Donald Trump treibt seine Militärstrategie für Lateinamerika im Eiltempo voranWährend der amerikanische Präsident in Nahost scheitert, ist er in Lateinamerika recht erfolgreich. Seinen Kampf gegen die Drogen instrumentalisiert er politisch gekonnt.03.06.2026, 05.30 Uhr6 LeseminutenSão Paulo am 28. Januar, sie protestieren gegen die Inhaftierung Nicolás Maduros. Auch Brasiliens Linksregierung steht Donald Trump eher kritisch gegenüber.Diogo Sadhi / ImagoDie US-Marine hat erneut begonnen, angebliche Drogenboote vor den Küsten Südamerikas zu versenken. Seit April wurden bei militärischen Angriffen rund ein Dutzend Boote abgeschossen. Nach dem Sturz von Präsident Nicolás Maduro am 3. Januar bei einem Militäreinsatz der USA waren die Versenkungen weitgehend gestoppt worden. Jetzt sollen erstmals auch Drohnen bei den Abschüssen eingesetzt worden sein.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Regierung von Donald Trump treibt trotz dem Krieg gegen Iran die militärische Kontrolle über Lateinamerika im hohen Tempo voran. Sie tut damit genau das, was sie bei der Vorstellung der neuen amerikanischen Sicherheitsstrategie im November 2025 angekündigt hatte. Die Strategie wurde von Beobachtern schnell als «Donroe-Doktrin» bezeichnet.In Anlehnung an die Monroe-Doktrin will Donald Trump Lateinamerika wieder völlig unter amerikanische Kontrolle bekommen – politisch, wirtschaftlich und militärisch. Um den militärischen Einsatz zu rechtfertigen, setzt Washington den Fokus auf die Bekämpfung der Drogenkartelle und spricht vom «Narkoterrorismus».Im März stellte General Francis Donovan, der Kommandant des amerikanischen Südkommandos, im Kongress die Strategie für Lateinamerika vor und gab eine Personalie bekannt. Ab sofort soll die Sicherheitspolitik für die gesamte Region federführend vom neuen US Army Western Hemisphere Command in Fort Bragg in North Carolina koordiniert werden.In den vergangenen Wochen haben die USA ihre Präsenz in Lateinamerika weiter ausgebaut. Das zeigt der Blick auf verschiedene Länder.Panama: neues AusbildungszentrumSoldaten aus Panama und den USA absolvieren im Oktober 2025 auf der ehemaligen US-Basis Fort Sherman ein gemeinsames Überlebenstraining im Dschungel von Panama.Enea Lebrun / ReutersIn Panama errichten die US-Militärs einen logistischen und operativen Hub «zum Schutz des Kanals». Gemeinsame Militärmanöver sind geplant. Gerade haben sie dort auch ihre frühere Ausbildungsstätte für den Dschungelkampf wieder eröffnet, die 1999 geschlossen worden war.Die Reaktivierung des Trainingszentrums ist symbolträchtig, denn sie weckt ungute Erinnerungen in der Region. Über ein halbes Jahrhundert betrieb das US-Militär in Panama neben dem Jungle Warfare Training Center auch die militärische Ausbildungsstätte School of the Americas. Dort wurden während des Kalten Krieges lateinamerikanische Militärangehörige ausgebildet. Viele Absolventen waren später an schweren Menschenrechtsverbrechen der Militärdiktaturen beteiligt. Die 1984 geschlossene Akademie wurde deshalb auch als «Folterschule Amerikas» bezeichnet.Trumps neue militärische Offensive in Lateinamerika wird von den dortigen Mitte-rechts-Regierungen begrüsst. Im März hat Trump das Shield of the Americas gegründet. Zwölf Mitte-rechts-Regierungen aus Lateinamerika haben das Abkommen unterzeichnet. Es handelt sich um eine sicherheits- und militärpolitische Allianz, welche die Dominanz der USA in Lateinamerika stärken soll. Gemeinsam wollen die Staaten Drogenkartelle und organisierte Kriminalität bekämpfen, die Migration kontrollieren sowie den Einfluss von China, Russland und Iran zurückdrängen.Sie alle hoffen, durch die militärische Zusammenarbeit mit Washington ihre Popularität bei den eigenen Wählern zu steigern. Für die meisten Menschen in Lateinamerika ist die fehlende öffentliche Sicherheit eines ihrer Hauptprobleme. Die Regierungen sind überfordert von der wachsenden Macht der Drogenkartelle und Gruppen der organisierten Kriminalität. Mit amerikanischer Hilfe hoffen sie, ihre Sicherheitsprobleme zumindest teilweise in den Griff zu bekommen. Die Unterstützung aus Washington gilt vielen Regierungen als Beleg für Handlungsfähigkeit.Ecuador: Das US-Militär nimmt an Bodenoperationen teilSoldaten aus Ecuador üben im Mai bei einem fingierten Aufstand den Ernstfall. Eine starke Armee soll dem Land mehr Sicherheit bringen.Staff Sgt. Nathan Mitchell / U.S. Marine CorpsSo fanden in Ecuador Ende März erstmals gemeinsame Manöver mit der nationalen Armee gegen Drogenkartelle statt. An der Grenze zu Kolumbien wurden mutmassliche Drogenlabors der kolumbianischen Farc-Guerilla bombardiert und eine Tonne Kokain sichergestellt. Es war das erste Mal seit Jahrzehnten, dass die USA wieder direkt an militärischen Bodenoperationen in Südamerika beteiligt waren.Die Familie des konservativen Präsidenten Daniel Noboa ist ein langjähriger Geschäftspartner Trumps. Noboa, Sohn der reichsten Unternehmerfamilie des Landes, ist heute einer der engsten Verbündeten Trumps in Südamerika. In Ecuador werden immer mehr Regionen durch die organisierte Kriminalität kontrolliert, der Staat verliert an Einfluss. Die Mordrate hat sich innerhalb weniger Jahre vervielfacht und ist inzwischen die höchste in Lateinamerika.Dennoch lehnen viele in Ecuador Noboas Zusammenarbeit mit dem US-Militär ab. Vorläufig gescheitert ist sein Vorhaben, den USA die Rückkehr auf ihre frühere Militärbasis Manta an der Pazifikküste zu ermöglichen. Die USA hatten Manta 2009 unter der linken Regierung Rafael Correas räumen müssen. Die Basis in Ecuador wäre zentral für die Überwachung des Drogenschmuggels über den Pazifik in Richtung Nordamerika. Doch bei einer Volksabstimmung Ende vergangenen Jahres lehnten rund 60 Prozent der Ecuadorianer eine erneute dauerhafte Militärpräsenz der USA im Land ab.Peru: Chinas Machtanspruch eindämmenAmerikanische, peruanische und chilenische Soldaten absolvieren im Mai eine gemeinsame Übung in Peru.Staff Sgt. Zoe Morris / WVARNGAuch die gerade angetretenen konservativen Präsidenten in Bolivien und Peru haben die Zusammenarbeit mit dem US-Militär wieder intensiviert. So hat Perus Parlament für das gesamte Jahr 2026 US-Truppen den Aufenthalt im Land erlaubt. Das Thema der mangelnden öffentlichen Sicherheit dominiert derzeit den Präsidentschaftswahlkampf in Peru. Donald Trump soll den amerikanischen Kongress aufgefordert haben, Peru als «wichtigen Nicht-Nato-Verbündeten» einzustufen.Bislang haben in Lateinamerika nur Brasilien, Argentinien und Kolumbien diesen Status als bilaterale Verbündete Washingtons. Doch Trumps Interesse an einer engeren Anbindung des Andenstaates lässt sich geopolitisch erklären: Im rohstoffreichen Peru hat China seine Präsenz in Wirtschaft und Politik stärker ausgebaut als in jedem anderen Land Lateinamerikas. Der von chinesischen Investoren gebaute Hafen Chancay soll zum wichtigsten Umschlagplatz für den Warenhandel zwischen China und Lateinamerika werden.Die wachsende Sorge über Chinas Einfluss in Lateinamerika betrachten die USA inzwischen ausdrücklich auch als sicherheitspolitische Herausforderung: Die Hemisphäre soll «frei von feindlichem Einfluss» bleiben – womit vor allem China gemeint ist. General Francis Donovan bezeichnete China als Ziel der militärischen Aufklärung der USA in Lateinamerika. 23 von China betriebene Häfen sowie 12 Satellitenstationen würden derzeit militärisch überwacht. Sie seien potenziell auch für Chinas Streitkräfte nutzbar, sagte Donovan im Kongress.Kuba und Brasilien: Druck gegen linke RegierungenSoldaten der kubanischen Armee demonstrieren vor der amerikanischen Botschaft in Havanna im Mai. Die vergangenen Monate haben die USA den Druck auf Kuba enorm erhöht.Ramon Espinosa / APIn den letzten Tagen hat Trump den militärischen Druck auf das Regime in Havanna erhöht. In der Karibik zieht das Südkommando erneut eine Flotte zusammen. Dort sind der Flugzeugträger «Nimitz» sowie andere Zerstörer eingetroffen. Die Lage erinnert an den Jahreswechsel, als amerikanische Spezialkräfte Venezuelas Machthaber Maduro festnahmen. In der Karibik sind jetzt wieder so viele militärische Kräfte versammelt wie vor dem Iran-Krieg. Es ist nicht abzusehen, ob die US-Militärs eine ähnliche Operation wie in Venezuela planen.Gleichzeitig erhöht die US-Regierung den Druck gegenüber den Linksregierungen in Lateinamerika, die eher zurückhaltend auf Washingtons Angebote zur militärischen Zusammenarbeit reagieren. Das gilt besonders für Brasilien und Kolumbien.So hat die US-Regierung gerade angekündigt, Brasiliens mächtigste Verbrecherorganisationen, das Primeiro Comando da Capital (PCC) und das Comando Vermelho (CV), offiziell als ausländische Terrororganisationen einzustufen. Damit könnten die USA schärfere Finanzsanktionen verhängen, Vermögenswerte einfrieren und die internationale Strafverfolgung gegen beide Gruppen ausweiten. «Die Einstufung könnte grössere Folgen für brasilianische Banken und Unternehmen haben als für die Kartelle selbst», sagt der Sicherheitsexperte Robert Muggah.Kolumbien: Die doppelbödige Strategie wird offensichtlichVor Monaten haben bewaffnete Truppen die Häuser vieler Menschen in der kolumbianischen Region Cauca zerstört.Santiago Saldarriaga / APIn Kolumbien ist der Ausfall der militärischen Hilfe der USA ein Thema im gerade stattfindenden Wahlkampf geworden. Im vergangenen Jahr entzog Washington Kolumbien unter dem Linkspräsidenten Gustavo Petro die Zertifizierung als Partner im Kampf gegen den Drogenhandel. Trump warf der Regierung mehrfach vor, dass ihre Strategie gegen die Drogen wirkungslos sei.Die USA haben seit den 2000ern die kolumbianische Armee und Polizei mit Milliarden Dollar unterstützt, um deren Kampf gegen die Drogenkartelle zu fördern. Kolumbien intensivierte den Kampf gegen die Kartelle, doch der Kokaanbau ging weiter. In keinem Land der Welt wird heute mehr Kokain hergestellt als in Kolumbien, allein seit 2022 hat sich die Kokainproduktion fast verdoppelt.Paradoxerweise setzt Trump in Südamerika damit auf genau jene Militarisierung der Drogenbekämpfung, die er im Fall Kolumbiens selbst als gescheitert bezeichnet hat.Der Kampf gegen den Narkoterrorismus scheint damit nicht nur ein sicherheitspolitisches Ziel zu verfolgen. Er liefert Washington die Legitimation, seinen Einfluss in Lateinamerika auszubauen – politisch, wirtschaftlich und militärisch. Gleichzeitig bietet er Trump ein wirksames Narrativ, um die stärkere Präsenz der USA in der Region gegenüber seinen Wählern zu rechtfertigen. Bis jetzt geht die Strategie auf.Passend zum Artikel
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