Im Auftrag von Jeffrey Epstein sollen mehrere vermeintliche Modelscouts in Europa Missbrauchsopfer gesucht haben. Das geht aus Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung (SZ) hervor. Durch die Auswertung der vom amerikanischen Justizministerium veröffentlichten Epstein-Akten und weiterer Dokumente konnte der Rechercheverbund eigenen Angaben zufolge 19 Europäerinnen namentlich identifizieren, die Epstein offenbar über diesen Weg getroffen haben. Zudem sei von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.
Die Masche funktionierte den Recherchen zufolge immer ähnlich: Die vermeintlichen Scouts sprachen in ganz Europa junge, attraktive Frauen gezielt an, und stellten ihnen eine Modelkarriere in Aussicht. Die Frauen sendeten anschließend Fotos von sich an die Scouts, die diese an Epstein weiterleiteten – häufig unter Angabe von Nationalität und Alter, so berichten es NDR, WDR und SZ. Hätten Epstein die Fotos gefallen, sei in der Regel ein Kennenlerngespräch über Skype oder an einem von Epsteins Wohnsitzen vereinbart worden. Dann habe der Missbrauch begonnen.
Jung, weiß, nicht tätowiert, keine Piercings Wie die SZ schreibt, seien manche Frauen später »aussortiert« worden, wenn sie Epstein nicht mehr genügten oder ihm zu alt wurden. Andere hingegen seien jahrelang in seiner Gunst verblieben, indem sie ihm ihrerseits weitere Frauen »lieferten«. Seine Kriterien seien gewesen: jung, weiß, nicht tätowiert, keine Piercings, dünn, möglichst jugendlicher Körperbau. Daran habe sich auch nichts geändert, nachdem Epstein 2008 in Florida wegen Anstiftung zur Prostitution zu einer Haftstrafe von 18 Monaten verurteilt worden war.






