Drei Punkte zu Schwarz-Grün. Punkt eins: Vor einer Woche hat die Ko-Vorsitzende der Grünen Franziska Brantner in der F.A.S. drei Politiker besonders gelobt: Konrad Adenauer, Helmut Kohl und Wolfgang Schäuble. Alle drei sind Legenden der CDU.Punkt zwei: Vor zwei Wochen wurde Brantners Amtsvorgänger im Parteivorsitz, Cem Özdemir, Chef einer grünschwarzen Regierung in Baden-Württemberg. Zum dritten Mal in Folge war diese Kombination erfolgreich, diesmal gewann sie im Stuttgarter Landtag satte 71 Prozent. Beide Seiten können sich als Sieger sehen: die Grünen, weil sie einen Hauch vor der CDU liegen, aber die CDU auch, denn sie hat knapp sechs Prozentpunkte dazugewonnen.Punkt drei ist mehr ein Pünktchen: Gerade wurde bekannt, dass in Berlin die Pizza-Connection sich weiter trifft. Das ist ein schwarz-grüner Kreis von Abgeordneten, die ausloten, was geht. Keine große Nachricht an sich, denn diese Gruppe gibt es in verschiedenen Formationen schon seit den Neunzigerjahren, aber ein Zeichen für strukturelle Bereitschaft zum Dialog. Hand aufs Herz: Kann das gehen? Die Vorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen und CDU, Franziska Brantner und Friedrich Merz.dpaBrantners Lob für die Altvorderen der CDU war da schon auffälliger, und es blieb nicht ohne freundliche Antwort. In dem Interview hatte sie Adenauer, Kohl und Schäuble vor allem als Vorkämpfer Europas gewürdigt, und im selben Atemzug hatte sie die alten grünen Vorbehalte gegen nukleare Abschreckung vom Tisch gewischt sowie eine europäische Verteidigungsunion gefordert. Damit war sie der Union in einem Kernbereich der Politik weit entgegengekommen – und das, obwohl die Grünen vor allem auf dem konservativen Flügel der CDU und in der CSU bis vor Kurzem noch regelmäßig als „Hauptgegner“ im demokratischen Lager attackiert worden sind.Die positiven Reaktionen kamen denn auch vor allem aus der liberalen Strömung der Union. Andreas Jung, Mitglied des CDU-Präsidiums, kommentierte Brantners Avancen mit den Worten, mittlerweile seien zwischen Schwarz und Grün ja viele „elementare Konfliktthemen abgeräumt“. Bei den „großen Fragen von Frieden und Freiheit, also in der Außen- und Sicherheitspolitik“, sei man heute „oft nahe beieinander“. Ein CDU-Vorstandsmitglied sagte der F.A.S., mit den Grünen könne man Deutschland jetzt zu einem Land machen, „das Russland gegenüber wehrhaft ist und sich in der Auseinandersetzung mit den USA behauptet“.Roderich Kiesewetter schließlich, Sprecher der Unionsfraktion für Krisenprävention, stellte fest, die Grünen seien in der Sicherheitspolitik heute „weiter als manche in der Union“. Da gebe es „keine Russland-Nostalgie und wenig Illusionen über China“. Es sei deshalb an der Zeit, alte parteipolitische Feindbilder zu überdenken. „Wir haben zwei Jahre auf die Grünen eingedroschen, und dann haben sie uns in Baden-Württemberg überholt“, meint Kiesewetter. „Vielleicht haben wir da etwas falsch gemacht.“Ein Herbst der GefahrenGrüne und Union tauschen aber nicht nur aus schierer Freundlichkeit Komplimente aus, sondern auch aus Not. Auf mittlere Sicht nämlich kann keine Seite ohne die andere. Beide haben früher mit SPD und FDP regiert, und beide sehen: Das geht vielleicht bald nicht mehr, denn SPD und FDP sind zuletzt arg geschrumpft. Wenn sie nach der nächsten Bundestagswahl weiter mit Partnern aus demokratischen Parteien regieren wollen, kommen sie nach heutigem Stand aneinander nicht vorbei.Im Kanzleramt redet man nicht offen davon. Wer sich in der Umgebung von Friedrich Merz erkundigt, bekommt zu Schwarz-Grün keine verwertbaren Kommentare. Wie könnte es auch anders sein? Wenn Merz jetzt öffentlich von neuen Optionen spräche, würde die SPD das als feindlichen Akt begreifen. Die Spirale des Streits, die jetzt schon seine Koalition bedroht, würde sich umso schneller drehen.
Cem Özdemir und Hendrik Wüst Schwarz-Grün in Deutschland?
Gerade noch verfeindet, nähern sich die beiden Parteien wieder an. Özdemir und Wüst wecken Hoffnungen, aber nicht nur bei Klimaschutz gehen die Meinungen auseinander.








