Heuschnupfen: Was kann man dagegen tun, und welche Medikamente gibt es?Gegen Heuschnupfen gibt es wirksame Arzneimittel. In gewissen Fällen kann sich auch ein Heilungsversuch lohnen. Was Sie sonst noch über die häufigste Allergie wissen müssen.Alan Niederer02.06.2026, 08.25 Uhr3 LeseminutenSieht aus wie Staub: eine Pollenwolke in der Nähe von Châtel-Saint-Denis im Kanton Freiburg.Fabrice Coffrini / KeystoneInhaltsverzeichnisWelche Medikamente helfen gegen Heuschnupfen?Wann soll ich mit der Behandlung starten?Was tun, wenn die üblichen Medikamente zu wenig helfen?Kann man Heuschnupfen heilen?Wie erfolgreich ist die Desensibilisierung?Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Welche Medikamente helfen gegen Heuschnupfen?Für die Behandlung steht eine Vielzahl von Nasensprays, Augentropfen, Tabletten und Tropfen zur Verfügung. Zu den wichtigsten Wirkstoffgruppen gehören die sogenannten Antihistaminika, Kortison-Präparate, Leukotrien-Gegenspieler und Mastzellen-Stabilisatoren. Einige dieser Präparate sind verschreibungspflichtig. Antihistaminika blockieren die Wirkung des wichtigsten Allergietreibers Histamin. Kortison-Medikamente hemmen die Produktion von Entzündungsbotenstoffen in den Zellen. Leukotrien-Gegenspieler heben die Wirkung des Botenstoffs Leukotrien auf, während Mastzellen-Stabilisatoren dafür sorgen, dass die Mastzellen keine Botenstoffe mehr ausschütten können.Wann soll ich mit der Behandlung starten?Idealerweise schon ein paar Tage vor dem Pollenflug. In diesem Fall verschreibt der Berner Allergologe Arthur Helbling einen Nasenspray, der eine Kombination aus einem Kortison-Präparat und einem Antihistaminikum enthält. Damit könne eine gewisse Prophylaxe erreicht werden, sagt der Arzt. Nach seiner Erfahrung beginnen die meisten Patienten ihre Therapie aber erst mit den ersten Beschwerden. Dann sind die Botenstoffe wie Histamin bereits freigesetzt worden. In diesem Fall empfiehlt Helbling die neueren, wenig müde machenden Antihistaminika in Tablettenform.Was tun, wenn die üblichen Medikamente zu wenig helfen?Bei Patienten mit schlecht kontrollierbaren Symptomen setzt Helbling auch einmal ein Kortison-Präparat als Tablette ein – aber nur für vier bis fünf Tage, da sonst Nebenwirkungen wie brüchige Knochen drohen. Wegen der Gefahr von Nebenwirkungen empfiehlt er auch keine Kortison-Depotspritzen, wie das einige Ärzte immer noch machen. Bei schwierig therapierbaren Allergien – insbesondere bei schwerem Asthma – setzt Helbling auch Antikörper ein, mit denen selektiv die IgE-Antikörper oder bestimmte Entzündungsbotenstoffe blockiert werden können.Kann man Heuschnupfen heilen?Das ist tatsächlich möglich: mit der sogenannten Desensibilisierung, die auch allergenspezifische Immuntherapie heisst. Dabei werden dem Patienten die für ihn wichtigsten Luft-Allergene in steigender Dosierung verabreicht. Ziel ist es, den Körper langsam an die Allergene zu gewöhnen und so eine immunologische Toleranz aufzubauen.Die Therapie gibt es in zwei Varianten. Bei der klassischen Form werden die Allergene unter die Haut injiziert; je nach Präparat dauert die Behandlung drei bis fünf Jahre oder kürzer. Seit einigen Jahren können die Allergene auch als Tablette oder Tropfen eingenommen werden. Das kann der Patient in eigener Regie durchführen.Wie erfolgreich ist die Desensibilisierung?Laut Helbling lassen sich damit bei 8 von 10 Patienten die Beschwerden stark reduzieren bis vollständig zum Verschwinden bringen. Der Arzt erklärt, dass etwa die Hälfte der nachgewiesenen Wirksamkeit auf den Placeboeffekt zurückzuführen sei. Das zeigt, dass bei Heuschnupfen – wie bei allen chronischen Krankheiten – auch psychosoziale Faktoren eine Rolle spielen.Wer soll sich desensibilisieren lassen?Diese Behandlung empfiehlt Helbling vor allem Patienten, die zusätzlich zum Heuschnupfen noch allergisches Asthma haben. Auch langanhaltende und starke Beschwerden, die sich medikamentös nicht zufriedenstellend einstellen lassen, ein eher enges Allergen-Spektrum sowie ein jüngeres Alter sind für den Arzt gute Gründe, die Allergie ursächlich zu behandeln.Abends die Haare waschen: Das ist eine Möglichkeit, um die Pollenbelastung in der Nacht zu reduzieren.Annick Ramp / NZZDas Internet ist voller guter Ratschläge für Heuschnupfen-Geplagte – was nützt wirklich?«Ein Pollengitter vor dem Schlafzimmerfenster ist sicher sinnvoll», sagt Helbling. Aber diese seien oft sehr teuer, deshalb empfehle er sie nur zurückhaltend. Ähnlich sei es bei Luftfiltern für Räume oder das Auto, speziellen Staubsaugern und vielem mehr. Das meiste davon sei zwar nachweislich wirksam, aber die Anwendung im Alltag schwierig umzusetzen. Bei allen Tipps und Tricks geht es letztlich darum, mit möglichst wenig Pollen in Kontakt zu kommen. Seinen Patienten empfiehlt er, sich am Abend die Haare zu waschen. «Dann haben sie die Pollen nicht auf dem Kopfkissen.» Von einer Nasenspülung rät er ab. Denn in wässrigen Lösungen verbreiten sich die Allergene aus den Pollen besonders gut. Dadurch kann die Nasenspülung die allergischen Symptome noch verstärken.Dieser Artikel erschien erstmals am 18.06.2024 in der NZZ. Bei der vorliegenden Version handelt es sich um eine aktualisierte Fassung.Passend zum Artikel
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