Matthias Nawrat besichtigt eine dunkle Epoche der polnischen Geschichte.

Bedrückung allein macht noch keine gute Literatur: der Schriftsteller Matthias Nawrat, Jahrgang 1979.

© Alena Schmick/​Rowohlt Verlag

Der neue Roman von Matthias Nawrat heißt Das glückliche Schicksal, und kein einziger Mensch in ihm ist glücklich. Nawrat siedelt seine Figuren unter einem Handlungsbogen an, der von den Gräueln der sowjetischen Gulags über die Nachkriegsjahre in Polen bis ins Krakau der frühen Achtzigerjahre reicht – einer Zeit, in der in Polen das Kriegsrecht ausgerufen wurde, um die Solidarność-Bewegung zu unterdrücken. Mehr noch als eine fleißige Recherche – Nawrat hat zweifellos seinen Solschenizyn und Schalamow gelesen – erfordert diese historische Kulisse eine literarische Geschicklichkeit, die im Schnittmuster der politischen Wirren menschliche Schicksale derart nachzeichnet, dass das Individuelle einen stärkeren und nachhaltigeren Eindruck hinterlässt als das Politische. Hier ist das aber nur zu Beginn des Romans der Fall.