PfadnavigationHomeWissenschaftVor 70 Millionen JahrenDer Hals verrät, wie dieser Dinosaurier seine Beute jagteStand: 12:56 UhrLesedauer: 4 MinutenKank australis war vermutlich etwa 2,5 bis drei Meter langQuelle: EurekAlert!'s/ScreenshotForscher haben im Süden Argentiniens eine neue Dinosaurierart entdeckt. Die Wirbel haben spezielle Strukturen, die Rückschlüsse auf die Lebensweise erlauben.In Südpatagonien haben Paläontologen eine bislang unbekannte Dinosaurierart entdeckt, die vor rund 70 Millionen Jahren lebte und offenbar eine ungewöhnliche ökologische Nische besetzte. Kank australis, so der wissenschaftliche Name, gehörte zu den Unenlagiiden — einer Gruppe räuberischer Dinosaurier, die mit Vögeln nahe verwandt war. Anders als das gängige Bild schneller, landjagender Räuber vermuten lässt, könnte Kank australis ein geschickter Fischer gewesen sein, der sich ähnlich verhielt wie heutige Reiher.Beschrieben wurde die neue Art von einem Forschungsteam um Matías Motta vom Museo Argentino de Ciencias Naturales in Buenos Aires. Grundlage der Studie sind fossile Überreste, darunter Zähne, Wirbel und Zehenknochen, die auf der Farm La Anita nahe der Stadt El Calafate in der argentinischen Provinz Santa Cruz gefunden wurden. Die Fundstelle liegt in der Chorrillo-Formation, einer fossilreichen Sedimentschicht aus der späten Kreidezeit.Lesen Sie auchDie ersten Knochen von Kank australis wurden bereits 2018 entdeckt. Zunächst waren sie jedoch zu fragmentarisch, um daraus eine neue Art ableiten zu können. Erst weitere Expeditionen brachten zusätzliches Material zutage. Entscheidend war schließlich der Fund eines Halswirbels im Jahr 2024. Dieser wies besondere Merkmale auf, die den Forschern zufolge eine Zuordnung zu den Unenlagiiden erlaubten und zugleich auf eine bislang unbekannte Art hindeuteten.Kank australis war vermutlich etwa 2,5 bis drei Meter lang. Diese Schätzung basiert auf Vergleichen mit Neuquenraptor argentinus, einem verwandten Unenlagiiden aus Nordpatagonien, der rund 90 Millionen Jahre alt ist. Lesen Sie auchWie andere Vertreter seiner Familie besaß auch Kank eine vergrößerte, sichelförmige Kralle an der zweiten Zehe – ein Merkmal, das an bekannte Raubsaurier wie Velociraptor erinnert. Zugleich unterschied sich die neue Art deutlich von anderen Unenlagiiden: Ihre Zähne zeigen scharfe, ausgeprägte Längsleisten, und ihre Halswirbel waren pneumatisch, besaßen also innere Luftkammern.Gerade der Hals liefert wichtige Hinweise auf die Lebensweise des Tieres. Nach Angaben der Forscher zeigen die Wirbel spezielle Strukturen für Muskelansätze und für den Schutz von Blutgefäßen. Solche Merkmale sind bei modernen Vögeln mit besonders beweglichen Hälsen zu finden – etwa bei Reihern, die blitzschnell nach Fischen stoßen. Daraus schließen die Paläontologen, dass Kank australis kein typischer Landjäger gewesen sein muss, sondern möglicherweise aktiv an Gewässern jagte.Lesen Sie auchAuch die Umwelt, in der Kank lebte, passt zu dieser Interpretation. Vor etwa 70 Millionen Jahren war das südliche Patagonien deutlich anders als heute. Statt einer kalten, eher trockenen Landschaft herrschten gemäßigte und feuchte Bedingungen mit saisonalen Regenfällen. Die Region war von mäandrierenden Flüssen, Bächen und zeitweise bestehenden Teichen geprägt. Dort wuchsen Wasserpflanzen wie Seerosen; Fische, Insekten und Weichtiere lebten in den Gewässern. Die Überreste von Kank wurden gemeinsam mit Fischfossilien gefunden, was die Deutung als Fischfresser stützt.Die Forscher sehen in der Entdeckung einen weiteren Hinweis darauf, dass Unenlagiiden häufiger piscivor waren, also fischfressend. Dazu passen ihre verlängerten Schnauzen, zahlreichen Zähne und flexiblen Hälse. Dennoch dürfte Kank australis kein reiner Spezialist gewesen sein. In seinem Ökosystem lebten auch Frösche, Eidechsen, Schildkröten und kleine Säugetiere wie Patagorhynchus pascuali, das mit heutigen Schnabeltieren und Ameisenigeln verwandt war. Möglicherweise nutzte Kank je nach Gelegenheit verschiedene Beutetiere.Kank australis wurde wohl auch selbst zur BeuteGleichzeitig war der neue Dinosaurier selbst nicht unbedingt an der Spitze der Nahrungskette. In derselben Region lebten deutlich größere Fleischfresser, darunter der mehr als zehn Meter lange Megaraptoride Maip macrothorax. Ein Tier dieser Größe hätte Kank australis vermutlich gefährlich werden können.Bedeutend ist der Fund auch für das Verständnis der Verbreitung der Unenlagiiden. Aus Nordpatagonien sind bereits mehrere Arten bekannt, während der Fossilnachweis im südlichen Patagonien bislang lückenhaft war. Kank australis schließt nun eine wichtige geografische Lücke zwischen Funden aus Nordpatagonien und der Antarktis. Die Entdeckung zeigt, dass diese Dinosauriergruppe in der späten Kreidezeit über unterschiedliche Breitengrade Südamerikas verbreitet war.Der Name Kank verweist auf einen Mythos der Aonikenk, der südlichsten Gruppe des indigenen Tehuelche-Volkes Patagoniens. Er bezeichnet einen riesigen Nandu, dessen Schritte der Überlieferung nach Spuren am Himmel hinterließen und so das Sternbild Choiols formten – auf Lateinisch Crux, das Kreuz des Südens. Der Artname australis bedeutet „aus dem Süden“ und spielt ebenfalls auf den Fundort an.Die Arbeiten in der Chorrillo-Formation sollen fortgesetzt werden. Weitere Fossilien könnten helfen, die Biologie von Kank australis genauer zu verstehen –und zu klären, welche Rolle dieser ungewöhnliche, fischende Raptor in den Ökosystemen der späten Kreidezeit spielte.dia