Trendwende: Plötzlich sind die Gegner der Initiative gegen die 10-Millionen-Schweiz im VorteilDie zweite Umfrage der SRG deutet auf eine Ablehnung hin – allerdings mit einem Vorbehalt.03.06.2026, 06.00 Uhr3 LeseminutenWie viel Zuwanderung verträgt die Schweiz?Annick Ramp / NZZDie letzten Umfragen haben im Nein-Lager wie ein Weckruf gewirkt. Gemäss einer Befragung, die das Institut Leewas im April für Tamedia und «20 Minuten» durchgeführt hatte, befürwortete noch eine Mehrheit der Stimmberechtigten die SVP-Initiative gegen die 10-Millionen-Schweiz. Wenig vorteilhafter für die Gegner fiel einige Tage später die erste Welle der SRG-Trendumfrage des Meinungsforschungsinstituts GfS Bern aus, die eine Pattsituation konstatierte.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Nun aber zeichnet sich jenes Muster ab, das für Volksinitiativen typisch ist: Je intensiver sich die Stimmbevölkerung mit einer Vorlage befasst, desto mehr schwindet die Zustimmung. Gemäss der zweiten SRG-Umfrage von GfS Bern etabliert sich ein Nein-Trend. Ende Mai hätten laut dieser 52 Prozent der Stimmberechtigten die Initiative der SVP bestimmt oder eher abgelehnt, während 45 Prozent der Vorlage bestimmt oder eher zustimmen wollten. Bei diesem Volksbegehren deute sich somit ein klassischer Verlauf an, schreiben die Autoren. Lediglich 3 Prozent der Befragten zeigten sich noch unentschieden.Wachsende Ablehnung bei Mitte und FDPDass das gegnerische Lager zulegen konnte, ist primär auf die Sympathisanten bei der Mitte und der FDP zurückzuführen, bei denen die Ablehnung gestiegen ist. Die FDP-Co-Präsidentin Susanne Vincenz-Stauffacher sagte im Gespräch mit der NZZ, bei Parteiversammlungen laufe es fast immer gleich ab. Man sei sich zwar einig, dass Probleme existierten, stelle in der Diskussion jedoch rasch fest, dass die SVP-Initiative der falsche Weg sei.Auch der frühere Mitte-Präsident und Zuger Nationalrat Gerhard Pfister hatte sich bereits im Mai zuversichtlich gezeigt. Die Befragungen machten deutlich, dass eine Mehrheit der Bevölkerung an den Bilateralen festhalten wolle, sagte er der «NZZ am Sonntag». Die Schweiz müsse den Beziehungen zur Europäischen Union als ihrer wichtigsten aussenpolitischen Partnerin Sorge tragen – trotz Bedenken bezüglich der Zuwanderung. Dieses Bild bestätigt sich nun in der jüngsten Erhebung: 65 Prozent der Stimmberechtigten stimmen der Aussage zu, dass der bilaterale Weg mit der EU für die Schweiz von zentraler Bedeutung sei und nicht gefährdet werden dürfe.Nur das Tessin dafürGemäss GfS Bern dürfte die Abstimmung vor allem im politischen Zentrum und bei den parteiungebundenen Stimmberechtigten entschieden werden. Im linken Lager hat sich der Nein-Trend weiter gefestigt. Frauen positionieren sich nun klar ablehnend, während Männer einer Deckelung der Zuwanderung weiterhin eher offen gegenüberstehen.Auch in geografischer Hinsicht hat der Nein-Trend an Boden gewonnen. Die Westschweiz lehnt die Vorlage deutlich ab, die Deutschschweiz tut dies knapp. Die Stimmberechtigten in der italienischsprachigen Schweiz tendieren dagegen weiterhin zu einer Zustimmung.Ein ähnliches Bild zeichnet die zweite Umfrage des Instituts Leewas für Tamedia und «20 Minuten», die ebenfalls am Mittwoch publiziert wurde. Hier lehnt eine knappe Mehrheit der Stimmberechtigten die Initiative gegen die 10-Millionen-Schweiz ab (52 Prozent Nein gegenüber 47 Prozent Ja). Im Vergleich zur ersten Befragung ist die Zustimmung damit um 5 Prozentpunkte gesunken, wobei der Rückgang bei der Wählerschaft der Mitte ausgeprägter war als bei jener der FDP. Entscheidend wird laut Leewas unter anderem die Mobilisierungsfähigkeit der beiden Lager sein.Die Gegner der Initiative müssen sich allerdings auf Überraschungen gefasst machen. Gemäss der zweiten SRG-Umfrage von GfS Bern erwarten 55 Prozent der Befragten, dass die Vorlage angenommen wird – obschon sich die Stimmabsichten in Richtung einer Ablehnung verschieben. Ein Grund dürfte sein, dass das Begehren weit über die eigentliche SVP-Wählerschaft hinaus auf Sympathien stösst. Am stärksten verfängt das Argument, dass die Infrastruktur beim Wohnen oder beim Verkehr durch das Bevölkerungswachstum zunehmend überlastet sei.Pattsituation beim Zivildienstgesetzgaf. Überraschend ist die Entwicklung beim Zivildienstgesetz. Im Verlauf der Kampagne ist es den Gegnern der Vorlage, welche den Wechsel vom Militär- zum Zivildienst erschweren will, gelungen, aufzuholen. Gegenwärtig beabsichtigen 48 Prozent der Stimmberechtigten, eher oder bestimmt dafür zu stimmen, während 46 Prozent sich bestimmt oder eher dagegen aussprechen. Damit haben die Befürworter im Vergleich zur ersten SRG-Umfrage von GfS Bern an Rückhalt eingebüsst. Während die Zustimmung im bürgerlichen Lager hoch bleibt, lehnt die Basis von Grünen, SP und Grünliberalen die Gesetzesrevision mittlerweile noch deutlicher ab.Passend zum Artikel