleiter und Hardware nehmen jedoch vorweg, dass der massive Anstieg der Kapitalausgaben von Alphabet, Amazon, Microsoft, Meta und anderen bedeutenden Cloud-Infrastrukturbetreibern unaufhaltsam weitergeht.Das neuste Beispiel ist Hewlett Packard Enterprise. Der Hardware-Ausrüster hat den Umsatz im Quartal per Ende April gegenüber dem Vorjahr um 40% auf 10,7 Mrd. $ gesteigert, was die Analystenerwartungen von 9,8 Mrd. $ klar übertrifft. Dank der momentan robusten Nachfrage nach KI-Grossrechnern sieht sich der Konzern hinsichtlich seiner langfristigen Wachstumspläne um zwei Jahre voraus.Im Nachgang der Zahlen preschten die Aktien am Dienstag um annähernd 20% vor; der grösste Tagesgewinn seit der Abspaltung vom PC- und Druckerhersteller HP im Herbst 2015. Die Quartalsberichte von Branchennachbarn wie Dell Technologies und Cisco Systems sind in den vergangenen Tagen mit ähnlichen Kurssprüngen zelebriert worden.Ob der Boom anhält, hängt indes noch immer massgeblich vom Prinzip Hoffnung ab. Die Nachfrage nach Rechenleistung wird vor allem durch KI-Dienste für das Programmieren von Software getrieben. Damit sich all die Investitionen auszahlen, müssen weitere Schlüsselanwendungen folgen. Bisher ist das noch nicht der Fall. Es wird daher bald neue Durchbrüche brauchen. Interessant ist, dass selbst der Kurs von Alphabet seit zwei Wochen nach unten zeigt.Wie schnell sich die Stimmung ändern kann, lässt sich gut in der Softwarebranche beobachten. Ängste vor einer existenziellen Bedrohung durch KI haben sich in kurzer Zeit verflüchtigt. Wesentlich dazu beigetragen haben mehrheitlich solide Quartalszahlen. Der iShares Expanded Tech-Software Sector ETF (IGV) ist seit dem Tief vom April über 40% avanciert und hat im Mai die beste monatliche Performance seit Oktober 2001 verbucht.Das Verhältnis von Chancen zu Risiken ist bei Softwareaktien damit zwar nicht mehr so attraktiv wie im früheren Verlauf des Jahres. Es bieten sich aber noch immer Gelegenheiten, auf Nachzügler zu setzen. An der Schweizer Börse könnte beispielsweise Temenos im zweiten Halbjahr glänzen. Ein erfreulicher Quartalsbericht am 22. Juli sollte bereits genügen, um dem Kurs des Bankensoftwarespezialisten neuen Auftrieb zu verleihen.Eine besonders spannende Ausgangslage präsentiert sich bei Nintendo. Die Aktien der Videospiel-Ikone aus Japan bewegen sich 54% unter dem Allzeithoch vom vergangenen August. Für einen Dämpfer hat zuletzt die Ankündigung vom Konzernsitz aus Kyoto gesorgt, dass der Preis für Switch-2-Konsolen wegen Mehrkosten für Speicherchips erhöht wird. Der Absatz im laufenden Rechnungsjahr wird daher geringer ausfallen, als ursprünglich prognostiziert. Die US-Zölle und der schwache Yen sind weitere Belastungsfaktoren.Der Rückschlag eröffnet eine günstige Möglichkeit zum Einstieg. Als Unterhaltungskonzern ist Nintendo dank weltbekannter Marken wie Pokémon, Super Mario Bros., Zelda und Donkey Kong ausgezeichnet positioniert. Die Bewertung ist auf das 21-Fache des für die nächsten zwölf Monate geschätzten Gewinns gesunken. Über die letzten fünf Jahre belief sie sich durchschnittlich auf 25, und über die letzten zehn Jahre auf 30.«Unserer Einschätzung nach ist der Bear Case in der gegenwärtigen Bewertung bereits weitgehend eingepreist», sagt Alicia Reese, Analystin beim US-Brokerhaus Wedbush. Ihrer Ansicht nach befindet sich Nintendo in einem Übergangsjahr, doch darüber hinaus bleiben die Perspektiven intakt. Entscheidend sei, dass der Konzern die Attraktivität der Switch-Plattform nun mit erstklassigen Inhalten ausbauen könne. Neue Anhaltspunkte werden diesen Monat erwartet.3. Zeit für ein Comeback von Medtech-AktienWährend der KI-Boom heiss läuft, schenkt der Markt allen anderen Sektoren immer weniger Aufmerksamkeit. Ein Extrembeispiel sind Gesundheitsaktien. Der Sektor notiert seit Anfang Jahr rund 5% im Minus, wogegen der S&P 500 ein Plus von 11% verbucht. Gemessen am Börsenwert macht er nur noch rund 8% des Index aus. Wie das Chart Pack von The Market zeigt, entspricht dies dem geringsten Wert seit Mitte der Neunzigerjahre. Die Abneigung von Investoren steht in einem frappanten Gegensatz zur Nachrichtenlage. Im Gesundheitssektor gibt es derzeit diverse positive Entwicklungen, wie sich etwa der Berichterstattung zur jährlichen Konferenz der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago entnehmen lässt. Das grösste Branchentreffen in der Krebsforschung gibt guten Grund für Optimismus.Zu den Highlights zählt die Präsentation von Revolution Medicines. Das Biotech-Unternehmen aus Kalifornien hat am Sonntag umfassende Studiendaten zu Daraxonrasib vorgestellt. Es handelt sich dabei um eine experimentelle Immuntherapie gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs, eine der bösartigsten Krebserkrankungen, an deren Behandlung Generationen von Forschern immer wieder gescheitert sind.Umso ermutigender ist der Effekt von Daraxonrasib. In der Studie verdoppelte das Medikament nahezu die Überlebenszeit von Patienten, bei denen die Erkrankung nach einer ersten Chemotherapie weiter fortgeschritten war. Im Vergleich zur Standardtherapie verlängerte sich die Gesamtüberlebenszeit durchschnittlich von 6,7 auf 13,2 Monate.«Nachdem ich sechzehn Jahre lang Bauchspeicheldrüsenkrebs behandelt habe, kamen mir in der Klinik die Tränen», zitiert das Fachmagazin «STAT News» einen Experten. «Für unsere Patienten ist dies eine unglaublich bedeutsame Studie.» Das Publikum brach mitten während der Präsentation der Daten in stehende Ovationen aus – eine Reaktion, die es an der ASCO-Konferenz so gut wie noch nie gegeben hat.Für Investoren, die im Gesundheitssektor nach Schnäppchen suchen, dürfte sich besonders ein Blick auf das Segment Medizintechnik lohnen. Der iShares U.S. Medical Devices ETF (IHI) hat seit Anfang Jahr mehr als 20% verloren. Amerikanische Branchenschwergewichte wie Abbott Laboratories, Danaher und Medtronic handeln 30 bis 40% unter dem 52-Wochen-Hoch.Die Gründe für die Misere sind hinlänglich bekannt: Spitäler müssen sparen und halten sich mit grösseren Ausgaben zurück, die Zölle der Trump-Regierung drücken auf die Margen, und Operationen werden vermehrt in ambulanten Zentren durchgeführt, was die Vertriebskosten in die Höhe treibt. Mit dem Run auf GLP-1-Abnehmmedikamente kommen zudem Befürchtungen auf, dass es kardiovaskuläre und andere Eingriffe künftig kaum noch braucht.Alle diese Entwicklungen dürften auf dem niedrigen Kursniveau jedoch zu einem grossen Teil eingepreist sein. Das eröffnet Chancen für Contrarians. Wie der US-Investor Larry McDonald in diesem Interview sagt, hat er Aktien von Baxter International gekauft. Vor wenigen Tagen hat er zudem eine Position in Intuitive Surgical eröffnet. Als Spezialist für bildgebende Verfahren ist das Unternehmen hervorragend positioniert, um von praktischen KI-Anwendungen zu profitieren – doch an der Börse haben das bisher nur wenige auf der Rechnung.Deep DivingAn dieser Stelle präsentieren wir wie immer einige Links, die einen vertieften Einblick in ein aktuelles Thema geben: Pilgerreisen für Tech-Investoren haben bisher stets ins Silicon Valley nach Kalifornien geführt. Heute fliegt jedoch eine wachsende Zahl von ihnen lieber in die chinesischen Metropolen Schanghai, Hangzhou oder Shenzhen. Wie das Online-Magazin «Rest of World» in dieser Reportage berichtet, erlebt China einen Boom im Tech-Tourismus: Besucher zahlen bis zu 9000 $ für Touren durch Fabriken für Elektrofahrzeuge, Fahrten mit Robotaxis sowie Besichtigungen von Firmen aus den Bereichen KI und Robotik.ASML ist zurück an der Spitze von Europas Konzernen mit der grössten Marktkapitalisierung. Der niederländische Ausrüster der Halbleiterindustrie profitiert vom Monopol bei hochauflösenden Lithografie-Systemen, die mit extrem ultraviolettem Licht (EUV) arbeiten und zur Produktion der leistungsfähigsten Chips benötigt werden. Der Podcast «Supply Chained» diskutiert die Beziehung von ASML zum taiwanischen Auftragsproduzenten TSMC, Engpässe in den Lieferketten des Halbleitersektors, die nächste Generation von Lithografie-Maschinen und das Risiko neuer Konkurrenz aus Asien.Es ist eine der wichtigsten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fragen mit Blick auf die kommenden Jahre: Das Aufkommen von KI wird wie bei jedem technologischen Umbruch unweigerlich Arbeitsplätze vernichten und neue schaffen. Doch in welchen Bereichen? Der Tech-Analyst Benedict Evans sucht in diesem Essay nach Antworten. Er wirft dabei einen kritischen Blick auf die Datenlage und zieht Parallelen zu früheren Phasen, in denen sich neue Technologien wie das Internet und Smartphones ausgebreitet haben.Und zum Schluss noch dies: Data Centers in GardensData Centers in Space – Rechenzentren im Weltraum: Mit dieser kühnen Vision will SpaceX-Gründer Elon Musk Investoren für den anstehenden Börsengang seines Raumfahrtunternehmens begeistern. Span, ein kleines Startup-Unternehmen aus Kalifornien, will ebenfalls von der immensen Nachfrage nach KI-Rechenleistung profitieren – allerdings auf etwas weniger abgehobene Weise.2018 vom früheren Tesla-Manager Arch Rao gegründet, hat sich das Cleantech-Unternehmen aus San Francisco auf die Überwachung und Optimierung des Stromverbrauchs von Privathaushalten spezialisiert. Da sich in der breiten Öffentlichkeit immer mehr Widerstand gegen grosse Rechenzentren bildet, setzt Span zudem auf Dezentralisierung. Konkret sind das Data Center im Miniaturformat für Eigenheime.Die Idee dahinter hört sich einfach an: Mit den Anlagen, die ungefähr so gross sind wie eine gewöhnliche Gartentruhe und virtuell miteinander verbunden werden, kann ungenutzte Kapazität im Stromnetz von Wohngebieten ausgeschöpft werden. Die Technologie soll freie Leistung in Echtzeit erkennen und dann für KI-Dienste einsetzen.Die Installation von 8000 sogenannten «XFRA»-Einheiten lässt sich gemäss der Firma rund sechsmal schneller und zu einem Fünftel der Kosten realisieren, die für ein Rechenzentrum mit einer Kapazität von 100 Megawatt anfallen würden. «Der Grund, warum das XFRA-Modell funktioniert, ist die Tatsache, dass ein typischer US-Haushalt nur rund 40% seiner elektrischen Kapazität beansprucht», sagt ein Sprecher des Unternehmens der Immobilien-Website «Realtor.com».Das Startup mit rund 350 Mitarbeitenden und einer Bewertung von mehr als 1 Mrd. $ arbeitet für das Projekt mit einem prominenten Partner zusammen. Die Mini-Rechenzentren sollen mit den neusten Blackwell-Chips von Nvidia ausgestattet werden. Diese KI-Systeme des weltgrössten Halbleiterkonzerns sind nicht nur enorm leistungsfähig, sie machen auch wenig Lärm, da sie dank Flüssigkeitskühlung keinen lauten Ventilator brauchen.Derzeit ist das Geschäftsmodell allerdings nicht viel mehr als ein trendiges Konzept. Der Häuserbauer PulteGroup hat zwar eine frühe Testphase gestartet, bisher ist gemäss dem Börsensender «CNBC» aber bloss eine XFRA-Einheit in einem Prototyp-Haus installiert worden. Ebenso ändert sich am Grundproblem wenig: Für mehr Rechenleistung braucht es auch mehr Strom – und die Kosten dafür sind gerade bei Haushalten besonders hoch. Mini-Data-Center für den Garten: XFRA-Einheit des Cleantech-Unternehmens Span. Bild: Span