Der Dresdner Schriftsteller Uwe Tellkamp hat am Sonnabend eine Einführung in die Ausstellung „Feine Herrschaft“ mit Werken von Neo Rauch und Jonathan Meese gegeben. Sie findet in der Grafikstiftung Neo Rauch in Aschersleben statt, in der sachsen-anhaltinischen Stadt ist Neo Rauch aufgewachsen. Mehr als 60 Bilder der beiden weltbekannten und -begehrten Künstler sind hier bis zum 25. April 2027 zu sehen, darunter zwei Gemeinschaftswerke. „Das müssen wir klären, oder: Schönheit ist trotzdem. Versuch über die Geschichtsmaler Jonathan Meese und Neo Rauch“ überschreibt Uwe Tellkamp seine Einführung. Wir veröffentlichen den Text in voller Länge.
Meine Damen und Herren, feine Herrschaften, wer oder was ist sie, die „Feine Herrschaft“, die der Ausstellung ihren Titel gibt? Das gleichnamige Bild, ein Gemeinschaftswerk von Neo Rauch und Jonathan Meese? Ironisch gemeinter Hinweis auf das Gegenteil? Feines Herrschen, die Herrschaft des Feinen im alltäglichen Groben?
Meese und Rauch sind auf den ersten Blick sehr unterschiedliche künstlerische Temperamente. Und haben doch, scheint mir, einiges gemeinsam, zunächst und vor allem und im heutigen Kunstbetrieb keineswegs banal, daß sie, Weltstars her oder hin, Maler sind und Malerei betreiben im ernstgemeinten Sinn des Worts. Gemeinsam auch die Lust am Spiel, das Interesse an Zeit und Geschichte und dem, was der Mensch in ihnen ist. Beide sind auch nicht das, was man abstrakte Künstler nennt – wenn man davon absieht, daß Abstraktion in einem Bild in Form von Gegenständen auftreten kann.







