KommentarOhne staatliches Doping läuft in der Industrie immer weniger. Diese Entwicklung kennt nur VerliererNeue Daten der OECD zeigen: Wer in der Industrie zulegen will, verfügt idealerweise über einen direkten Zugang zur Staatskasse. Doch wenn Subventionen an die Stelle der Leistung treten, kostet das Wohlstand.03.06.2026, 05.25 Uhr3 LeseminutenEin Mahnmal der Industriepolitik: Bei Solarpanels führten staatliche Subventionen zu globalen Überkapazitäten – und einem Preiseinbruch.K. M. Krause / ImagoVor kurzem fanden in Las Vegas erstmals die Enhanced Games statt. Das Besondere an dieser Sportveranstaltung: Doping ist nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht. Die Athleten sollen sich mit allerlei leistungssteigernden Substanzen hochzüchten. Welche gesundheitlichen Langzeitschäden sie allenfalls davontragen, interessiert nur am Rand. Entsprechend kritisch wurde über den Anlass berichtet: Von unkalkulierbaren Risiken war die Rede. Aber auch von einem unfairen Wettbewerb, bei dem nicht die Leistung über Sieg und Niederlage entscheidet, sondern künstliche Unterstützung.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Enhanced Games der WeltwirtschaftVöllig neu ist diese Übungsanlage aber nicht. Denn in der Industrie finden Enhanced Games schon lange statt. So zeigen neue Daten der OECD eine starke Zunahme von Industriesubventionen – ob in Form von Zuschüssen, steuerlichen Vergünstigungen oder Vorzugskrediten. Die OECD hat fünfzehn Schlüsselsektoren untersucht. In diesen machte staatliches Doping im Jahr 2024 schon 1,3 Prozent der Umsätze aus. Das ist der höchste Wert seit 2009, als die Umsätze aufgrund der Finanzkrise um weltweit 15 Prozent einbrachen – was die Subventionsquote automatisch in die Höhe schnellen liess.Heute ist die Ausgangslage anders. Im Gegensatz zum Jahr 2009 steigt der Anteil der Subventionen am Umsatz nicht infolge einer globalen Rezession und eines damit verbundenen Umsatzeinbruchs. Anstelle eines temporären Ausreissers ist derzeit vielmehr eine strukturelle Verschiebung zu beobachten: Staaten wenden sich bewusst mehr Dirigismus zu. Sie massen sich an, besser als der Markt den Erfolg von Technologien oder Industrien abschätzen und mit finanziellen Zuwendungen lenken zu können.Dieser Trend geht mit einer Verzerrung des Wettbewerbs einher. Ähnlich wie bei den Enhanced Games setzen sich immer öfter nicht jene Firmen durch, die besonders effizient sind, sondern jene mit dem besten Zugang zur Staatskasse. Besonders aggressiv geht China bei diesem globalen Subventionswettlauf vor. Eine laut der OECD konservative Schätzung kommt zu dem Resultat, dass chinesische Unternehmen zwischen 2005 und 2024 etwa drei- bis achtmal so viel Staatshilfe erhalten haben wie Firmen aus dem OECD-Raum.Marktanteile ohne LeistungDie Auswirkungen auf die Marktstruktur sind erheblich. Weltweit lassen sich 22 Prozent der Marktanteilsgewinne expandierender Unternehmen zwischen 2005 und 2023 auf Subventionen zurückführen. Bei Firmen aus China beträgt der Anteil sogar fast 60 Prozent. Bemerkenswert dabei: Die subventionierten Firmen wurden trotz grösseren Marktanteilen nicht produktiver oder profitabler. Vielmehr spricht vieles dafür, dass sie ihre Marktanteile nur deshalb erhöhen konnten, weil das Staatsgeld es ihnen ermöglichte, die Konkurrenz preislich zu unterbieten.Diese Entwicklung kennt fast nur Verlierer: Einige Firmen werden zwar marktmächtiger, aber auch ineffizienter. Die Staaten lenken derweil knappe Gelder von produktiven Zwecken weg, schaffen Überkapazitäten aufgrund von Fehlplanungen, jüngst etwa in der Solarindustrie, und bremsen den Strukturwandel, weil sie unrentable Zombie-Firmen künstlich am Leben erhalten. Konsumenten profitieren zum Teil zwar von tieferen Preisen, kriegen den eingeschränkten Wettbewerb aber mittels einer schlechteren Produktequalität zu spüren.Das industriepolitische Hochrüsten zerstört Wohlstand. Dennoch setzt es sich fort – mit der immergleichen Begründung: Die anderen tun es ja auch. Diese destruktive Logik zu durchbrechen, ist fast unmöglich. Denn es fehlt auf globaler Ebene eine wirksame Anti-Doping-Behörde. Die hierfür vorgesehene Welthandelsorganisation (WTO) ist nur noch ein Schatten ihrer selbst, ohne Durchsetzungsmacht. Also wird munter weitergedopt, was das Zeug hält. Um die volkswirtschaftlichen Langzeitschäden sollen sich dann künftige Generationen kümmern.Passend zum Artikel