PfadnavigationHomeWissenschaftVerhaltensforschungGeheimnis hinter masturbierenden Vögeln gelüftetStand: 13:36 UhrLesedauer: 3 MinutenVogelhaltern wird häufig geraten, ihre Tiere vom Masturbieren abzuhaltenQuelle: Getty Images/500px Plus/Luis M./500pxMännchen reiben sich an Stangen, Weibchen setzen sich auf Gegenstände: Dass Vögel wie Papageien oder Sittiche masturbieren ist bekannt, galt aber eher als Reaktion auf Gefangenschaft. Nun haben Forscher Haustiere mit wilden Artgenossen verglichen.Vogelhaltern wird häufig geraten, ihre Tiere vom Masturbieren abzuhalten. Manchmal sogar, dieses Verhalten zu bestrafen. Nun hat eine Untersuchung zu Praktiken der Selbstbefriedigung bei Papageien und anderen Vögeln einen neuen Höhepunkt erreicht – mit Ergebnissen, die Tierärzte und Forscher überraschen. Eine im Fachjournal „Ecology and Evolution“ veröffentlichte Studie ergab, dass die Aktivität in freier Wildbahn noch häufiger vorkommt als in Gefangenschaft. Die Forscher schlossen daraus, dass es sich um ein natürliches Verhalten handeln müsse.Die Wissenschaftler riefen Tierärzte auf, verstörte Vogelhalter endlich zu beruhigen. Der sexuelle Vorgang selbst sei laut Wissenschaftlern harmlos. Mehr noch: Versuche einzugreifen – von der Entfernung von Sitzstangen über Hormonbehandlungen bis zu chirurgischen Eingriffen – könnten weitaus schädlicher sein. Lesen Sie auch„Unser wichtigstes Ergebnis ist, dass Masturbation keine negative Reaktion auf die Haltung in Gefangenschaft ist“, sagte Chloe Heys, Evolutionsökologin an der University of Lancashire in Preston, gegenüber dem „Guardian“. „Dieses Verhalten ist bei Vögeln weit verbreitet, und wir haben festgestellt, dass es ein vollkommen natürliches und gesundes Verhalten ist, das zum Repertoire ihrer Sexualverhaltensweisen gehört.“Das Phänomen wird als „aviärer Onanismus“ bezeichnet; abgeleitet aus dem Lateinischen für avis = Vogel. Forscher neigen historisch dazu anzunehmen, Vögel masturbierten entweder gar nicht oder nur unter dem Stress der Gefangenschaft. Heys betonte jedoch, das Verhalten sei durchaus verbreitet und unverkennbar. „Ich hatte einen Nymphensittich als Haustier, der ständig masturbierte“, sagte sie. „Wenn man jemals gesehen hat, wie ein Vogel masturbiert, weiß man ganz genau, was dieser Vogel gerade tut.“Lesen Sie auchLaut der Studie ist Selbstbefriedigung unter Vögeln weitverbreitet – unter anderem bei Papageien, Enten, Truthähnen und Hühnern – und kommt in freier Wildbahn häufiger vor als in Gefangenschaft.Lesen Sie auchDas Team befragte dafür Vogelexperten sowie Online-Gemeinschaften von Vogelhaltern, Züchtern und Enthusiasten und kombinierte deren Berichte mit weiteren Veröffentlichungen aus der wissenschaftlichen Literatur. Insgesamt wurden Daten zu 120 Vogelarten gesammelt – sowohl in Gefangenschaft lebende als auch wild lebende Tiere. Die Arbeit bereichert somit eine wachsende Forschungsliteratur, die zeigt, dass nicht-reproduktive Sexualverhaltensweisen im gesamten Tierreich vorkommen.„Das ist blanker Wahnsinn“Typischerweise reiben sich männlichen Vögel „recht kräftig“ an ihrer Sitzstange, einem Spielzeug, einem Zweig oder der Hand, dem Fuß oder der Schulter ihres Halters, so Heys. Weibchen neigen dazu, ihren Schwanz anzuheben und sich auf geeignete Gegenstände zu setzen. Das Verhalten war bisweilen von Flügelschlagen und Lautäußerungen begleitet, die von den Tieren sonst nicht zu hören sind. „In wirklich extremen Fällen gaben Tierärzte den Vögeln Medikamente oder Hormontherapien, um dieses Verhalten zu unterbinden“, sagte Heys. „Es hat sogar Fälle gegeben, in denen Vögel operativ vollständig kastriert wurden – das ist blanker Wahnsinn.“ Die für die Studie eingereichten Berichte zeigten, dass manche Halter tierärztliche Hilfe suchten, als sie ihre Vögel beim Masturbieren erwischten. Sie hatten Angst, die Tiere könnten sich verletzen. Einige Tierärzte empfahlen daraufhin, das Verhalten zu unterbinden – durch die Entfernung von Sitzstangen und Spielzeug sowie durch den Verzicht auf das Streicheln bestimmter Körperstellen.
Verhalten: Warum Vögel in Käfighaltung masturbieren - WELT
Männchen reiben sich an Stangen, Weibchen setzen sich auf Gegenstände: Dass Vögel wie Papageien oder Sittiche masturbieren ist bekannt, galt aber eher als Reaktion auf Gefangenschaft. Nun haben Forscher Haustiere mit wilden Artgenossen verglichen.







