Vor Wochen wurde Buckelwal „Timmy“ mithilfe eines Lastkahns und im Rahmen einer beispiellosen Rettungsaktion von deutschen in dänische Gewässer zum Eingang der Nordsee über Skagen transportiert. Schon damals wurde deutlich, dass die dänischen Behörden bei Walstrandungen weitaus pragmatischer reagieren, als etwa die Umweltministerien in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Während der in der Ostsee gestrandete Buckelwal in Deutschland von Baggern freigeschaufelt, mithilfe von Lärm und Schlauchboot-Barrieren zum Weiterschwimmen animiert und schließlich in einer Barge samt Schlepperverband transportiert wurde, verfolgt Dänemark eine andere Strategie. Demnach wird der Natur im nördlichen Nachbarland eher ihr freier Lauf gelassen, und es werden grundsätzlich keine Rettungsversuche unternommen – es sei denn, es besteht Interesse seitens Forschungseinrichtungen an einer Obduktion und Gewebeproben oder Skeletten.Nun zeigte eine Walstrandung am Atlantischen Ozean, dass die Franzosen ähnlich lösungsorientiert handeln wie die Dänen. Als am späten Freitagabend vor der Insel Île de Ré ein Finnwal auftauchte und strandete und bereits in der darauffolgenden Nacht dort verendete, ließen die örtlichen Behörden den Kadaver sofort abtransportieren. In einer Hauruckaktion wurde das 15 Tonnen schwere Tier mithilfe eines Krans noch am Samstagabend geborgen und auf einem Lkw-Anhänger weggefahren. Der 12 Tonnen schwere Kadaver des weiblichen Wals wurde am 30. Mai 2026 mit einem Kran auf einen Lastwagen gehievt. © dpa/ROMAIN PERROCHEAU Unter anderem berichteten die Nachrichtenagentur AFP sowie die französische Tageszeitung „Le Monde“ über den Vorfall. „Der Wal wurde am Freitagnachmittag in Küstennähe gesichtet und strandete dann noch vor Einbruch der Dunkelheit lebend, bevor er verendete“, sagte ein Experte der AFP. Er ergänzte, dass mitten in der Nacht keine Hilfe mehr möglich gewesen sei. Finnwal-Strandung „außergewöhnliches Ereignis“ Nun könnte man meinen, dass die Insel Île de Ré vielleicht des Öfteren mit Walstrandungen dieser Art konfrontiert sei und entsprechend routinierter vorgehe. Doch weit gefehlt. Der Koordinator des französischen Strandungsnetzwerks, Jean-Roch Meslin, betonte gegenüber „Le Monde“, dass dies ein „außergewöhnliches Ereignis“ darstelle. Nach Anspülungen von Finnwalen in den Jahren 1920 und 2017 sei dies demnach erst die dritte Strandung dieser Art auf der Île de Ré. Die AFP berichtete unter Berufung auf einen Sprecher der zuständigen Präfektur, dass das Tier nach seinem Abtransport noch obduziert werden soll, um die Ursache der Strandung zu ermitteln. Wo genau und wann die Nekropsie stattfinden soll, ist derzeit unklar. Im Gegensatz zur am Donnerstagnachmittag geplanten Obduktion von „Timmy“ am Anholter Strand dürfte das Interesse in der Bevölkerung und bei den Medien bei der Finnwal-Autopsie allerdings überschaubar sein. (mit AFP)
Kaum verendet, schon abtransportiert: Frankreich lässt Finnwal-Kadaver bereits nach einem Tag entfernen
Vor einer westfranzösischen Insel strandet und verendet ein Finnwal. Wenig später wird das Tier abtransportiert. Das Vorgehen unterscheidet sich deutlich von Deutschlands Umgang mit „Timmy“.










