Israel weitet die Bodenoffensive in Südlibanon aus und besetzt die historische Burg BeaufortWährend die USA und Iran über eine Verlängerung der Waffenruhe verhandeln, vergrössert Israel seine militärische Pufferzone im Nachbarstaat Libanon.31.05.2026, 15.45 Uhr4 LeseminutenZu Besuch an der Front: Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu trifft am Wochenende israelische Truppen an der libanesischen Grenze.Imago / Israeli Prime Minister OfficeEs ist ein historisches Bild: Auf dem Turm der Beaufort-Festung weht erstmals seit vier Jahrzehnten wieder eine israelische Fahne. Am Wochenende haben Truppen des jüdischen Staates die mittelalterliche Burg in Südlibanon eingenommen. Die Armee veröffentlichte Bilder von Soldaten auf dem Höhenzug oberhalb der Stadt Nabatiyeh. Die Einnahme markiert die bislang tiefste Ausdehnung der israelischen Bodenoffensive seit Beginn der jüngsten Kämpfe mit dem Hizbullah im März.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Dem Vorstoss gingen schwere Gefechte voraus. Die israelische Armee meldete Kämpfe gegen Hizbullah-Stellungen in der Region sowie umfangreiche Luftangriffe auf militärische Infrastruktur. Gleichzeitig setzte die schiitische Miliz ihre Angriffe auf Israel fort. Raketen und Drohnen lösten am Wochenende wiederholt Alarm im Norden des Landes aus.Die Einnahme von Beaufort folgt auf die Entscheidung der israelischen Regierung, ihre Operationen in Libanon auszuweiten. Seit Beginn der Offensive hatte die Armee vor allem Gebiete südlich des Litani-Flusses unter ihre Kontrolle gebracht.Dort wollte Israel eine Sicherheitszone schaffen, um Angriffe auf die Grenzregion zu erschweren. Mit dem Vorstoss nach Beaufort operieren israelische Truppen nun deutlich weiter im Landesinneren.Geriet bereits vor 44 Jahren unter israelische Kontrolle: die Festung Beaufort im Süden Libanons.Israel Defense Forces / ImagoFür Israel ist der Geländegewinn zugleich eine Rückkehr an einen Ort, der tief im militärischen Gedächtnis des Landes verankert ist. Bereits im ersten Libanonkrieg von 1982 eroberten israelische Soldaten die Festung nach schweren Kämpfen. Erst im Jahr 2000 zog Israel seine Truppen aus dem Nachbarstaat zurück.Entsprechend historisch fiel die Reaktion des Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu aus. Die Eroberung stelle einen «dramatischen Kurswechsel» in der Sicherheitspolitik seines Landes dar, sagte er am Sonntag. Israel habe seine Ängste überwunden und die Initiative übernommen. Das Land handle inzwischen an allen Fronten – in Syrien, Gaza und in Libanon. Jenseits seiner Grenzen habe Israel Sicherheitszonen geschaffen, um die eigenen Grenzgemeinden zu schützen.Israel mit Tausenden Raketen attackiertDer gegenwärtige Krieg begann Anfang März. Auslöser waren Raketen- und Drohnenangriffe des Hizbullah auf Nordisrael, die kurz nach den amerikanisch-israelischen Angriffen auf Iran einsetzten. Die Miliz wollte damit ihrem Verbündeten in Teheran beistehen.Israel reagierte mit einer Luft- und Bodenoffensive gegen Stellungen des Hizbullah in Libanon. Nach israelischen Angaben wurde die Miliz dadurch aus weiten Teilen des Grenzgebiets verdrängt. Ihre Angriffe setzt die Terrororganisation jedoch fort – zunehmend aus Gebieten nördlich des Litani-Flusses.Die Kämpfe gingen auch nach der zwischen Iran und den USA vereinbarten Waffenruhe weiter. Während Washington und Teheran über die Bedingungen einer längerfristigen Verständigung verhandeln, setzt der Hizbullah seinen Beschuss Israels fort.Nach Angaben der israelischen Armee feuerte der Hizbullah seit Anfang März rund 2500 Raketen auf israelisches Gebiet sowie weitere 5500 Geschosse auf israelische Truppen in Südlibanon. Hinzu kamen etwa 300 Drohnenangriffe.Frankreich fordert Uno-SitzungJüngst hat sich die Lage sogar wieder zugespitzt. In den vergangenen Wochen intensivierte der Hizbullah seine Angriffe mit Drohnen, gegen die die israelische Armee bislang nur begrenzte Mittel gefunden hat. Am Wochenende wurde der 21-jährige Soldat Michael Tyukin getötet. Er ist der 25. israelische Soldat, der seit Beginn der Kämpfe im März ums Leben gekommen ist.Die anhaltenden Angriffe prägen den Alltag im Norden Israels. Nach neuen Raketen- und Drohnenangriffen ordnete das Heimatfrontkommando am Wochenende die Schliessung von Schulen in mehreren Gemeinden entlang der libanesischen Grenze an. Tausende Kinder mussten zu Hause bleiben. Zudem wurden zahlreiche Naturparks und Ausflugsziele in Galiläa und auf den Golanhöhen vorübergehend geschlossen.Die Ausweitung der israelischen Offensive stösst auch international auf Kritik. Frankreich beantragte am Sonntag eine Dringlichkeitssitzung des Uno-Sicherheitsrats. Zwar erkenne Frankreich das Recht Israels auf Selbstverteidigung an, erklärte der Aussenminister Jean-Noël Barrot. Die fortgesetzten Militäroperationen und das immer weitere Vordringen israelischer Truppen auf libanesisches Territorium seien jedoch nicht zu rechtfertigen.USA drohen mit neuen MilitärschlägenWährend Israel seine Stellungen in Libanon ausbaut, laufen parallel Verhandlungen, die über den Fortgang des gesamten Krieges entscheiden könnten. Washington und Teheran ringen um ein Memorandum of Understanding, das eine 60-tägige Verlängerung der Waffenruhe vorsieht – und langfristig ein Nuklearabkommen ermöglichen soll.Trump hat seine Zustimmung zum Entwurf vorerst verweigert und mehr Zugeständnisse verlangt. Im Mittelpunkt steht das iranische Urananreicherungsprogramm: Teheran soll eine Menge hochangereicherten Urans angehäuft haben, die für rund zehn Atomsprengköpfe ausreichen würde. Trump will präzise Angaben darüber, wann und wie Iran dieses Material herausgibt.Ein zweiter Streitpunkt ist die Strasse von Hormuz, die Iran nach Beginn der Angriffe vom 28. Februar faktisch gesperrt hatte, mit gravierenden Folgen für die globalen Energiemärkte. Auch die Formulierungen zur Wiedereröffnung der Meerenge im Vertragsentwurf sind Trump zu vage.Wie lange die Waffenruhe noch hält, ist offen. Trump liess keinen Zweifel daran, was er für den Fall eines Scheiterns plant: «Wir werden einen grossen Deal machen – oder wir kehren zurück und beenden es militärisch», sagte er am Sonntag. Der Verteidigungsminister Pete Hegseth bekräftigte in Singapur, die USA seien «mehr als in der Lage», die Angriffe auf Iran wieder aufzunehmen.Passend zum Artikel