PfadnavigationHomeSportFußballWMSieg gegen FinnlandAuf einmal hat Nagelsmann AlternativenStand: 13:03 UhrLesedauer: 5 MinutenMit einem klaren 4:0-Sieg gegen Finnland zeigt die deutsche Nationalmannschaft starke Form vor der WM. Nach dem vorletzten WM-Test gibt sich der beste Mann auf dem Platz selbstbewusst.Wenn es im Hinblick auf die deutsche WM-Elf noch einige Fragezeichen gibt – beim Sieg gegen Finnland deutete Julian Nagelsmann an, dass er bereit sein könnte, mutige Entscheidungen zu treffen.Kurz nach Mitternacht kehrte rund um das Mainzer Stadion wieder Ruhe ein. Die Fans waren größtenteils schon abgezogen, die Trucks mit den mobilen Fanshops rüsteten sich zur Abfahrt, an den Infoständen der Sponsoren wurde zusammengepackt. Zeitgleich verließ der Mann, über dessen Entscheidungen in den vergangenen Wochen so intensiv wie kontrovers diskutiert worden war, gemeinsam mit seiner Mannschaft den Ort des Geschehens.Julian Nagelsmann wirkte entspannt. Das war zuletzt nicht immer so gewesen. „Über weite Strecken bin ich zufrieden. Wir können Vertrauen in unsere Stärke haben, immer Tore zu machen“, sagte der Bundestrainer nach dem 4:0 (1:0)-Sieg über Finnland, dem letzten Länderspiel der DFB-Auswahl auf deutschen Boden vor der Weltmeisterschaft. Dies war eine unstrittige Erkenntnis in Bezug auf einen Test, der – auch das gehört zur Wahrheit – diese Bezeichnung nur zum Teil verdient hatte. Zu einseitig war die Partie gegen die schwachen Skandinavier verlaufen, um sie als Gradmesser heranzuführen, ob der viermalige Weltmeister tatsächlich schon in Turnierform ist. Das versuchte Nagelsmann auch gar nicht erst zu leugnen.„Die ersten 15 Minuten waren sehr gut, dann haben wir ein bisschen die Geduld verloren, weil die Jungs unbedingt was zeigen wollten“, erklärte der 38-Jährige. Kurz vor der Pause sei dann wieder besser geworden.Neuer und Havertz fehlten gegen Finnland nochNagelsmann hatte – bis auf wenige Ausnahmen – die Mannschaft beginnen lassen, die er auch für den WM-Start im Kopf hat. Natürlich: Manuel Neuer war wegen seiner Wadenprobleme nicht dabei. Auch Kai Havertz, der am Samstag noch mit Arsenal in Budapest das Champions League-Finale gegen Paris gespielt hatte, konnte nicht zum Einsatz kommen. Aber sonst? Die meisten der Starter von Mainz dürften auch in Houston auf dem Rasen stehen, wenn dort am 14. Juni das Auftaktspiel gegen Curacao ansteht. Nagelsmann hat in Mainz auf Experimente verzichtet. Dafür bleibt eh keine Zeit mehr.Was der Bundestrainer dagegen hat, sind gute Alternativen in verschiedenen Bereichen. Die wichtigste heißt, auch das wurde am Sonntag wieder bewiesen: Deniz Undav. In Abwesenheit von Havertz ergriff der Stuttgarter seine Chance. Der 29-Jährige ließ sich auch nicht davon verunsichern, dass der Abend für ihn eher suboptimal begann. Zwei Möglichkeiten vergab er, ehe mit einem Kopfball für die Führung sorgte. Dann legte Undav das 2:0 auf und schnürte mit dem 3:0 einen Doppelpack. Es sei „ein 10/10-Abend“ gewesen, befand er zufrieden. Nun wolle er mal schauen, ob er auch in Houston spielen werde. Die Hoffnung wollte ihm Nagelsmann nicht nehmen. „Wenn die zwei Tore machst und einen vorlegst, spielst du dich nicht aus der Mannschaft“, sagte der, als er auf Undav angesprochen wurde.Ein paar Minuten darauf, als es um Havertz ging, erklärte Nagelsmann dann jedoch: „Wir brauchen Kai.“ Er lobte er den Ex-Leverkusener in höchsten Tönen. Dessen Tor im Champions League-Finale sei „außergewöhnlich“ gewesen. Die Bedeutung von Havertz sei erkennbar gewesen: „Sein Fleiß in der Defensive, seine brutale Kopfballstärke. Kai ist ein richtig guter Typ und ein Topspieler.“ Das klang sehr klar danach, dass Havertz seine Wunschbesetzung für die Mittelstürmerposition ist und bleibt. Alles andere wäre auch eine große Überraschung.Lesen Sie auchDessen ist sich Undav bewusst. „Ich kann nur meinen Job erledigen und das habe heute gut gemacht“, erklärte er – und bemühte sich darum, seine Bereitschaft, dies auch bei der WM zu tun, zu betonen. Davon werde er sich auch nicht durch leichte muskuläre Probleme („es sind die unteren Arschbacken“) abbringen lassen. Die wolle er sich selbst wegtherapieren: „Wenig sitzen.“ Zur Not könne ja auch den Flug in die USA, der am Dienstag in Frankfurt starten wird, im Liegen verbringen. Und am kommenden Samstag, wenn in Chicago der finale Test gegen Co-Gastgeber USA ansteht, wird eh Havertz spielen. Das hatte Nagelsmann vorher bereits angekündigt.Karls berechtigte Hoffnungen auf einen Platz in der StartelfDie spannendsten Fragen, die es noch zu klären gilt, sind jedoch andere: Schafft es Neuer, rechtzeitig fit zu werden? Und sind die beiden Überraschungen, mit denen Nagelsmann in Mainz aufwartete, tatsächlich Fingerzeige?Lennart Karl stand erstmalig in der Anfangsformation und avancierte so mit 18 Jahren und 98 Tagen zum drittjüngsten Debütanten nach Youssoufa Moukoko und Uwe Seeler. Der Münchener machte seine Sache gut – weil er ziemlich unbekümmert an die Angelegenheit heranging. Was der Tempodribbler anschließend auf die ihm eigene Art zum Ausdruck kommentierte.„Einfach das eins gegen eins suchen, sich nicht scheißen, und einfach Vollgas geben in jeder Aktion. Ein bisschen, ich sage mal, die Leute verarschen“, sei seine Devise gewesen. Natürlich träume er von einem Platz in der WM-Startelf. „Ich hoffe natürlich schon, aber es gibt auch noch die Topspieler hier“, so Karl. Doch tatsächlich haben ihm seine natürlichen Konkurrenten – Leroy Sané und Jamie Leweling – gar nicht mehr so viel voraus wie noch vor ein, zwei Monaten. Und eine deutsche Offensivreihe mit Jamal Musiala, Flo Wirtz und Karl – sie hätte eine Signalwirkung, die sogar weit über die WM hinausgehen würde.Nagelsmann honoriert Form und EntwicklungNagelsmann hat, weil er Karl kurz vor der WM in Rampenlicht gehoben hat, deutlich gemacht, dass er Form und Entwicklung honoriert. Das war wichtig, um klarzumachen: Nicht alles ist bereits in Stein gemeißelt. Das wurde auch durch Nathaniel Brown deutlich. Der 22-jährige Frankfurter erhielt auf der linken Abwehrseite den Vorzug vor David Raum – und das nicht nur, weil der Leipziger derzeit leicht angeschlagen ist. Brown wusste offensiv zu überzeugen – mehr konnte er gegen die schwachen Finnen auch kaum tun.Lesen Sie auch„Wir wollen ein sehr gutes Turnier spielen, haben Zielsetzungen und wollen ganz weit kommen“, sagte Nagelsmann noch. Doch er wolle trotzdem nicht über die WM und seine Erwartungen insgesamt reden, geschweige denn über seine Träume. „Step by step“ möchte er die Aufgaben angehen. Alles andere bringe nichts. So ist der Bundestrainer halt. Deniz Undav geht da anders an die Sache ran. „Wenn wir das Ding gewinnen, wäre es ein Erfolg“, erklärte er. So langsam wird es ernst.