Wer unprivilegiert studiert, ist auf Bafög angewiesen. Nicht, um sich ein nettes Leben zu machen. Sondern, weil man sonst zerquetscht wird.

Liebe Frau Bär,

geht’s noch? Studierenden pauschal unterstellen, dass sie privilegiert sind? Deswegen die Bafög-Reform abblasen? Sagen, die sollten einfach ein bisschen jobben, die faulen Studis? Ihre Aussage ist realitätsfern. Drei von vier Studierenden jobben sowieso schon, unabhängig davon, ob sie BaföG erhalten oder nicht.

Kennen Sie überhaupt die Rahmenbedingungen von Bafög, Frau Bär? Ihre Aussagen lassen daran zweifeln. Sie sagen, es sein kein Drama, wenn Studis neben dem Lernen jobben. Dabei ist der Nebenjob für viele Studis eine Notwendigkeit, um sich die steigenden Lebenskosten sowie die Miete für ein WG-Zimmer überhaupt leisten zu können. Bricht dann der prekäre Nebenjob weg, schlittert der Student trotz Bafög, sofern er keine unterstützende Familie hat, in eine finanzielle Notlage.

Bafög-Empfänger erhalten eine Wohnungskostenpauschale: Selbst wenn diese, wie geplant, von 380 Euro im Monat auf 440 Euro im Monat angehoben würde, reicht das den meisten nicht – denn im Durchschnitt (!) legen Studierende in Deutschland 2026 512 Euro für ein WG-Zimmer hin – in einigen Städten sogar 700 bis 800 Euro.