GoPro war die perfekte Kamera für die digitale Selbstdarstellung. Jetzt kämpft die Firma ums ÜberlebenDer Aufstieg und Fall des Action-Kamera-Anbieters zeigt: Einproduktfirmen leben gefährlich.02.06.2026, 16.21 Uhr3 LeseminutenDer charakteristische Pickelhauben-Look von GoPro-Nutzern.Bei der Firma GoPro überschlagen sich gerade die Ereignisse. Der Action-Kamera-Anbieter hat seine Aktionäre am Montag darüber informiert, dass er ums Überleben kämpft. Es machte der Börsenaufsicht SEC eine so genannte Going-Concern-Meldung.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.In diesem Dokument warnt GoPro ausdrücklich vor einer möglichen Insolvenz. Man werde voraussichtlich die Kreditauflagen der Banken verletzen. Diese können somit ihre Kredite zurückverlangen. Die Ausstände übersteigen die Barreserven von GoPro deutlich. Dem Unternehmen geht es schon seit längerem schlecht. Die stark gestiegenen Preise für Speicher-Chips, die in den Kameras verbaut werden, schnüren ihm nun aber die Luft ab.Notverkauf möglichGoPro hat die Investmentbank Houlihan Lokey engagiert, um einen möglichen Verkauf der Firma zu orchestrieren. Es gebe «unaufgeforderte Anfragen» aus verschiedenen Branchen.Eine Übernahme als letzter Ausweg? Das ist bitter für eine Firma, bei der alles so viel versprechend begann. GoPro bewies in den Nullerjahren einen Riecher für den Zeitgeist. Die Firma hatte das perfekte Produkt für das wachsende Bedürfnis nach digitaler Selbstdarstellung.Plötzlich ging es nicht mehr bloss darum, Sport zu treiben. Genau so wichtig war, der ganzen Welt zu zeigen, wie es sich anfühlt, die perfekte Welle zu reiten oder von der gefährlich hohen Klippe zu springen. Der Slogan «Be a Hero» - sei ein Held - machte den Kunden zum Hauptdarsteller seines eigenen Actionfilms. GoPro brachte seine erste Digitalkamera 2006 heraus, ein Jahr nachdem Youtube gegründet wurde.Während etablierte Kamera-Hersteller wie Sony oder Panasonic in ihrer Werbung mit Megapixeln und Zoom-Faktoren argumentierten, verkaufte GoPro seinen Kunden ein Lebensgefühl: Adrenalin, Freiheit und Abenteuer.Die Firma hat schnell verstanden, dass in einem Social-Media-Zeitalter das Teilen eines Erlebnisses genauso wichtig ist wie das Erlebnis selbst. Gleichzeitig bedeutete jedes spektakuläre Video eines Fallschirmsprungs oder eines Moutainbike-Rennens Gratiswerbung für die GoPro-Kamera.Viele Jahre war die Firma konkurrenzlos. her mit Red Bull verglichen als mit anderen Kamera-Herstellern. Auch der Anbieter von aufputschendem Zuckerwasser vermarktet ja primär Extremsport-Events und Emotionen. Die Red-Bull-Dosen verkaufen sich dann wie von selbst.Allerdings sind die Margen bei Elektronikprodukten viel tiefer als bei Getränken. Und ist eine Red-Bull-Dose nach ein paar Schlucken leer, zeigte sich bei GroPro-Kameras ein gegenteiliges Problem: Die Langlebigkeit der Produkte.Hochmut und FallZudem begannen Smartphone-Kameras rasante Fortschritte zu machen. Vor allem handelte sich GoPro ohne Not die Feindschaft des chinesischen Drohnenherstellers DJI ein. Eigentlich wollten die beiden Firmen kooperieren. 2013 trafen sich die beiden Chefs - Nick Woodman von GoPro und Frank Wang von DJI - sogar, um gemeinsam eine Drohne zu entwickeln.GoPro trat offenbar sehr arrogant auf, so zumindest schilderte es danach DJI. Woodman wollte demnach zwei Drittel der Gewinne, und DJI sollte im Grunde nur der namenlose Zulieferer sein.Wang liess daraufhin den Deal platzen und begann, eigene Kameras in DJI-Drohnen zu integrieren. GoPro reagierte panisch und stürzte sich in ein Abenteuer, das der Firma schon damals fast das Genick brach: Sie begann, eigene Drohnen zu bauen.Als die GoPro-Drohne nach langer Verzögerung 2016 endlich auf den Markt kam, stellte DJI ein paar Tage danach ein ungleich besseres Fluggerät vor, natürlich inklusive Kamera. Zu allem Überfluss hatte die GoPro-Drohne einen gravierenden Konstruktionsfehler: Woodman musste alle Produkte zurückrufen und stellte deren Entwicklung kurz darauf komplett ein.Doch der Rachefeldzug von DJI hatte erst begonnen. 2019 brachten die Chinesen dann eine Kamera ohne Drohne heraus: die DJI Osmo Action, eine direkte Kopie der klassischen GoPro-Handkamera.Ein Produkt genügt nichtDer Aufstieg und Niedergang von GoPro ist typisch für eine Einprodukt-Firma im Bereich Unterhaltungselektronik: Wenn das eine Vorzeigeprodukt floppt, von einem Tech-Giganten kopiert wird oder der technologische Trend sich dreht, gibt es kein zweites Standbein, das die Firma auffangen kann.Exemplarisch dafür steht die Pebble Smartwatch, der Pionier unter den intelligenten Uhren. Sie war ein Verkaufsrenner bis Apple seine Apple Watch auf den Markt brachte. Pebble ging das Geld aus und Teile der Firma wurde 2016 von Fitbit gekauft, die allerdings alleine auch nicht auf einen grünen Zweig kam. Sie wurde ihrerseits von Google geschluckt.Wenigstens die Marke Fitbit hat überlebt. Mit etwas Glück bleibt auch der Namen «GoPro» bestehen.Passend zum Artikel
GoPro und das Risiko der Einproduktfirma – ein beispielloser Fall
Der Aufstieg und Fall des Action-Kamera-Anbieters zeigt: Einproduktfirmen leben gefährlich.
GoPro warnt vor Insolvenz nach SEC-Filing: Schulden übersteigen Barreserven, explodierende Speicher-Chip-Kosten beschleunigen die Krise. Investmentbank orchestriert Verkauf. Paradigmatischer Fall einer Single-Product-Firma: Konkurrenz (DJI Osmo) kopierte das Flagship, ohne Produktdiversifikation bleibt kein Rettungsanker.










