Der Spätkauf – im Berliner Volksmund liebevoll „Späti“ genannt – ist aus dem Berliner Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Er ist Kiez-Treffpunkt, Nahversorger, Bäckerei, Drogerie und Lottostelle in einem. Für viele Berliner gehört er zur alltäglichen Anlaufstelle. Doch seit fast einem Jahrzehnt ist ein Stück dieser Kultur verloren gegangen: die Sonntagsöffnung. Nun will der Berliner Späti e.V. das per Volksbegehren ändern.
Zehn Jahre nach dem Ende der Sonntagsöffnung
Dass Spätis an Sonn- und Feiertagen grundsätzlich geschlossen bleiben müssen, ist rechtlich gesehen keine neue Entwicklung. Bereits das Berliner Ladenöffnungsgesetz von 2006 schreibt vor, dass Einzelhandelsgeschäfte an Sonntagen dichtmachen müssen. Ausnahmen gelten lediglich für bestimmte Betriebe wie Tankstellen, Apotheken und Backgeschäfte. In der Praxis jedoch ignorierten die meisten Spätibetreiber diese Regelung über Jahre hinweg – und die zuständigen Ordnungsämter sahen großzügig darüber hinweg.
Das änderte sich mit einem Urteil des Berliner Verwaltungsgerichts vom 22. Mai 2019. Die Richter stellten unmissverständlich klar: Spätis dürfen sonntags grundsätzlich nicht öffnen. Seitdem kontrollieren die Behörden deutlich konsequenter, und viele Läden mussten ihre Sonntagsöffnung einstellen. Für die Berliner wurde das Verbot dadurch erst in den vergangenen Jahren wirklich spürbar.











