Eine Eisbar in Berlin-Mitte hat einen der bekanntesten ARD-Journalisten Deutschlands auf die Palme gebracht.Als die Tagesschau über die Wiedereröffnung der Mokka-Milch-Eisbar auf der Karl-Marx-Allee berichtete – jenes DDR-Kultlokals, das nach jahrelanger Pause als „mokka*milch“ neu gestartet war und am ersten Tag 800 Gäste anzog –, reagierte Rainald Becker mit öffentlicher Kritik. Der frühere ARD-Chefredakteur, 40 Jahre für ARD und SWR tätig, stellte auf LinkedIn die Frage, die offenbar viele dachten, aber nicht aussprachen: Was hat eine Ost-Berliner Eisbar im „Flaggschiff der deutschsprachigen Nachrichtensendungen“ zu suchen?
„Ist das relevant? Hat das Nachrichtenwert? Was soll das?“
Becker listete auf, was ihn an der aktuellen Themensetzung der 20-Uhr-Tagesschau stört: Beiträge über Lookmaxing, gedopte Sportler – und eben die Mokka-Milch-Eisbar. Sein Fazit war unmissverständlich: „Ist das relevant? Hat das Nachrichtenwert? Was soll das?“Die Antwort kam schnell – aber nicht in der Form, die Becker wohl erwartet hatte.
Leopolds Konter: Eine Wissenslücke über Ostdeutschland
Juliane Leopold, Chefredakteurin der Tagesschau, antwortete nicht mit einer inhaltlichen Verteidigung der Themenwahl. Stattdessen stellte sie fest, dass die Mokka-Milch-Eisbar nicht zu kennen „mindestens eine Wissenslücke über ostdeutsche Popkultur“ offenbare.Ein geschickter Zug: Aus einer Debatte über journalistische Standards wurde damit eine über gesamtdeutsche Identität. Becker ließ es nicht durchgehen: „Ihre Einlassung geht aber auf meine Kritik nicht ein.“ Womit er recht hatte.






