Claudia Jeschke kann es nicht begreifen. Ihr Mann ist vor wenigen Wochen an einer Hirnblutung gestorben. Er hinterließ eine Patientenverfügung. Darin hatte er festgehalten, im Falle seines Ablebens Organe spenden zu wollen. „Alle Punkte in der Verfügung wurden berücksichtigt, nur diese eine Sache ging nicht“, sagt die Witwe.Beide Nieren und die Leber hätten transplantiert werden können, urteilten die behandelnden Ärzte. Doch Claudia Jeschkes Mann erfüllte nicht alle Kriterien eines Hirntods. Der Katalog, der diese Kriterien enthält, umfasst an die 30 Seiten. Nur wenn sie alle gegeben sind, dürfen Organe entnommen werden.

Deutsches Herzzentrum der Charité entfacht Debatte

Deutschland ist in diesem Punkt eine Ausnahme. In den meisten europäischen Ländern sind auch nach einem Herz-Kreislauf-Tod Organspenden möglich. Das Kürzel dafür lautet DCD. Das Gehirn ist in solchen Fällen unumkehrbar geschädigt, noch nicht vollständig ausgefallen, ein selbstbestimmtes Leben aber nicht mehr möglich.Am 6. Juni ist der Tag der Organspende. Den nimmt das Deutsche Herzzentrum der Charité zum Anlass, auf die Bedeutung des Themas hinzuweisen. Hierzulande warteten im vergangenen Jahr etwa 2800 Menschen auf ein Spenderorgan. Gleichzeitig gab es jedoch nur 985 Menschen, die ihre Organe nach dem Tod zur Verfügung stellten. Das entsprach einer Quote von 11,8 Spendern pro eine Million Einwohner.In Europa rangiert Deutschland damit in der unteren Tabellenhälfte. Spitzenreiter ist Spanien mit knapp 54 Spendern auf eine Million, gefolgt von Italien (30,5) und Frankreich (28,6).Die Bundespolitik debattiert seit geraumer Zeit die sogenannte Widerspruchsregelung: Wer nicht ausdrücklich widerspricht, wird im Todesfall automatisch zu einem potenziellen Organspender. Bisher gilt die Zustimmungslösung. Das Deutsche Herzzentrum der Charité (DHZC) will die Diskussion jetzt erweitern: eben um den Herz-Kreislauf-Tod, nach dem eine Transplantation möglich sein soll. „Ziel ist es, sehr kranken Menschen zu helfen“, sagt der Ärztliche Direktor des DHZC, Volkmar Falk.