Eine deutliche Mehrheit der Deutschen rechnet damit, dass die AfD nach den Landtagswahlen im Herbst in mindestens einem Bundesland den Regierungschef stellen wird. Das zeigt eine Umfrage des Instituts Insa für „Bild am Sonntag“. 69 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die AfD nach den Wahlen im September einen Ministerpräsidenten stellt: 41 Prozent erwarten das in einem Bundesland, 28 Prozent sogar in mehreren. Nur 16 Prozent halten dieses Szenario für unwahrscheinlich, 15 Prozent sind unentschieden.Im September wird in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin gewählt. Je nach Ausgang könnte die CDU unter Druck kommen: Denn die Unionspartei hat per Parteitagsbeschluss eine koalitionsähnliche Zusammenarbeit sowohl mit der AfD als auch mit der Linken ausgeschlossen. Gelingt es ohne diese Parteien nicht, eine Regierung zu bilden, müsste sie diesen Beschluss aufweichen oder übergehen.Für diesen Fall sprechen sich 40 Prozent der Befragten insgesamt für eine Zusammenarbeit der CDU mit der Linkspartei aus, 36 Prozent bevorzugen eine Kooperation mit der AfD. Unter Unionsanhängern ist die Präferenz deutlicher: 48 Prozent favorisieren ein Bündnis mit der Linken, 27 Prozent eine Zusammenarbeit mit der AfD – rund 24 Prozent wollten sich nicht festlegen.CDU-Landesvize André Schröder aus Sachsen-Anhalt hat bereits darauf hingewiesen, dass eine Minderheitsregierung nicht auszuschließen sei. Der Parteitagsbeschluss verbiete lediglich eine Koalition mit der Linken, nicht aber eine Zusammenarbeit im Einzelfall.Die sogenannte Brandmauer gegen die AfD – also die Weigerung der anderen Parteien, mit ihr zu koalieren – sehen 45 Prozent der Befragten als Vorteil für die Partei; 30 Prozent teilen diese Einschätzung nicht, 25 Prozent sind unentschieden. Ein AfD-Verbot befürworten 38 Prozent, dagegen sind 47 Prozent.Insa befragte am 28. und 29. Mai 1003 Personen. Die maximale Fehlertoleranz liegt bei plus/minus 3,1 Prozentpunkten. (Tsp/Reuters/dpa)