Heuschnupfen: Was ist das, und wie wird die Krankheit diagnostiziert?Alles begann mit einem falschen Namen. Denn nicht Heu, sondern die Pollen von Pflanzen lösen den Heuschnupfen aus. Was Sie sonst noch über die häufigste Allergie wissen müssen.Alan Niederer01.06.2026, 15.53 Uhr3 LeseminutenPollenproduzierende Staubbeutel der Pflanze Echter Seidelbast (Daphne mezereum) in 100-facher Vergrösserung.Marek Mis / SPLInhaltsverzeichnisWoher kommt der Name Heuschnupfen?Was ist Heuschnupfen: ein Schnupfen oder eine Allergie?Wie entwickelt sich Heuschnupfen?Warum kommt es überhaupt zur Allergie?Wie wird Heuschnupfen diagnostiziert?Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Woher kommt der Name Heuschnupfen?Dahinter steckt die jahrhundertealte Beobachtung, dass einige Personen in der Nähe eines Heuhaufens niesen müssen. Lange Zeit dachte man, die Beschwerden kämen vom getrockneten Gras. Im Englischen wird von Heufieber («hay fever») gesprochen. «Früher bedeutete Fieber aber nicht einfach erhöhte Körpertemperatur», sagt der Arzt Arthur Helbling, der am Inselspital Bern die Poliklinik für Allergologie und klinische Immunologie leitet. Als Fieber sei ein allgemeines, unspezifisches Unwohlsein bezeichnet worden.Was ist Heuschnupfen: ein Schnupfen oder eine Allergie?Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wissen wir, dass die Krankheit nicht vom Heu, sondern von Pollen ausgelöst wird. Die Pollen können von Gräsern, Bäumen (zum Beispiel Hasel, Erle, Esche, Birke) und weiteren Pflanzen stammen (zum Beispiel Kräutern wie Beifuss). Bei Personen mit einer genetischen Veranlagung können einzelne Pollen eine allergische Reaktion auslösen. Diese äussert sich bei vielen wie ein «gewöhnlicher» Schnupfen. Dieser wird jedoch von einem Virus verursacht. Um den Heuschnupfen davon abzugrenzen, wird er auch als allergischer Schnupfen oder – allgemeiner – als Pollenallergie bezeichnet.Wie entwickelt sich Heuschnupfen?Typischerweise braucht es dazu ein paar Jahre. Die Krankheit ist deshalb bei Kindern unter zwei Jahren sehr unwahrscheinlich. Danach steigt die Häufigkeit bis ins junge Erwachsenenalter stetig an. Die verzögerte Krankheitsentstehung erklärt sich damit, dass der Organismus erst einmal auf ein Allergen sensibilisiert sein muss. Dieses Priming passiert bei genetisch vulnerablen Personen, wenn sie wiederholt einem Allergen ausgesetzt sind, das über die Atemwege eingeatmet wird. Mit der Zeit genügen immer kleinere Allergen-Mengen, um die allergische Entzündung auszulösen. Unspezifische Reizstoffe wie Zigarettenrauch, Feinstaub oder Parfums können die Situation zusätzlich verschlimmern.Warum kommt es überhaupt zur Allergie?Die immunologischen Mechanismen, die Pollenallergien zugrunde liegen, sind noch nicht im Detail verstanden. Man geht aber davon aus, dass bei Allergikern genetische und umweltbedingte Faktoren dazu führen, dass im Körper die Balance zwischen gewissen Immunzellen (verschiedenen Arten von T-Helferzellen) verschoben wird. Diese Dysbalance begünstigt die allergische Entwicklung.Wie wird Heuschnupfen diagnostiziert?Meist genügt dem Arzt oder der Ärztin die typische Krankengeschichte und eine kurze Untersuchung von Nase und Augen. Manchmal kann es aber sinnvoll sein, mit speziellen Blut- und Hauttests die spezifischen IgE-Antikörper gegen Allergene nachzuweisen. Diese Tests werden üblicherweise von Fachärzten für Allergologie und Immunologie durchgeführt und haben nichts mit den vielen schlecht evaluierten bis dubiosen Allergietests aus dem Internet zu tun.Wie wird die Allergie bewiesen?Beim Prick-Test werden standardisierte Allergen-Lösungen auf die Haut des Vorderarms aufgebracht. Reagiert die Haut mit einer Rötung und Quaddelbildung, ist die Sensibilisierung auf das entsprechende Allergen bewiesen. Dieses Wissen kann dem Patienten helfen, die für ihn wichtigsten Allergen-Quellen künftig zu meiden und seine Beschwerden besser zu kontrollieren.Allergietest auf der Haut: Die Reaktion auf verschiedene Allergene reicht von leichter Rötung bis zu deutlicher Schwellung.ImagoNimmt die Häufigkeit von Heuschnupfen zu?Bis um die Jahrtausendwende war das so. Inzwischen hat sich die Häufigkeit in Ländern wie der Schweiz bei 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung stabilisiert. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden weltweit etwa 10 bis 30 Prozent der Menschen an einer Pollenallergie. Die Häufigkeit in einem Land ist dabei auch von geografischen, klimatischen und Umweltfaktoren abhängig.Newsletter «Wohl & Sein»Vertiefen Sie Ihr Wissen über Ernährung, Gesundheit und Psychologie mit unserem Newsletter «Wohl & Sein», der jeden Donnerstag in Ihrem Posteingang landet.Jetzt kostenlos anmeldenFür Helbling ist es denkbar, dass die Allergiebelastung in Zukunft weiter zunehmen wird – auch in der Schweiz. So lasse etwa die Klimaerwärmung hierzulande die Gräser zwei bis drei Wochen früher blühen als noch vor einigen Jahren. Auch der hohe CO2-Gehalt in der Luft kann bei einigen Pflanzen zu mehr Pollen führen und somit eine lange Pollensaison begünstigen.Kommt Heuschnupfen nur in der Pollensaison vor?Strenggenommen ja. Somit ist die Krankheit eine saisonale Allergie. Einige Heuschnupfenpatienten haben aber mehr oder weniger das ganze Jahr über Symptome, wobei sich ihre Beschwerden in der Pollensaison meist verstärken. Bei diesen Personen muss ein Teil der allergieauslösenden Stoffe (Allergene) konstant vorhanden sein, etwa zu Hause oder am Arbeitsplatz. Dafür infrage kommen etwa Hausstaubmilben, Schimmelpilzsporen oder Tierhaare, auf die viele Heuschnupfenpatienten ebenfalls allergisch reagieren.Dieser Artikel erschien erstmals am 22.04.2024 in der NZZ. Bei der vorliegenden Version handelt es sich um eine aktualisierte Fassung.Passend zum Artikel