Mit einer Einführung von Uwe Tellkamp wurde am Sonnabend in Aschersleben die Ausstellung „Feine Herrschaft“ mit Werken von Neo Rauch und Jonathan Meese eröffnet. Der 1968 in Dresden geborene Schriftsteller und der 1960 in Leipzig geborene Maler Neo Rauch sind einander seit langem in gegenseitiger Bewunderung verbunden. Tellkamp hat sich Neo Rauchs Kunst und seinem Wesen bereits zuvor essayistisch genähert.

Die Ausstellung findet in der Grafikstiftung Neo Rauch in Aschersleben statt, in der sachsen-anhaltinischen Stadt ist Neo Rauch aufgewachsen. Bei seinen Großeltern, nachdem seine Eltern bei einem Zugunglück ums Leben kamen, da war er erst vier Wochen alt. Mehr als 60 Bilder der beiden weltbekannten und -begehrten Künstler sind hier bis zum 25. April 2027 zu sehen, darunter zwei Gemeinschaftswerke. „Das müssen wir klären, oder: Schönheit ist trotzdem. Versuch über die Geschichtsmaler Jonathan Meese und Neo Rauch“ überschreibt Uwe Tellkamp seine Einführung.

„Daß sich Meese und Rauch aufeinander einlassen bis zur gemeinschaftlichen Arbeit, hat mich überrascht, scheinen doch beide die Zuschreibungen ‚Ost‘ und ‚West‘ beispielhaft zu verkörpern. Ironischer, selbst den verbotenen Gruß anscheinend nur als Mittel zum Aufmerksamkeitszweck einsetzender Westen hier – pathetischer, alle Kunst zuvörderst als gründlich zu lernendes Handwerk in der Tradition der Meister verstehender Osten dort; abseits der Gemeinsamkeiten, dem Interesse an den Mythen, mag auch jene Anziehung eine Rolle spielen, die unterschiedliche bis gegensätzliche Charaktere aufeinander ausüben“, hieß es bei Uwe Tellkamp.