Als erste von allen beteiligten Parteien verkündete die sozialistische „Einheitsliste“ ihre Erfolge bei den Verhandlungen, und die dürften teuer werden. „Wir werden Zahnarztbesuche für alle Dänen kostenlos machen“, sagte Pelle Dragsted am Dienstagmorgen über das neue Regierungsprogramm. „Wir haben hart verhandelt und halten nun alle Versprechen, die wir den Wählern gegeben haben.“ Zunächst sollten Sozialhilfeempfänger kostenlose Behandlungen bekommen, dann Rentner, dann irgendwann alle. Hinzu kommen sollten kostenloser Nahverkehr für Jugendliche und eine Senkung der Mehrwertsteuer. Wo all das Geld herkommen soll, sagte er nicht.Mit derlei Politik dürfte die „Einheitsliste“ für Reibungen im künftigen Bündnis sorgen. Anführen will die Regierung wieder Mette Frederiksen. Zum dritten Mal ist sie damit Regierungschefin. Vergleiche mit ihren beiden sehr großen Vorgängern wurden am Dienstag gezogen, die das Land auch dreimal angeführt hatten.Nach der Parlamentswahl im März hatte es dieses Mal lange so ausgesehen, als könnte Frederiksen bei der Regierungsbildung scheitern. Erst im zweiten Anlauf und nach nicht enden wollenden Regierungsverhandlungen gelang ihr die Bildung der Regierung. Nun steht ein Mitte-links-Bündnis aus ihren Sozialdemokraten, der Sozialistischen Volkspartei, der linksliberalen Radikalen Venstre und der zentristischen Moderaten. Das Bündnis hat im Parlament nur 82 Mandate, notwendig für eine Mehrheit sind mindestens 90. Im Parlament wollen die „Einheitsliste“ sowie die linksgrüne „Alternative“ die Minderheitsregierung stützen.Ein Bündnis, „gut für die Menschen und die Tiere“Die Einigung auf das Bündnis gab Frederiksen am Montagabend in Odense auf dem königlichen Schiff Dannebrog bekannt, schließlich ist König Frederik X. damit derzeit auf Sommertour. Dort kündigte Frederiksen ein Regierungsprogramm an, das „gut ist für die Menschen in Dänemark, für die kommenden Generationen – und auch für die Tiere“. Gemutmaßt wurde danach, dass es Vorhaben im Bereich der wirtschaftlich sehr wichtigen Schweinezucht geben dürfte. Offiziell vorgestellt werden soll das neue Regierungsprogramm am Dienstagnachmittag; am Mittwoch wird das künftige Kabinett präsentiert.„Leicht wird die Arbeit in dem Bündnis nicht werden“, sagt dazu Rune Stubager, Politikwissenschaftler an der Universität Aarhus. Wohl auch deswegen habe die Regierungsbildung dieses Mal so lange gedauert wie noch nie zuvor. Spannungen erwartet er vor allem bei ökonomischen Fragen zwischen den linken Parteien des Bündnisses wie der Sozialistischen Volkspartei und den Moderaten des bisherigen Außenministers Lars Løkke Rasmussen. Diesen und die Vorsitzende der Sozialistischen Volkspartei, Pia Olsen Dyhr, trennen politisch Welten.Noch größer ist der politische Unterschied aus Sicht von Stubager zwischen den Moderaten und den beiden Links-außen-Parteien, die die Minderheitsregierung im Parlament stützen. „Das war eindeutig nicht die Regierung, die die Moderaten wollten.“ Diese hätten eine Fortsetzung des Mitte-Bündnisses mit Sozialdemokraten und bürgerlicher Venstre präferiert – seien mit dem Wunsch aber wohl die Einzigen gewesen.Rasmussen hatte nach der Wahl zunächst ausgeschlossen, ein Bündnis zu bilden, das auf die Unterstützung der „Einheitsliste“ baut. Dass er dies nun doch tut, sieht der emeritierte Politikprofessor Jørgen Elklit als Zeichen dafür, dass sich die beiden sehr ungleichen Parteien zusammengerauft und die Parteiführer Vertrauen aufgebaut haben. „Aber ich erwarte nicht, dass es leicht wird. Das wird sicherlich keine fröhliche Koalition“, so Elklit.Frederiksen: Regierungsbildung sei „Pflichtübung“Frederiksen sagte am Montag, dass es bei den Verhandlungen wirklich vieles gegeben habe, das schwierig gewesen sei, nun müsse es gelingen. „Wir leben im besten Land der Welt, und wir haben eine der besten Demokratien der Welt“, so Frederiksen. Eine Regierungsbildung sei „Pflichtübung“, Neuwahlen seien zu vermeiden gewesen.Angeführt von der als „Falkin“ geltenden Frederiksen war ihre bisherige Regierung außenpolitisch sehr bestimmt den Forderungen des amerikanischen Präsidenten in Bezug auf Grönland entgegengetreten. Daran dürfte sich aus Sicht politischer Beobachter nichts ändern. Der Kurs fand im Land breite Unterstützung, zudem scheint er zumindest bisher erfolgreich gewesen zu sein.Spekuliert wird in Kopenhagen nun aber darüber, ob Frederiksen dieses Mal die Legislaturperiode bis zum Ende bringen wird. Oder ob sie nicht davor auf einen internationalen Topposten wechseln könnte. Schließlich wirkte sie aus Sicht von Beobachtern zuletzt erschöpft von der hohen Taktung der Krisen und den zum Teil auch persönlichen Angriffen gegen sie. Allerdings wurden derlei Führungspositionen etwa in NATO und EU erst kürzlich neu besetzt.