Mette zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten! Frederiksen wird Dänemark weiterregieren – diesmal mit den Linken. Kann das gut kommen?Mette Frederiksen ist unbeliebt – und unbesiegbar. Das neue Regierungsprogramm dürfte vielen im Land gefallen. Aber es gibt ein grosses Problem.02.06.2026, 17.45 Uhr4 LeseminutenSeit dem Zweiten Weltkrieg war in Dänemark niemand so lange an der Macht wie Mette Frederiksen, die nun ihre dritte Amtszeit antritt.Leonhard Foeger / Reuters69 Tage und 59 Minuten hat es gedauert. Dann war klar: Mette Frederiksen wird Dänemark weiterregieren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Es waren die längsten Koalitionsverhandlungen in der Geschichte des Landes. Bei den Wahlen Ende März hatten der linke rote und der rechte blaue Block fast gleich viele Sitze geholt. Frederiksens Sozialdemokraten erzielten das schlechteste Resultat seit der Parteigründung, blieben jedoch die stärkste Kraft im Parlament. Auch die Liberalen und Moderaten, die das Land in einer blockübergreifenden Koalition mitregiert hatten, büssten Sitze ein.Nur eines war nach der Wahl klar: Das Volk wollte eine Veränderung.Nun übernimmt in Dänemark eine Mitte-links-Regierung die Macht. Sie besteht aus den Sozialdemokraten, der Sozialistischen Volkspartei, den Linksliberalen (Radikale Venstre) und den wirtschaftsnahen Moderaten. Weil die Regierungsparteien nur auf 82 von 179 Sitzen im Parlament kommen, sind sie auf die Unterstützung der rot-grünen Einheitsliste und der Alternativen angewiesen. Oder stehen in deren politischer Geiselhaft, wie Kritiker sagen.Kann das gut kommen?Mette, die Unbesiegbare – und UnbeliebteAls Mette Frederiksen 2019 erstmals das Amt der Ministerpräsidentin übernahm, war sie die jüngste Regierungschefin in der Geschichte Dänemarks. Jetzt tritt sie ihre dritte Amtszeit an. Keiner ihrer Vorgänger hat Dänemark seit dem Zweiten Weltkrieg länger regiert – und keiner hat das Bild des Landes nach aussen stärker geprägt.Frederiksen hat das kleine Dänemark zum Massstab gemacht – in der Migrationspolitik, die die strengste in Europa ist, und bei der Unterstützung der Ukraine, wo kein anderes Land gemessen am Bruttoinlandprodukt mehr leistet. In der Grönland-Krise etablierte sich Frederiksen als Gegenspielerin von Donald Trump. Mit vorgezogenen Wahlen hoffte sie, vom aussenpolitischen Aufwind profitieren zu können. Es kam anders.An der Urne interessierte das Volk weder Grönland noch die Nato oder der Zustand der Armee. Stattdessen ging es um Steuern, Schweine und Schulen.Frederiksen hat in der Bevölkerung deutlich an Beliebtheit verloren, und das hatte vor allem mit ihrer bisherigen Innenpolitik zu tun. Dass sie trotzdem weiterhin an der Macht bleibt, liegt vor allem daran, dass es an Alternativen fehlt – sowohl innerhalb ihrer Partei als auch ausserhalb. Eine rechte Koalition scheiterte an den ideologischen Differenzen der wirtschaftsnahen Moderaten und der rechtspopulistischen dänischen Volkspartei.Stattdessen hat sich Lars Lökke Rasmussen, der Parteichef der Moderaten, dem roten Block angeschlossen. Ob die ideologischen Differenzen dort kleiner sind, ist fraglich.Lars Lökke Rasmussen genoss seine Rolle als Königsmacher sichtlich.Emil Nicolai Helms / Scanpix / ReutersSchweine, Steuern – und etwas PopulismusIm Wahlkampf hatte Rasmussen mit Steuersenkungen geworben, Frederiksen dagegen mit der Einführung einer Vermögenssteuer. Die Linksliberalen und die Sozialistische Volkspartei hatten radikale Forderungen zur Schweinehaltung gestellt, namentlich die Halbierung der Produktion und doppelt so viel Platz für die Tiere. Die Moderaten dagegen wollen es sich nicht mit den Landwirtschaftsverbänden verscherzen.Frederiksen pries das Regierungsprogramm am Dienstag als «gut für die Menschen in Dänemark, die kommenden Generationen – und auch für die Tiere» an. Werden dürfte das Ganze vor allem eins: sehr teuer.Der Grosse Gebetstag, ein Feiertag, der abgeschafft wurde, um Geld zu sparen, wird wieder eingeführt. Der Steuersatz für hohe Einkommen wird gedeckelt, jener für Körperschaften gesenkt. Zahnbehandlungen werden für alle Dänen kostenlos, ebenso der öffentliche Nahverkehr für Kinder und Jugendliche bis 22 Jahren. Die ärmsten Rentner und psychisch kranke junge Menschen bekommen zusätzlich 1000 dänische Kronen (rund 120 Franken) im Monat. Auf Obst und Gemüse wird keine Mehrwertsteuer mehr erhoben. Öffentliche Wohnbaugesellschaften erhalten ein Vorkaufsrecht auf private Mietwohnungen. An den Schulen soll mehr gespielt werden.Und: Die neue Regierung will eine «umfassende» Umgestaltung der dänischen Schweineproduktion. Eine eigene «Schweine-Task-Force» soll dafür sorgen, dass die Massenproduktion gestoppt wird.Es scheint so, als hätten alle Parteien damit das bekommen, was sie wollten. Nur: Wo soll das Geld dafür herkommen?«Es ist völlig richtig, dass es Geld kostet, wenn man den ärmsten Rentnerinnen und Rentnern 1000 Kronen im Monat geben und sauberes Trinkwasser sichern will», antwortete Mette Frederiksen etwas pikiert auf die Frage eines Journalisten an der Medienkonferenz am Dienstag. Die Finanzierung werde jeweils mit den konkreten Vorschlägen unterbreitet.Das Regierungsprogramm lobte sie als innovativ. Zumindest in einem Bereich bleibt Frederiksen ihrem gewohnten Kurs aber treu. Auch die linke Regierung verspricht mehr Ausschaffungen von kriminellen Ausländern und will Ausschaffungszentren ausserhalb der EU vorantreiben. In der Migrationspolitik ist die dänische Linke weiterhin auf rechtem Kurs.Martin Lidegaard (Linksliberale), Pia Olsen Dyhr (Sozialistische Volkspartei), Mette Frederiksen (Sozialdemokraten) und Lars Lökke Rasmussen (Moderate) wollen Dänemark künftig gemeinsam regieren.Mads Claus Rasmussen / EPA