Lara Warner war einst eine der mächtigsten Managerinnen der Schweiz. Bald könnte die ehemalige CS-Bankerin erneut vor Gericht stehenDie frühere Risikomanagerin der Credit Suisse wurde wegen ihrer Rolle im Moçambique-Skandal angeklagt. Das Finanzdepartement hat Beschwerde gegen die Einstellung des Verfahrens eingelegt.31.05.2026, 19.29 Uhr4 LeseminutenLara Warner sitzt heute im Beirat eines Beratungsunternehmens.Mike Blake / ReutersDas Kapitel Credit Suisse ist für Lara Warner noch nicht abgeschlossen. Die ehemalige Risikochefin der CS wird sich wohl erneut vor Gericht verantworten müssen. Es geht um die Moçambique-Affäre der gescheiterten Grossbank.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Wie am Wochenende bekanntgeworden ist, hat das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) beim Bundesstrafgericht in Bellinzona Beschwerde gegen die Einstellung des Verfahrens gegen Lara Warner erhoben. Das EFD hat der NZZ einen entsprechenden Bericht der «Sonntags-Zeitung» bestätigt.Der Ursprung der Moçambique-Affäre liegt lange zurück. Banker der CS hatten ab 2013 dem Land dabei geholfen, Kredite im Umfang von rund zwei Milliarden Dollar zu organisieren. Das Land wollte damit eine Flotte für den Thunfischfang und den Bau von Werften sowie ein System zur Überwachung der Küsten finanzieren.Die Gelder kamen aber nie dort an, wo sie gebraucht wurden. Zudem verschwanden sie zu einem grossen Teil in korrupten Kanälen. Die Kreditvergabe der CS stürzte Moçambique in eine Wirtschaftskrise, von der sich das Land noch immer nicht erholt hat.Verdacht zu spät gemeldetLara Warner ist eine von mehreren Beschuldigten in dem Fall. Ihr werfen die Schweizer Behörden vor, dass sie als oberste Risikoverantwortliche der Credit Suisse eine verdächtige Zahlung zu spät der Geldwäschereimeldestelle (MROS) gemeldet habe. Das Finanzdepartement verhängte deswegen im März 2025 eine Busse von 100 000 Franken gegen Warner. Sie wehrte sich dagegen und verlangte eine gerichtliche Überprüfung der Strafe. Auf eine Anfrage der NZZ hat Lara Warner nicht reagiert.Konkret geht es um eine Zahlung von rund 7,8 Millionen Dollar vom März 2016 an ein CS-Konto. Vom selben Konto flossen nur wenige Tage später rund 7 Millionen Dollar in die Vereinigten Arabischen Emirate. Trotz dem Verdacht, dass die Gelder einen kriminellen Hintergrund haben könnten, meldete die CS die fragliche Geschäftsbeziehung den Behörden nicht. Erst drei Jahre später gelangte sie an die MROS. Damals lief jedoch schon längst ein Strafverfahren des US-Justizdepartements gegen die Credit Suisse zur Kreditvergabe an Moçambique.Die Amerikanerin Lara Warner gehörte innerhalb der Credit Suisse zum engsten Kreis rund um den früheren Chef der Bank, Tidjane Thiam, der von 2015 bis 2020 im Amt war. Dieser holte Warner 2015, die kurz nach der Jahrtausendwende als Aktienanalystin bei der CS eingestiegen war, in die Geschäftsleitung der Bank – erst als Compliance-Chefin, 2019 ernannte er sie zur Risikochefin.Thiam lobte damals ihre Erfahrung und ihre Erfolgsbilanz als Führungskraft der Bank. Lara Warner habe «völlig neue, branchenführende Compliance-Fähigkeiten aufgebaut», hiess es in einer Medienmitteilung. Sie habe eine hochmoderne Organisation geschaffen, um Bedrohungen auf der gesamten CS-Plattform zu erkennen, und gleichzeitig die Beziehungen der Bank zu den wichtigsten Aufsichtsbehörden gestärkt.Ihre Erfolgsbilanz als oberste Risikochefin der Credit Suisse stellte sich allerdings als mager heraus. Während ihrer Zeit in der Konzernleitung der CS ereigneten sich einige der grössten Skandale der Krisenbank: 2016 wurden die Moçambique-Kredite öffentlich, 2021 folgte dann ein Doppelknall mit dem Zusammenbruch der Finanzfirma von Lex Greensill und des Hedge-Fund Archegos. Allein durch ihre Geschäfte mit Archegos verlor die Credit Suisse rund 5,5 Milliarden Dollar. Diese Vorfälle erschütterten das Vertrauen in die Bank.Als problematisch galt auch das Doppelmandat, das Lara Warner innehatte: 2020 legte Thomas Gottstein, der Nachfolger von Tidjane Thiam an der Bankspitze, die Bereiche Compliance und Risikomanagement aus Spargründen zusammen. Warner wurde Chefin des gesamten Bereichs. Während die Compliance beaufsichtigt, ob die Bank die geltenden Gesetze einhält, kontrolliert das Risikomanagement, ob die Bank ihre Risiken im Griff hat.Die Zusammenlegung führte laut Kritikern zu einer Aufweichung der Kontrollen innerhalb der Bank. Normalerweise kontrollieren sich Risikomanagement und Compliance gegenseitig. Gleichzeitig verlor die Bank durch zahlreiche Umstrukturierungen erfahrene Banker, die sie durch Mitarbeiter mit relativ wenig Erfahrung ersetzte. Archegos und Greensill kosteten auch Lara Warner den Job. Im April 2021 verliess sie die Credit Suisse.Warner ist als Beraterin tätigZu ihrer Rolle bei der Credit Suisse hat sich Lara Warner seit damals kaum geäussert. Heute ist sie in den USA im Beirat von Starling Trust tätig. Das Beratungsunternehmen ist auf Regulierungsfragen für interne Risikokultur spezialisiert.Zum Fall Moçambique hält das Finanzdepartement in seiner Strafverfügung fest, dass Warner während der Ermittlungen in Bezug auf ihr Verhalten keine Reue und Einsicht zeige: «Sie verharmlost ihre Rolle und übernimmt keine Verantwortung für ihre Tat.» Stattdessen versuche sie, die strafrechtliche Verantwortlichkeit auf ihre ehemaligen Untergebenen abzuschieben, schreibt das Finanzdepartement weiter.Trotzdem hat das Bundesstrafgericht das Verfahren gegen Lara Warner nun eingestellt. Die Meldepflicht sei bereits verjährt, da die Gelder längst nicht mehr aufzuspüren seien. Das Gericht geht davon aus, dass die Schweizer Behörden die Vermögenswerte bereits kurz nach dem Transfer in die Vereinigten Arabischen Emirate nicht mehr aufspüren konnten. Zudem führten Rechtshilfeverfahren mit der Golfmonarchie kaum je zu einem Ergebnis. All dies spricht laut dem Gericht dafür, dass die Vermögenswerte nicht mehr aufgespürt und eingezogen werden können.Gegen die Einstellung des Verfahrens gegen Lara Warner hat das Finanzdepartement nun eine Beschwerde eingereicht. Von einer juristischen Aufarbeitung der Kreditvergabe an Moçambique ist in der Schweiz bislang noch kaum etwas hängen geblieben. Unlängst stellten die Behörden auch das Verfahren gegen die UBS als Rechtsnachfolgerin der CS ein.Dagegen hat die Bundesanwaltschaft laut einem Bericht des Finanzblogs «Tippinpoint» aber ebenfalls Beschwerde eingereicht. Wie es im Verfahren gegen die ehemalige Spitzenbankerin weitergeht, ist unklar. Er habe keine Informationen zur Beschwerde des EFD, schreibt der Anwalt von Lara Warner auf Anfrage.Passend zum Artikel
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